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Ein Segen für den Kräuterstrauß: Wegegottesdienst zu Mariä Himmelfahrt im Botanischen Garten

Ein Segen für den Kräuterstrauß : Wegegottesdienst zu Mariä Himmelfahrt im Botanischen Garten

Zum ersten Mal hat die Bonner Citypastoral am Mittwochnachmittag anlässlich Mariä Himmelfahrt zu einem Wegegottesdienst mit Kräutersegnung im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss eingeladen.

Was normalerweise im zurzeit wegen seiner Sanierung geschlossenen Bonner Münster oder im dortigen Kreuzgang zelebriert worden wäre, fand nun unter sachkundiger Führung der Botanikerin Jasmin Obholzer von der Grünen Schule des Botanischen Gartens statt. Der kommissarische Stadtdechant Pfarrer Bernd Kemmerling war ebenso erfreut über die etwa 150 Besucher des Open-Air-Gottesdienstes wie Sebastian Stiewe, der Leiter der katholischen Citypastoral.

An mehreren Stationen machte die Gruppe von größtenteils älteren Gläubigen Halt und erfuhr Wissenswertes über die dort wachsenden Pflanzen und Kräuter. Die Kräutersegnung an der letzten Station des gemeinsamen Rundgangs ist ein alter Brauch und drückt den Dank für die heilende und wohltuende Wirkung der Pflanzen aus, die im katholischen Glauben als ein Geschenk Gottes betrachtet werden.

So konnte Besucherin Rosemarie Merten aus Sankt Augustin von ihrer Großmutter berichten, die bei anziehendem Gewitter ein Zweiglein aus ihrem gesegneten Kräuterstrauß nahm und es auf einer Blechschaufel anzündete, um mit dem Rauch Haus und Hof zu schützen. Auch Barbara und Hans Hecker aus Alfter kamen ausnahmsweise zur Kräuterweihe nach Bonn, nicht nur, weil der besondere Ort sie anzog, sondern auch, weil sie dort ihren Kräuterbund aus Estragon, Salbei und Pfefferminze zu einer angenehm frühen Abendzeit weihen lassen konnten, was ansonsten für sie bedeutet hätte, am kommenden Sonntag recht früh aufzustehen, um im heimischen Jakob- Wahlen-Park bereits um 10 Uhr an der Kräuterweihe teilzunehmen. Auch sie werden ihr geweihtes Sträußchen in einer kleinen Marienecke aufstellen und nach dem Trockenwerden Teile davon zum reinigenden Räuchern der Zimmer verwenden.

„Wenn ich hier im Botanischen Garten stehe“, sagte Pfarrer Kemmerling inmitten von Rosen stehend, „dann fühle ich mich an das Paradies erinnert.“ Auch der Rosenkranz habe ursprünglich aus aneinandergereihten getrockneten Rosenblättern bestanden und sollte dabei an die „Liebesgeschichte unserer Erlösung“ erinnern. Die Rose stünde nicht nur für die romantische Liebe, sondern auch für den Schmerz und die Verwundung. „Das Leben ist immer beides. Und beides ist auch in Gott zu finden“, so der Pfarrer. Botanikerin Obholzer erklärte an gleicher Stelle, dass die Menschen schon seit der Steinzeit die heilbringende Wirkung der Rosen zu schätzen wussten.Für Katholiken ist Mariä Himmelfahrt der Auftakt von 30 aufeinanderfolgenden Marientagen, die als besonders segensreich gelten und erst mit dem Namensfest Marias am 12. September ihr Ende finden.