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Wer wird neuer Superintendent in Bonn?

Kirchenkreis Bonn : Wer wird neuer Superintendent in Bonn?

Die öffentliche Synode des Evangelischen Kirchenkreises bestimmt am 16. November die Nachfolge für Eckart Wüster. Von sieben Bewerbern stehen jetzt nur noch zwei zur Wahl.

Mit Spannung blickt das evangelische Bonn auf den basisdemokratischen Wahlprozess für die Nachfolge von Superintendent Eckart Wüster. Der wird zum 1. März 2020 nach 19 Jahren im Nebenamt in den Ruhestand gehen. Die Position wird nun für acht Jahre erstmals im Hauptamt vergeben. Zur Wahl stehen am 16. November auf der Kreissynode von anfangs sieben noch zwei Bewerber: Dietmar Pistorius (53), Gemeindepfarrer an der Stadtkirche in Troisdorf und stellvertretender Skriba des Kirchenkreises an Sieg und Rhein mit Zusatzprofil Mediator. Und die promovierte Theologin Wibke Janssen (54), Pfarrerin an der erzbischöflichen Liebfrauenschule und als Skriba Mitglied im Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Bonn.

Der GA hat beide nach ihren Schwerpunkten und Visionen in der Stadtgesellschaft gefragt. „Der Auftrag der Kirche ist kein geringerer, als die Welt zu verändern,“ antwortet Pistorius. Nur, dass die Welt nicht auf die Kirche warte. Sie wandele sich rasant und mit ihr die Rahmenbedingungen, unter denen Kirche ihre Sendung zur Welt wahrnehmen könne. „In dieser Situation möchte ich Mut zum Aufbruch machen“, so Pistorius. Aufbruch heiße immer auch Abschied: Man werde sich strukturell anpassen müssen. „Ich will dies aber unter der Leitfrage tun: Wie kann die Evangelische Kirche ihre Sendung zur Welt im Jahr 2030 kreativ und wirksam leben?“ Es gehe ihm darum, die Verheißung zu entdecken, die den Abschied lohne. „Das Wort Zukunftsstrategie ist mir dafür zu klein.“

Dietmar Pistorius ist Gemeindepfarrer in Troisdorf. Foto: privat/Ebba (FM) Hagenberg-Miliu

Evangelische Kirche in Bonn als wichtiger Akteur

Die Evangelische Kirche in Bonn sei mit Diakonie, Migrationsarbeit, Bildung und Kultur, aber auch mit ihrer Präsenz in Schulen, Kliniken und Quartieren ein wichtiger Akteur. Er wolle sich, wenn er gewählt werde, darauf aufbauend verstärkt für gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen, betont der 53-Jährige. Es geht darum, Menschen zusammenzubringen, die sonst wenig miteinander zu tun haben, und vielen die Teilhabe an den gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen zu ermöglichen. „’Suchet der Stadt Bestes’ würde auch in Bonn mein Leitmotiv sein“, sagt Pistorius.

Die Kandidatin Wibke Janssen will eine „sichtbare Kirche“ fördern, etwa mit einem Sommerabendformat auf dem Kreuzkirchenvorplatz: Musik, Drinks und Diskussionen zu Aktuellem von Kinderarmut bis Sterbehilfe soll es geben. „Wir sind vielfältige Kirche mit unterschiedlichen Generationen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Jugend“, so Janssen. Im nächsten Herbst soll auf einer Jugendsynode eine möglichst große Bandbreite junger Menschen sagen, was sie bewegt und was sie von Kirche erwarten. Der Kirchenkreis sei außerdem zukunftsfähig: Mit Anregungen aus Wissenschaft und gelungener Praxis sollen Antworten auf die nachlassende Kirchenbindung entwickelt werden.

Kirche als Anwalt für alle in der Gesellschaft

„Wir sind anwaltliche Kirche für die, die wenig Stimme in unserer Gesellschaft haben und die, vor Ort oder weltweit, bei der Verteilung der Güter schlecht wegkommen,“ so Janssen. Man sehe Not und kümmere sich. Maßstäbe, Kraft und Hoffnung finde man im Glauben. Der evangelische Kirchenkreis in Bonn habe ein waches Herz für die Stadt und setzt sich ein für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in Bonn. „Wir nutzen den Dialog der Konfessionen und Religionen zum Wohle der Stadt und leisten einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben“, sagt Janssen. Der Kirchenkreis diene den Menschen mit dem Diakonischen Werk, der Notfallseelsorge sowie mitreißenden und tröstlichen Gottesdiensten.

Im Stadtgebiet sind 1968 aus dem ehemaligen Evangelischen Kirchenkreis Bonn drei Kirchenkreise entstanden, von denen jeder auch Gemeinden außerhalb Bonns einbezieht: der heutige Kirchenkreis Bonn in Bornheim und Alfter. Der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel reicht in den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis bis Euskirchen, der Kirchenkreis An Sieg und Rhein über Beuel hinaus in den rechtsrheinischen Kreis. Im Stadtgebiet spricht meist der Superintendent des Kirchenkreises Bonn in Absprache auch für seine beiden Kollegen.

Die Wahl findet am zweiten Tag der Synode am 16. November ab 9 Uhr im Haus der Evangelischen Kirche, Adenauerallee 37, statt.