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"The Hurricanes" aus Ippendorf: Wiedersehen einer Kultband

"The Hurricanes" aus Ippendorf : Wiedersehen einer Kultband

Es muss im Sommer 1961 gewesen sein. Da hatten Heinz Küpper und Helmut Emons ihre Gitarren für eine Party ihrer Jugendgruppe mitgebracht. Anschließend saßen sie zusammen und spielten die Hits ihrer Vorbilder: Cliff Richards, den Shadows und anderen.

Und sie beschlossen eine Band zu gründen. Nach mehreren Anläufen fanden sich noch Günter "Charly" Rings als Schlagzeuger und Mathias Natter als Bassist. Zusammen waren sie "The Hurricanes" - eine der ersten Bonner Bands, die damals 17 bis 19-jährig die Säle in der Stadt und in der Umgebung mit E-Gitarren, Lightshow und Rock'n' Roll zum Kochen brachten.

"Wir waren eine richtige Kultband", erinnern sie sich heute. Nach 50 Jahren haben sich Helmut Emons, Heinz Küpper und "Charly" Rings wieder getroffen. Nur Mathias Natter sei nicht mehr aufzufinden gewesen. Treffpunkt war die Gaststätte Beim Mahler. Im Saal dieses alten Gasthauses hatten die Hurricanes einst legendäre Auftritte. "Die Leute standen bis auf die Straße, so dass die Polizei den Verkehr regeln musste", erzählt Emons, der heute pensionierter Verwaltungsbeamter und 68 Jahre alt ist. Bei den Hurricanes sei die Bude immer voll gewesen.

"Wir haben die Songs im Radio mit dem Tonband mitgeschnitten und uns Text und Musik dann mühsam angeeignet", berichtet der 67-jährige Küpper, der als Elektroingenieur gearbeitet hat. Noten und Texte der Bands gab es damals nicht zu kaufen. Geprobt wurde im katholischen Pfarrheim in Endenich, und am 7. Juli 1962 war es endlich soweit: Der erste Auftritt im Saal Fassbender in Endenich, der heutigen Harmonie.

Nach diesem ersten großen Auftritt ging es aufwärts. "Wir waren gefragt", sagt Charly Rings, der als pensionierter Kripobeamter schon seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Auftritte in der ganzen Region, im Hotel Rheineck in Niederdollendorf, im Ännchen-Saal und im Schwimmbad-Restaurant in Bad Godesberg, in der Uni-Mensa an der Nassestraße und in der Beethovenhalle folgten. "Wir hatten ganz gut verdient", erinnert sich Emons.

Aber die Band hatte auch investiert. Markenzeichen waren die blauen Maßanzüge, dunkelrote Mozartschleifen und weiße Schuhe. Sie hatten eine eigene Lichtanlage und Fender-Verstärker. Das gab es damals sonst nicht - jedenfalls nicht in Bonn.

Die Wirte, die die Plakate drucken ließen, hatten ihre Schwierigkeiten mit dem englischen Namen der Band: So wurden auf den Plakaten schon einmal die "The Hurrikans" angekündigt. Oft mussten sie vor dem Auftritt erst einmal die Tische und Stühle aus dem Saal schaffen und in die Lampen bunte Glühbirnen drehen. "Sonst kommt ja keine Stimmung auf", findet Emons noch heute.

Auseinander ging die Band etwa 1966. "Ich musste damals zum Bund", berichtet Helmut Emons. Heinz Küpper war bereits Vater geworden. Charlie Rings spielte danach noch in verschiedenen Bonner Bands wie die Gruppe 27, Fifty Fifty. Emons spielte später bei den Drifters und der Sandy James Band Keyboards.

So ging man auseinander und verlor sich aus den Augen. Wiedergefunden haben sich die Rock-Veteranen über die Internetseite bn-beat.de, auf der Klaus Berger die Geschichte der Bonner Bands ab den 60er Jahren darstellt. Heute sind Emons, Küpper, und Rings höchstens noch die Stars auf den Kindergeburtstagen der Enkel.