Bonner Gemeinde baut im Buschdorfer Gewerbegebiet Wie aus einer Kirche ein Stadtzentrum werden soll

Buschdorf · Die evangelische Freikirchengemeinde „Kirche für Bonn“ baut im Buschdorfer Gewerbegebiet nicht nur einen neuen Gemeindesaal, sondern auch eine Turnhalle. Einer der Pastoren erinnert sich an den Gründungsanfang, an viel Motivation und ein gerüttelt Maß an Naivität.

Pastor Erwin Schwindt (r.) und Klaus Kraus von der Buschdorf-Stiftung in der Halle, in der bis zum nächsten Jahr der neue Gemeindesaal entstehen soll.

Pastor Erwin Schwindt (r.) und Klaus Kraus von der Buschdorf-Stiftung in der Halle, in der bis zum nächsten Jahr der neue Gemeindesaal entstehen soll.

Foto: Philipp Königs

Eine Kirche mitten im Gewerbegebiet findet man auch nicht alle Tage. In Buschdorf ist das aber der Fall. Vor 15 Jahren begann alles mit einer Idee. Ein paar Jahre später schien aus der Idee etwas Greifbares zu werden, als nämlich einem guten Dutzend Enthusiasten eine Großbäckerei als möglicher Mittelpunkt ihrer Gemeinde angeboten wurde. Einer der heutigen Pastoren der „Kirche für Bonn“, einer Gemeinde im Bund Freier evangelischer Gemeinden, gehörte zu den Initiatoren. Der Theologe Erwin Schwindt sagt heute: „Wir sind damals mit viel Motivation und auch Naivität an die Sache herangegangen.“ Am Ende aber stand ein unterschriebener Kaufvertrag. Und die Gemeinde schickt sich an, die Kirche im Buschdorfer Gewerbegebiet überdies als Zentrum für Sport, Kultur und als Treffpunkt auszubauen.

Turnhalle soll dieses Jahr fertig sein

Vor gut zehn Jahren also nahm der Umbau einer Gewerbeeinheit in der Christian-Lassen-Straße 9, direkt gegenüber einer Spielhalle, seinen Lauf, der noch nicht auf der Zielgeraden angekommen ist. Neben einem weiträumigen Café im Eingangsbereich liegt der Gemeindesaal mit Platz für mindestens 200 Gottesdienstbesucher, beides mit viel ehrenamtlichem Engagement errichtet und ausgestattet. Auf der Bühne vorne wird nicht nur gepredigt, sondern derart musiziert und gesungen (sogar ein Schlagzeug steht parat), dass der hintere Saalbereich mit seinem elektronischen Equipment zur Verstärkung beinahe an die Ausstattungsmerkmale eines Clubs erinnert.

„Unsere Gottesdienste laufen etwas anders ab. Es sind mindestens 30 Personen beteiligt“, erzählt Schwindt. Etwa 300 feste Mitglieder zähle die Gemeinde derzeit, allsonntäglich erschienen zu den beiden Gottesdiensten rund 500 bis 600 Besucher, die nicht nur aus Bonn kämen, sondern auch aus der weiteren Umgebung. Das übrigens hat die Gemeinde dazu veranlasst, eine Namensumbenennung zu erwägen, über die noch nicht abschließend entschieden ist.

Neben den Gottesdiensten liege ein Schwerpunkt auf dem Sozialen und Familien, sagt Schwindt. Ein neben dem Gemeindesaal gelegenes Separee ermöglicht jungen Eltern, durch eine Glasscheibe Veranstaltungen auf der Bühne verfolgen und hören zu können, während die Kinder sich dem ausgebreiteten Spielzeug widmen. Sportangebote spielten ebenfalls eine große Rolle. Das ist mit ein Grund, warum die Gemeinde im rückwärtigen Teil der Fabrikhalle derzeit eine Turnhalle baut, die im Sommer dieses Jahres fertig werden soll. Direkt daneben liegt ein anderer großes Hallenteil, in dem bis zum nächsten Jahre ein größerer Kirchenraum entstehen soll, für die nach Angaben von Schwindt wachsende Gemeinde, die sich zum Apostolischen Glaubensbekenntnis bekennt.

Finanzierung aus Spenden

Nun will sich die „Kirche für Bonn“ nicht nur um die eigene Achse drehen. Es gibt örtliche Veranstaltungen wie den Buschdorfer Advent oder ökumenische Andachten, die dort schon stattgefunden haben, ebenso wie Mitsingkonzerte. „Als Christen haben wir uns auch die Frage gestellt, was wir für den Ort und die Stadt tun können“, sagt Schwindt.

Aus Sicht von Klaus Kraus, Jahrzehnte Vorsitzender des Buschdorfer Ortsfestausschusses und gegenwärtig Vorsitzender der Buschdorf-Stiftung, tut die Freikirche dem Ort gut. So habe die Gemeinde für die Stiftung und eine ganze Reihe anderer Sozialeinrichtung etwa in bemerkenswertem Umfang gespendet (siehe „Die Spenden“). Kraus: „Man merkt, dass sich hier etwas bewegt.“ Buschdorf habe ja kaum noch Orte, an denen die Bürger zusammenkommen könnten. Kraus erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die Bevölkerung in Buschdorf nach der Vollendung von Neubauprojekten wie dem „Apfelgarten“ in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Eine geplante Bebauung des Rosenfelds brächte weitere Neubürger in den Ort. „Uns fehlen schlicht Räume.“

Das könnte sich mit den Baufortschritten weiter ändern. Die Pläne der Gemeinde sehen vor, dass die ehemaligen Räume der Großbäckerei „praktisch an sieben Tagen die Woche“ genutzt werden. Von der Gemeinde, aber auch von Vereinen und Veranstaltern, für Geburtstage und Feiern. Die Einnahmen aus Vermietungen würden einerseits die Investitionskosten refinanzieren. Gleichwohl wolle man als Gemeinde beispielsweise Vereinen mit kleinem Geldbeutel bei den Preisen entgegenkommen.

Zwar wäre die Bonner Gemeinde durchaus berechtigt, gegenüber ihren Mitgliedern Kirchensteuern zu erheben. Darauf verzichtet man aber und setzt stattdessen auf freiwillige Spenden. „Selbstständigkeit und freie Entscheidung sind ein hohes Gut“, sagt Schwindt. Aus diesen Spendeneinnahmen würden die laufenden Kredite für die Liegenschaft im Gewerbegebiet bestritten, die weiteren Millionen-Investitionen für die geplanten Umbauten und die Gehälter für die Angestellten in Teil- und Vollzeit, zu denen neben Pastoren auch eine Buchhalterin zählt.

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