1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Kaum Regen: Wie die Bonner mit der Trockenheit umgehen

Kaum Regen : Wie die Bonner mit der Trockenheit umgehen

Schrebergärten und Stadtbäume brauchen derzeit viel Wasser: Bonner berichten, wie sie mit der anhaltenden Trockenheit umgehen. Die Stadt spürt einen höheren Wasserverbrauch.

„Grüne Stadt Bonn“, heißt es in großen Lettern – völlig unabhängig vom Ausgang der Kommunalwahl – auf der städtischen Webseite, wenn man dort „Umwelt und Natur“ aufruft. Um weiterhin mit Stolz auf das städtische und private Grün der Stadt verweisen zu können, muss allerdings viel Aufwand getrieben werden. Für das Amt für Stadtgrün bedeutet das, mehr als 110.000 Bäume, 40 Friedhöfe und Grünflächen von der Größe von annähernd 2000 Fußballfeldern mit Wasser zu versorgen. Nicht ganz so viel Fläche, dafür jedoch etwas differenzierter im Detail gestalten sich Pflege und Erhalt von Gemüse, Obst und Zierpflanzen in den Bonner Schrebergärten.

Kleingärtner sprechen von trockenen Böden

Der Kleingartenverein Rheindorf vereint fünf Anlagen mit insgesamt knapp 100 Parzellen. In einer davon sitzen Edith und Dieter Golla mit Nachbarin Helga Felten nach getaner Arbeit bei einem Glas Bier zusammen. Gegossen werde immer nur in den frühen Morgenstunden, sagt Dieter Golla. Seiner Frau ist es wichtig, zu ergänzen, dass nur so viel wie nötig gewässert wird. Für ihre rund 600 Quadratmeter große Parzelle brauchen Gollas rund 15 Kubikmeter Wasser im Jahr. Eine Menge, die beispielsweise ein runder Gartenpool von rund 4,5 Metern Durchmesser fasst.

Mehr als das Fünffache scheint dagegen die Flora von Uwe Mützelfeld, dem Vorsitzenden der Gartenfreude Tannenbusch, in seinem 375 Quadratmeter großen Garten zu verlangen. Die zwanzig Zehn-Liter-Kannen, die er jeden Morgen auf das Gemüse und die Blumen gießt, lassen sich längst nicht mehr aus seinem 2000 Liter Regenfass füllen. Verantwortlich seien dafür die unzähligen Hortensien seiner Frau. „Das sind regelrechte Wasserschlucker“, sagt er. Das Wasser schwimme weg, da die Erde über die lange Trockenheit nichts mehr aufnehme. „Die Erde ist so hart, dass selbst die Motorhacke nur noch darüber hoppelt.“

Jetzt brauchen vor allem noch Tomaten, Paprika und Salate das kostbare Nass, erklärt Golla. Dank des wechselhaften Wetters im Juni und Juli können die Rheindorf-Kleingärtner bereits auf eine erfolgreiche Ernte von Bohnen, Zucchini und Gurken zurückblicken. „Da haben wir in diesem Jahr schon viel Glück gehabt“, sagt Felten. Da sie während des Streichens ihrer Laube vergessen hatte, den Wassersprenger abzustellen, dürfte auch das kleine Rasenstück vor ihren weitläufigen Gemüsebeeten und Gewächshäusern genug Wasser für die nächsten Tage bekommen haben. „Manchmal ist es schon beschwerlich“, so Golla, „die Zehn-Liter-Gießkannen zu schleppen.“ Eine Bewässerungsanlage, wie sie die Nachbarin hat, haben die Gollas nicht. „Hier ist alles Handarbeit“, freut sich die Kleingärtnerin über die prachtvollen Ergebnisse ihrer Fürsorge.

Obwohl Laura B. Zusammen mit ihrer Mutter eine Pflege für die Grabstätte ihrer Großeltern auf dem Nordfriedhof beauftragt hat, sind die beiden aus Köln und Gummersbach gekommen, um Blühendes zu pflanzen und „ein paar Kannen Wasser“ zu spendieren.

An allen Stellen wird momentan aus Kannen und Schläuchen bewässert. Über 600 offizielle Baumpatenschaften haben Bonner Bürger übernommen und gießen somit täglich Straßenbäume oder städtische Grünanlagen vor ihrer Haustüre. Eine damit verbundene Sorge um eine bevorstehende Wasserknappheit scheint jedoch unbegründet. Am 17. September betrug der Füllstand der Bonn zu 100 Prozent versorgenden Wahnbachtalsperre mit 26 Millionen Litern noch mehr als 63 Prozent. Erfahrungsgemäß steigt der Pegel wieder mit den vermehrten Niederschlägen im Herbst und in den Wintermonaten.

Beruhigend vermelden auch die Bonnner Stadtwerke auf Anfrage des GA, dass der Wasserverbrauch in den letzten Jahren nur gering gestiegen sei. „Die leichte Erhöhung hängt sicher auch mit der Anschaffung von Pools und Bewässerungsmaßnahmen zusammen. Der leichte Anstieg stellt bisher jedoch kein Problem für die Wasserversorgung dar“, so Michael Henseler von den SWB.