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Alter Friedhof in Bonn: Wie der Grabstein von Robert Schumann geschützt wird

Alter Friedhof in Bonn : Wie der Grabstein von Robert Schumann geschützt wird

Wer bei einem Spaziergang über den Alten Friedhof das Grabmal von Robert und Clara Schumann sucht, findet an seiner Stelle seit Dienstag ein Christo-ähnliches Gebilde aus Lkw-Plane. Doch Sorgen machen muss man sich deshalb nicht.

Denn das rund drei Meter hohe Denkmal ist nicht etwa beschädigt oder muss überarbeitet werden, sondern es wurde mit einer maßgeschneiderten Schutzhülle versehen. Das sogenannte „Einhausen“ bringt das Grabmal nämlich sicher durch den Winter.

„Der Schutzmantel besteht aus drei Lagen“, erklärt Mechthild Deters von der Fördergesellschaft des Alten Friedhofs, die sich für den Erhalt der Monumente einsetzt. „Zuerst wird ein Überzug aus Wollfilz über den Stein gezogen. Dann folgt eine luftdurchlässige Stoffschicht und zum Schluss ein Zelt, das mit Abluftschlitzen ausgestattet ist.“ Damit Besucher wissen, was sich unter der Plane verbirgt, wird zudem ein Foto des Denkmals in Originalgröße an der Hülle des Denkmals befestigt.

Die Konstruktion soll das Denkmal vor Frost schützen. „Der Grabstein ist aus Marmor gefertigt“, erklärt Deters. „Im Winter kann Wasser in die feine Struktur des Marmors eindringen und den Stein sprengen, wenn die Tröpfchen gefrieren.“ In Denkmalschützer-Kreisen ist das Verfahren jedoch umstritten. „Viele plädieren für einen natürlichen Schutz, wie er schon im 18. Jahrhundert verwendet worden ist. Damals hat man Holzkonstruktionen mit Stroh um wertvolle Denkmäler errichtet“, so Deters.

„Das Grabmal sieht aus wie neu“

Die moderne Variante für das Grab der Schumanns hat der Bonner Zeltbauer Franz Aachen umgesetzt. „Mit der Vermessung hat die Herstellung drei Tage gedauert und 1200 Euro gekostet“, sagt Aachen. Eine Investition, die sich lohnt. Seit vier Jahren überwintert das Monument schon in dem Schutzmantel. Und: „Das Grabmal sieht aus wie neu“, so der sichtlich stolze Zeltbauer. Das berühmte Kunstwerk, auf dem das Konterfei des Komponisten von musizierenden Engeln eingerahmt wird, ist nicht die einzige Grabstätte auf dem Alten Friedhof, die über Winter unter einer Plane verschwindet.

„Zurzeit haben wir noch ein weiteres Grab eingehaust“, sagt Restaurator Hermann Krause von der Stadt. „Im Idealfall sollten bis zu 30 Prozent der rund 700 Gräber auf dem Alten Friedhof mit Planen überdeckt werden. Doch mit 5o.000 Euro Jahresbudget für alle Bonner Friedhöfe kommt man nicht weit.“

Ein weiters Grabmal, das Deters und Krause gerne vor der Witterung schützen wollen, ist die Sitzplastik des 1877 verstorbenen Jacob Nöggerath, der ab 1818 Professor für Mineralogie und Geologie an der Universität Bonn war. „Der Marmor wird durch Regen und Moos sichtlich angegriffen“, so Deters. „Wir hoffen, dass uns die Uni bei der Restaurierung und Wahrung etwas unter die Arme greift.“