Carlos Santana auf dem Kunst!Rasen Wenn Liebe wehtut

Bonn · Eine Eingewöhnungsphase brauchen Carlos Santana, seine Leute und das Publikum auf dem Kunst!Rasen nicht: Die Congas wirbeln, die Schlagzeuge brausen auf, der Bass steigt ein, die Bläser geben Gas, und schon jault Santanas Gitarre los - man würde sie und den Stil des Meisters aus Tausenden heraushören. Deswegen sind ja auch 7500 in die Gronau gekommen.

Santana ist gut drauf. Das Publikum bei fast südamerikanischen Temperaturen am Rhein auch. Mit "Toussaint L'Ouverture" setzen Carlos & Co. einen ersten Akzent. Gewidmet ist die Nummer dem tahitianischen Revolutionshelden Toussaint L'Ouverture, doch kein Hauch von Polit-Rhetorik: Es ist ein furioses, typisches Santana-Lied, mit spärlichem Text, einem treibenden Latin-Rhythmus und der Instrumental-Opulenz die man bei dem Mann aus Mexiko liebt, der am kommenden Samstag 66 wird (was man ihm nicht ansieht).

Elegant werden "While my Guitar gently Weeps" und "Let me be misunderstood" eingeflochten. Santana zeigt Bonn, was er mag. Die Nummer endet mit einer Aufforderung zum Tanz: "Vámos morena a bailar". Das Publikum hätte diese Aufforderung gar nicht gebraucht Es ist ein herrlicher afro-kubanischer Tanz. Nach und nach wird aus dem rhythmischen Wippen eine geschmeidige Bewegung der "beautiful people from Germany" auf dem Rasen.

Santana lobt den wirklich exzellenten Gary Clarke jr. aus Texas, der das Publikum als Vorgruppe in Laune gebracht hatte, hält die Stimmung. Und verblüfft. Das weltberühmte Keyboard-Intro von "Black Magic Woman" kommt erst, nachdem Santana & Co. mit gestrichenem Bass und sehr gedehnten Rhythmen, hingetupften Akkorden ihr erstes Klangexperiment absolviert haben. Das zeichnet eine Extraklasse-Lifeband aus. Dann zeigt die "Black Magic Woman", was in ihr steckt, wie soulig dieses Stück sein kann. Die Herzen schlagen höher.

Da sind wir - das Konzert hat doch gerade erst begonnen - schon mitten drin im Klassiker-Set. "Oye Como va" mit seinen packenden Soli aus dem Spitzenalbum "Abraxas" absolviert Santana Kaugummi kauend und hochkonzentriert vom Bühnenrand aus, überlässt den Sängern, Bläsern und Perkussionisten das Feld.

[kein Linktext vorhanden]Dann der flauschige, chartkompatible Pop-Song "Maria Maria", mit dem der Charmeur Santana den Frauen auf dem Kunst!Rasen den Hof macht: "Frauen wollen angebetet werden". Tausendmal gehört, längst über-hört und doch scheinen Stücke wie dieses für die Musiker nur der Grundstoff für neue Experimente zu sein. Santana bricht aus, bringt hier eine Arabeske an, lässt dort einen langen Gitarrenjauler los, gibt den Congas freien Lauf, auch ein Rap ist dabei.

Santana auf dem Kunst!Rasen
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"Maria Maria" hört man in der Akustikversion, die sich bald zur vollen Bandbreite entfaltet, völlig neu. Das Konzert wird immer besser. Mit "Foo Foo", das mit veritablen Mariachi-Bläsern startet, und "Jingo", "Gipsy Queen", besonders mit der Herzschmerz-Ballade "Corazón espinado", Stachel im Herz, ist Santana in seinem Element: Großes Gefühl, große Oper, maximale Opulenz.

Die ganze Bühne ist in Bewegung - und der Kunst!Rasen kocht. "Wie die Liebe schmerzt", hört man in "Corazón Espinado". Wieder gefällt sich Santana in Zitaten, spielt etwas aus dem Musical "Mary Poppins", dann aus dem Jazzklassiker "My favourite Things". Er verlässt die treibende Latino-Linie, verliert sich in einem schleppenden, betörenden Blues, nimmt sich Zeit für ein packendes Solo, lässt die Rasseln rasseln und das Glockenspiel spielen.

Eine Atempause in diesem atemlosen Konzert, das bis in die Dämmerung hinein begeistert, mit Marvin Gayes tollem "Right on", "Evil Ways" und vielen Klassikern der Band für ausgelassene Partystimmung sorgt - und für Spaß, wenn Santana & Co. mit dem Thema vom "Rosaroten Panther" ein raffiniertes, bluesiges Medley in Gang setzen.

"Love and Light", Licht und Liebe wollte er den Bonnern bringen, sagte Santana - "ich fühle das Licht in eurem Herzen". Das ist restlos gelungen.