Gibt es eine Bombe oder nicht? Die Suche nach einer Fliegerbombe in Bonn hat begonnen

Update | Bonn · In der Weststadt haben die Probebohrungen zur Untersuchung des Erdreichs an der Ecke Wegelerstraße/Kreuzbergweg begonnen. Luftbildaufnahmen legen den Verdacht nahe, dass dort eine Fliegerbombe liegen könnte.

 Die ersten Bohrlöcher waren schnell gesetzt: Ein Fachunternehmen untersucht im Auftrag der Düsseldorfer Bezirksregierung den Untergrund an der Ecke Wegelerstraße/Kreuzbergweg.

Die ersten Bohrlöcher waren schnell gesetzt: Ein Fachunternehmen untersucht im Auftrag der Düsseldorfer Bezirksregierung den Untergrund an der Ecke Wegelerstraße/Kreuzbergweg.

Foto: Benjamin Westhoff

Am Montag haben gegen 9 Uhr die ersten Probebohrungen für die Suche nach einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in der Bonner Weststadt begonnen. Eine Fachfirma setzt 37 etwa sieben Meter Löcher ins Erdreich an der Ecke Wegelerstraße/Kreuzbergweg im Auftrag der Düsseldorfer Bezirksregierung. Bei der Aufsichtsbehörde ist der auch für Bonn zuständige Kampfmittelbeseitigungsdienst angesiedelt. An der Stelle plant das Bonner Tiefbauamt ein neues Schachtbauwerk für die Kanalisation. Die Asphaltdecke an der gesperrten Baustelle ist bereits abgehoben, die Lage der Versorgungsleitungen markiert. Bislang gibt es keine Anhaltspunkte für eine Bombe.

Dass dort eine Bombe liegen könnte, hat sich vor einem Jahr aus der bei solchen Tiefbauprojekten üblichen Sichtung von Luftaufnahmen ergeben. Sie wurden nach Auskunft der Bezirksregierung zwischen 1940 und 1945 gemacht. Zum Prozedere teilte Behördensprecherin Beatrix van Vlodrop mit, die Luftbilder hätten die alliierten Streitkräfte der Bezirksregierung zur Verfügung gestellt. „Diese werden mit aktuellen Luftbildern und verfügbaren Geodaten abgeglichen.“ Gewiss ist aber nicht, dass an der Ecke eine Bombe liegt. Zumal nach Angaben der Stadt in den 1950er Jahren die alten Kanäle in bis zu sechs Meter Tiefe gesetzt wurden, verbunden mit entsprechenden Ausschachtungsarbeiten.

37 Bohrlöcher geben Aufschluss

Bei den ersten Probebohrungen das Bohrfutter abwärts in den Kies wie durch Butter. Der Bohrer wurde zuvor ineinandergesteckt und mit Bolzen gesichert. Mehr als drei Schläge brauchte der routinierte Arbeiter mit dem Zimmermannshammer nicht, um den Bolzen zu versenken. Die Dreh- und Druckbewegungen übernimmt ein Bagger mit langem, ausfahrbarem Arm. Ein paar Minuten nur waren vonnöten, um die ersten Bohrlöcher in den Boden zu bringen. Ist der Bohrer raus aus der Erde, wirft einer flugs einen dünnen Kanal ins Loch, bevor herabrieselnder Kies die Öffnung verstopfen kann. Wie die Stadt am Montagnachmittag berichtete, musste das Unternehmen nach sieben Bohrungen die Sondierung abbrechen, um die genaue Lage einer Hochspannungsversorgungsleitung ausmachen zu können. Am Dienstag werde die Untersuchung fortgesetzt.

Sind alle 37 Bohrlöcher gedreht, lässt die Fachfirma sodann Sonden in die Tiefe, um den Untergrund zu erforschen. Die ersten sieben Bohrungen gaben am Montag noch keine Anhaltspunkte auf eine Bombe, am Dienstag soll es weitergehen. Die Sonden „erspüren“ Eisen in einem Radius von etwa einem Meter auf der gesamten Tiefe von sieben Metern, also Anomalien, die sich von dem gewöhnlichen Kiesuntergrund unterscheiden. „Hierbei wird das Verfahren der Geomagnetik eingesetzt. Wir messen lokale Abweichungen im Erdmagnetfeld, die in aller Regel durch Eisenkörper verursacht werden“, sagte van Vlodrop. Das städtische Ordnungsamt begleitet die Untersuchungen. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis zu zwei Tage.

Sollte sich an Ort und Stelle tatsächlich der Verdacht auf eine Bombe erhärten, würde ein Loch ausgehoben. Für die Entschärfung des Blindgängers wäre der Kampfmittelbeseitigungsdienst Düsseldorf zuständig. Wie berichtet, wäre eine Evakuierung im Umkreis von 300 bis zu 500 Meter notwendig, von der nach Angaben der Stadt bis zu 5800 Bürger betroffen wären. Die Anwohner sind über die Probebohrungen vor drei Wochen informiert worden. Die Universität hat zu Semesterbeginn Veranstaltungen möglichst ins Digitale verlegt. Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium verzichtet auf Präsenzunterricht in der Zeit der Untersuchungen.

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