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„Mein Bonn - Unser Bonn“: Wie sich die Bonner ihre Stadt vorstellen

„Mein Bonn - Unser Bonn“ : Wie sich die Bonner ihre Stadt vorstellen

Der erste Aktionstag des evangelischen Kirchenkreises Bonn auf dem X-traPlatz vor der Kreuzkirche drehte sich um das Thema „Mein Bonn - Unser Bonn“.

Wie kann aus „meinem“ Bonn „unser“ Bonn werden? Eine gewichtige Frage, da die Stadtgesellschaft sehr vielfältig ist und die Bürger sehr unterschiedliche Vorstellungen von „ihrem“ Bonn haben. Das wurde mit einem Blick auf die Holzklötzchen deutlich, die am Samstagnachmittag auf zwei Tischen auf dem X-Tra-Platz vor der Kreuzkirche lagen. Beim Aktionstag des evangelischen Kirchenkreises konnten Menschen auf die Klötze schreiben, was sie sich für ihre Stadt wünschen würden.

 Über die Holzklötze, die tagsüber beschriftet wurden, gab es vor der Kreuzkirche rege Diskussion.
Über die Holzklötze, die tagsüber beschriftet wurden, gab es vor der Kreuzkirche rege Diskussion. Foto: Stefan Knopp

Rund 100 Personen nutzten das und notierten teils sehr unterschiedliche Dinge. Auf der einen Seite zum Beispiel „Autofreie Innenstadt“, auf der anderen „Radfahrer disziplinieren“. Da wurde mehr „weniger Lärm“ gefordert, aber auch „mehr Kultur“. Preiswerte Parkplätze, Urban Gardening, besseres Radwegenetz, Vernetzung von Milieus und Stadtteilen oder auch „keine hohen Beamten mehr in Bonn“: All das war zu lesen. „Ein Mädchen stieg auf einen Hocker und sagte: Ich will bessere Klos für die Grundschulen haben“, erzählte der evangelische Pfarrer Martin Engels.

Über die Herausforderung, diese unterschiedlichen Perspektiven unter einen Hut zu bringen, wurde vor der Kreuzkirche auch diskutiert. In der ersten Runde interviewten Engels und Diakonie-Pressesprecherin Andrea Hillebrand Oberbürgermeisterin Katja Dörner und Superintendent Dietmar Pistorius dazu, wie „ihr“ Bonn aussieht. Dörner lobte die „Stadtgesellschaft, die bereit ist, sich einzubringen“, etwa im Klimaforum Bonn4Future. Pistorius sah in der Infrastruktur der evangelischen Kirche in Bonn ein großes Potenzial. Das müsse nur abgerufen werden. „Ihr habt mich im Rücken“, sagte er. „Bitte fördert die Kommunikation untereinander.“

 Katja Dörner (2.v.l.) und Dietmar Pistorius (2.v.r.) erklären Andrea Hillebrand und Martin Engels, was für sie Bonn ausmacht.
Katja Dörner (2.v.l.) und Dietmar Pistorius (2.v.r.) erklären Andrea Hillebrand und Martin Engels, was für sie Bonn ausmacht. Foto: Stefan Knopp

Die Menschen hätten in den aktuellen Krisen gezeigt, dass sie bereit sind, einander zu helfen, sagten beide. Dörner hob die Hilfsbereitschaft der Bonner für Betroffene der Flutkatastrophe hervor, Pistorius die Chance der Online-Gottesdienste, die durch die Corona-Pandemie plötzlich möglich waren. Hillebrand fragte beide: Geht es auch ohne Krise? Man habe aus den Krisen gelernt, dass es auch anders gehe, sagte Pistorius. „Vielleicht muss es das am Anfang geben.“ Die OB wünschte sich, dass die Krise als Chance begriffen werde, Veränderungen auch ohne zu bewirken.

Die nächste Gesprächsrunde begab sich auf Problemsuche: Apothekerin Andrea Forst-Raasch, stellvertretende Vorsitzende des Bonner Einzelhandelsverbandes, Ulrich Hamacher als Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Bonn und Ulrich Kinkertz von der Bonner Kinemathek in der Brotfabrik waren sich einig, dass in Bonn gesellschaftliche Gruppen aufeinanderprallen. Beispielhaft nannten sie die Situation auf dem Kaiserplatz: Fußgänger gegen Radfahrer, Punker gegen Geschäftsleute. Fort-Raasch brachte eine „Initiative Kaiserplatz“ ins Gespräch und schlug vor, die Kaiserpassage mit ihren Leerständen für Kulturangebote zu nutzen.

Kinkertz war überzeugt, dass sich Einzelhandel und Kulturinstitutionen in der Innenstadt gegenseitig helfen könnten. Hamacher sprach sich jedenfalls gegen eine ruhige Stadt aus: „Eine Innenstadt, in der Ruhe herrscht, ist eine tote Innenstadt.“ Dem stimmten alle zu.

Mehr Teilhabe, das war das Kredo der dritten Gruppe: Die Familienhebamme des Diakonischen Werks, Felicitas Josmann, beklagte, dass bedürftige Familien von Online-Angeboten ausgeschlossen seien, weil ihnen zum Beispiel digitale Endgeräte fehlten. Da habe die digitale Branche eine Verantwortung, sagte Sascha Foerster von der Agentur für digitale Kommunikation und soziale Netzwerke Bonn.digital, auch den Berufen gegenüber, die nicht digitalisiert werden können. Etwa der Hebamme. Der Theologieprofessor Markus Saur sprach sich dafür aus, den Gemeinsinn zu stärken, indem man mehr über Zugehörigkeit nachdenkt.

Der Abgrenzungszaun war notwendig, aber nicht einladend. Dennoch kamen einige Interessierte zur Veranstaltung, Passanten blieben kurz stehen. Abends gab das Duo Mätes & Bätes ein Mitsing-Konzert in Kooperation mit Loss mer singe.