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De-Gaulle-Besuch in Bonn 1962: Westerwelle und Fabius erinnern an historisches Ereignis

De-Gaulle-Besuch in Bonn 1962 : Westerwelle und Fabius erinnern an historisches Ereignis

Vor 50 Jahren kam der französische Staatschef de Gaulle zu einem denkwürdigen sechstägigen Besuch nach Deutschland. Zweck der Reise: Aussöhnung der Kriegsgegner. Die Außenminister Westerwelle und Fabius erinnerten in Bonn an das historische Ereignis.

"Es lebe Bonn, es lebe Deutschland, es lebe die deutsch-französische Freundschaft!". Als Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle mit diesen Worten seine wegweisende Rede am 5. September 1962 auf dem Bonner Marktplatz beendet, branden Beifallstürme auf.

Die Bonner wissen, dass dies ein historischer Moment ist: Beide Länder, zuvor erbitterte Kriegsgegner, sind auf dem Weg zur Aussöhnung. Und sie als Bürger stimmen jubelnd zu. Die beiden Wegbereiter, Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), werden auf der Rathaustreppe gefeiert.

Aus offener Limousine winken dann die beiden Staatsmänner auf dem Marktplatz den etwa 30 0000 versammelten Bonnern zu. Der Auftritt de Gaulles hat sich bei Generationen verankert und steht noch heute symbolisch für die deutsch-französische Freundschaft.

De Gaulle, ein Anführer des Widerstands gegen die deutsche Besatzung im zweiten Weltkrieg, hielt seine Rede frei und auf Deutsch. Was einige Jahre zuvor noch undenkbar schien, formulierte der frühere Kriegsgegner jetzt in pathetischen Worten: Er sprach von "Vertrauen" und würdigte "das große deutsche Volk".

Genau 50 Jahre später erinnerten der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und sein französischer Amtskollege Laurent Fabius am Mittwoch in Bonn an diesen denkwürdigen Staatsbesuch, der auch die Weichen für die Unterzeichnung des Grundlagenvertrags (Elysée-Vertrag) am 22. Januar 1963 stellte.

De Gaulles Bonner Besuch sei "im Gedächtnis haften geblieben", sagte Fabius. Adenauer und de Gaulle seien Persönlichkeiten mit "großem Charakter" gewesen und hätten damals "den Mut und die Kraft gehabt, die Geschichte umzukehren".

Die Zusammenarbeit mit Frankreich sei seit der damaligen Zeit von beiderseitigem Vertrauen geprägt, betonte Westerwelle. "Es bleibt wie vor 50 Jahren eine Sache des Vertrauens unter Freunden." Das besondere an der Freundschaft sei, dass es "eine Freundschaft der Völker" sei.

Ganz Bonn war damals unterwegs, als de Gaulle kam. Günter Wächter, damals 13-jähriger Gymnasiast, erinnert sich: "Wir Schüler bekamen damals frei. Wir wurden mit kleinen Fähnchen mit den Nationalfarben beider Länder ausgestattet und auf dem Weg, wo de Gaulle vorbeifuhr, zum Winken postiert."

Beide Außenminister enthüllten zur Erinnerung an die Rede de Gaulles vor dem Bonner Rathaus eine Gedenktafel. Eines war ihnen bei der Jubiläumsfeier aber wichtig: Den Bogen von der deutsch-französischen Freundschaft zu Europa zu schlagen. Fabius machte deutlich: "Deutschland braucht Europa, Frankreich braucht Europa, Deutschland und Frankreich brauchen sich gegenseitig und beide brauchen Europa."