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Wenige Kirchen in Bonn hatten Karfreitag geöffnet

Wenige Kirchen öffneten Karfreitag : Abstand dominiert Messen und Gottesdienste in Bonn

Erst bat die Bundesregierung die Kirchen darum, während der Ostertage auf Präsenzgottesdienste und Messen zu verzichten. Dann zog sie den Vorstoß zurück. In Bonn reagierten Katholiken und Protestanten mit Verständnis.

Nachdem die Bundesregierung ihren Vorstoß und die Bitte, auf Präsenzgottesdienste in der Osterzeit zu verzichten, zurückgezogen hatte, fanden am Karfreitag auch in mehreren Kirchen in Bonn Messen und Gottesdienste mit Besuchern statt. So auch in der katholischen Stiftskirche und in der evangelischen Kreuzkirche. Im Vorfeld achteten die Vertreter auf strenge Hygienemaßnahmen.

Aus der Innenstadt und vom Hofgarten kamen die Teilnehmer des Gottesdienstes in der Kreuzkirche. „Mein ganzes Leben bin ich karfreitags in die Messe gegangen, letztes Jahr haben wir es sein lassen müssen. Es ist christliche Tradition, und ich finde es gut, dass es zugelassen wurde“, sagte eine Besucherin, die ihren Namen nicht nennen wollte, und desinfizierte sich im Vorraum ihre Hände. „Die Kirche ist groß genug. Mit Masken und genügend Abstand sehe ich da kein Problem“, fügte ihr Begleiter hinzu. Sie vertrauten auf das Hygienekonzept der Gemeinde, wonach beispielsweise nur jede zweite Bank mit höchstens zwei Mitgliedern unterschiedlicher Haushalte besetzt sein durfte. Zudem mussten alle Besucher zuvor einen Kontaktdatenzettel ausfüllen. Eine vorherige Anmeldung wurde nicht verlangt.

Verständnis für den Vorstoß der Bundesregierung

Für den Vorstoß der Bundesregierung bezüglich der Oster-Präsenzgottesdienste zeigte Pfarrerin Ingrid Schneider Verständnis. „Die Erwägungen der Bundesregierung verstehe ich. Wir haben im Presbyterium ausführlich darüber gesprochen, ob wir unseren Raum bieten wollen, damit die Menschen ihren Glauben leben können oder ob wir sie in ihrem Rückzug zu Hause unterstützen sollen“, sagte Schneider vor der Messe. „Es ist eine schwierige Frage, aber wir haben uns für die Seelsorge in diesen schwierigen Zeiten entschieden“, fügte sie hinzu. „Wir haben ein ausgefeiltes Hygienekonzept und lassen nur eine zehnprozentige Auslastung zu“.

Als das Glockengeläut den Beginn des Gottesdienstes ankündigte, nahmen in der für insgesamt 1200 Besucher ausgelegten Kreuzkirche etwa 130 Menschen Platz. „Wir als Kreuzkirchengemeinde haben das Geschenk der Größe. Es ist auch ein Geschenk für andere Gemeinden, deren Kirchen zu klein sind, um heute zu öffnen. Alle, bis auf drei der evangelischen Kirchen in Bonn, müssen heute leider geschlossen bleiben“, sagte Schneider.

Orchester und Sängerinnen mussten negativen Corona-Test vorlegen

Womöglich auch deshalb saßen zahlreiche Gläubige bereits mehr als eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes auf den Bänken, von wo sie bedächtig dem Kreuzkirchenorchester unter der Leitung von Karin Freist-Wissing zuhören konnten. Da das Mitsingen den Besuchern untersagt war, musste das Orchester, begleitet von den Stimmen der Sängerinnen Stefanie Watin und Anja Neufang-Sahr, den musikalischen Teil der Liturgie allein tragen. Zuvor hatten alle Mitglieder einen negativen Corona-Test vorgelegt.

„Da, wo wir leiden, leidet Gott in Gestalt von Christus mit uns und verweist uns aneinander. Gottes Gegenwart will erfahren werden im Für- und Miteinanderdasein. Dafür steht das Kreuz“, sagte Schneider in ihrer Predigt im Anschluss an die Lesung der Passionsgeschichte des Johannesevangeliums. Die damaligen „Machtspiele“ der Priester und Pontius Pilatus erkannte sie „auch in unserer heutigen Welt voller Selbstbezogenheit“.

Desinfektion statt Handbad im Weihwasser

Auch in der Stiftskirche der katholischen Gemeinde St. Petrus, wo Gemeindemitglieder zuvor an einem Kreuzweg für Kinder und Familien teilnahmen, gab es die traditionelle Lesung aus dem Johannesevangelium. Im Vorfeld bat die Gemeinde um Anmeldungen und wies den etwa 50 Teilnehmer jeweils einen Sitzplatz mit adäquatem Abstand zu.

Die Entscheidung, einen Präsenzgottesdienst abzuhalten, stieß auch bei Katholiken in der Stiftskirche auf Zustimmung. Auch wenn sie vor dem Eintritt die Hände desinfizieren mussten – anstatt wie sonst üblich die Finger in Weihwasser zu tauchen. „Es herrscht zurzeit ja mal Hü, mal Hott bei der Regierung. Aber ich bin regelmäßiger Kirchenbesucher und weiß, dass die Verantwortlichen hier alles corona-konform geregelt haben“, stellte ein Besucher der Messe, der seinen Namen nicht nennen wollte, fest. „Ich gehöre wohl schon zur Risikogruppe, aber am Karfreitag will ich natürlich in die Kirche. Es ist doch sonst kaum etwas möglich“, entgegnete eine Dame, während sie den Kontaktzettel ausfüllte. „Mein Mann ist sogar schon geimpft. Aber er wollte nicht mit“, fügte sie hinzu. 

„Das Kreuz Jesu ist auch das Kreuz der Menschen“, sagte Pfarrer Walter Koll anschließend in seiner Messe. „Es führt uns vor Augen, was Menschen einander antun können und welches Leid sie zu tragen haben“, ergänzte er und zeigte damit auf, wie nahe sich die beiden Konfessionen am höchsten Fest des Kirchenjahres sein können. Die heilige Kommunion wurde den Gläubigen anschließend schweigend am Platz gereicht.