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Wohnungsmarkt in Bonn: Wie wollen die Parteien für mehr preiswerte Wohnungen sorgen?

Wohnungsmarkt in Bonn : Wie wollen die Parteien für mehr preiswerte Wohnungen sorgen?

Der Wohnungsmarkt in Bonn ist angespannt, preiswerten Wohnraum gibt es kaum. Und die Stadt wächst weiter, jährlich ziehen 2000 Menschen nach Bonn. Was wollen die Parteien gegen die Lage auf dem Wohnungsmarkt tun?

Günstiger Wohnraum in Bonn ist rar. Jedes Jahr ziehen 2000 Menschen in die Stadt und konkurrieren so um den ohnehin schon knappen Wohnraum. Das Grundproblem ist, dass die Wohnungsmisere politisch vernachlässigt wurde, sagt Peter Kox, Geschäftsführer des Mieterbundes Bonn. Die Stadt möchte mit dem Baulandmodell für mehr geförderte Wohnungen sorgen. Die Parteien äußern sich im Vorfeld der Kommunalwahl 2020 im Wortlaut zu dem Thema und stellen dar, wie sie für preiswerten Wohnraum in der Stadt sorgen wollen.

SPD: „Durch den Bau von mehr Wohnungen bei gleichzeitiger Schärfung des Baulandmodells. Bereits beim Bau von sechs Wohneinheiten soll es öffentlich geförderten Wohnraum geben. Dabei sollen 30 Prozent Sozialwohnungen und 20 Prozent mietregulierte Wohnungen entstehen. Die Vebowag soll jährlich 400 bezahlbare Wohnungen bauen. Hierfür werden wir Grundstücke bereitstellen und für die nötige Unterstützung der Verwaltung sorgen. Mehr Wohnraum insgesamt bedeutet niedrigere Mieten.“

Linkspartei: „Wir wollen Investoren deutlich verschärfte Vorgaben für sozialen und preisgebundenen Wohnraum machen: Das Baulandmodell soll ab acht Wohnungen mit einer 50-Prozent-Quote gelten. Die kommunale Bodenpolitik muss radikal geändert werden: Grundstücke sollen nicht mehr verkauft, sondern nur in Erbpacht vergeben, Flächen aktiv über eine Entwicklungsgesellschaft angekauft und Vorkaufssatzungen wo möglich erlassen werden. Wir wollen wieder zu einem hohen Bestand kommunaler Wohnungen kommen.“

Bürger Bund Bonn: „Vor 18 Jahren haben CDU, SPD und FDP die 2482 städtischen Wohnungen an einen Privatmann statt an die städtische Wohnungsbaugesellschaft verkauft. Das rächt sich jetzt. Weil weiterer Geschosswohnbau in Bonn kaum verträglich umsetzbar ist, setzen wir uns für den Ankauf von Belegungsrechten für bestehendem Wohnraum, die Eigenheimförderung für sozial Schwächere, Kooperation mit dem Rhein-Sieg-Kreis und gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum ein.“

AfD: „Bonn hat die höchste Mieterbelastung Deutschlands (Einkommensniveau zu Mietpreisniveau, Hans-Böckler-Stiftung 9/2017), Mietwohnungen sind für niedrige bis mittlere Einkommen kaum noch bezahlbar. Das ist ungerecht und ein Standortnachteil im Wettbewerb um Arbeitnehmer. Die AfD verlangt die Ausweisung von Wohngebieten in Freiflächen und Randbereichen von Bonn. Diese sollen durch die Südtangente besser an den Innenstadtbereich angeschlossen werden.“

Bundnis90/Die Grünen: „Die Vebowag ist das zentrale städtische Instrument, um den geförderten Wohnungsbau auszuweiten. Auch private Bauherren sollen angehalten und verpflichtet werden, ihren Teil beizutragen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Schon bei Bauten mit wenigen Wohneinheiten muss sichergestellt werden, dass 40 Prozent der Wohnfläche dem sozialen Wohnungsbau dient. Städtischer Boden soll im Erbpachtmodell und nach sozialen und ökologischen Kriterien vergeben werden.“

CDU: „Wir setzen auf Schaffung von gefördertem Wohnungsbau sowohl durch private Investoren als auch die Vebowag. Mit dem von uns maßgeblich geförderten Bonner Baulandmodell müssen bei Neubauvorhaben abhängig von der Projektgröße 20 oder 40 Prozent als geförderter Mietwohnungsbau errichtet werden. So realisieren wir geförderten Wohnungsbau stadtweit und bei jedem Bauvorhaben ab zwölf Wohneinheiten, für das ein Bebauungsplan erarbeitet und beschlossen wird.“

FDP: „In Bonn gibt es zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Wir setzen uns deshalb für den sozialen Wohnungsbau ein. Überbordende Bauvorschriften dürfen ihn nicht unfinanzierbar machen. Um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wollen wir die städtische Tochterfirma Vebowag mit dem nötigen Kapital ausstatten. Das Bonner Baulandmodell wollen wir auf seine Wirksamkeit und Nutzen überprüfen oder ob es zu einer Überforderung der Investoren durch die Beteiligung an der Infrastruktur kommt.“

Piraten: „Die Mieten im Zentrum sind kaum noch finanzierbar und Platz für neue Immobilien nicht vorhanden. Wir wollen die Wohnungsnot daher durch eine bessere und günstigere Verkehrsanbindung an Vororte und Umland lösen. Sozialer Wohnungsbau ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, den es zu stärken gilt. Wien ist das Vorbild, in dem städtischer Wohnungsbau und ÖPNV gemeinsam funktionieren.“

(ga)