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Bonner Bäder: "Wir gehen auf Nummer sicher"

Bonner Bäder : "Wir gehen auf Nummer sicher"

Die kurzen Öffnungszeiten bleiben ein Ärgernis. Für Sportamtsleiter Martin Herkt sind Rettungsschwimmer keine Alternative zum fehlenden Fachpersonal.

Sonne, 25 Grad, ein wolkenloser Himmel, aber die Freibäder öffnen erst um 12 Uhr und schließen schon um 19 Uhr wieder. Mit dieser Situation können sich die Bonner nur schwer anfreunden, das zeigen viele Zuschriften an den General-Anzeiger. "Auch wir sind nicht glücklich mit dieser Regelung", sagt Martin Herkt, Leiter des Sport- und Bäderamtes.

Angesichts von Einstellungsstopp und zwölfmonatiger Wiederbesetzungssperre bei der mit 1,7 Milliarden Euro verschuldeten Stadt steckt Herkt in einem Dilemma. Er hat zu wenig Fachpersonal und muss trotzdem die größtmögliche Sicherheit für die Badegäste garantieren. Aushilfskräfte mit DLRG-Rettungsschein in Silber gibt es in den sechs Bonner Freibädern zwar genug, "aber ich habe die Richtlinie so ausgelegt, dass ich zwei Fachkräfte pro Schicht und Bad brauche, um die Sicherheit und den reibungslosen Betrieb zu gewährleisten". Und das geht laut Herkt "mit dem zur Verfügung stehenden Personal nur im Einschichtbetrieb, daher diese Öffnungszeiten".

Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Grundsätzlich sollte immer eine Fachkraft am Beckenrand stehen, steht in der Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB). Werden Rettungsschwimmer für diese Arbeit eingesetzt, so hat trotzdem eine Fachkraft die Aufsicht. Um diese sachgerecht und sicher durchzuführen, muss nur gewährleistet sein, dass in solch einem Fall der Rettungsschwimmer eine "Einweisung über die Betriebsabläufe sowie die Unterweisung über sicherheitsgerechtes Verhalten" erhalten hat. "Nur unter diesen Voraussetzungen können Rettungsschwimmer auch ohne die zeitgleiche Anwesenheit einer Fachkraft eingesetzt werden", heißt es in den Richtlinien.

"Man kann allerdings keinen einheitlichen Personalschlüssel für einen sicheren Badebetrieb anwenden", sagt Joachim Heuser von der DGfdB. Das komme auf die jeweilige Struktur und die Besucherzahlen an. Deshalb bietet das Bäder-Portal Kommunen an, sie bei der Personaldisposition zu beraten. "Bei allen organisatorischen Maßnahmen ist die Sicherheit der Badegäste das entscheidende Kriterium", so Heuser.

Für Herkt steht fest: "Ich will auf Nummer sicher gehen." Die Entscheidung, wie viele Fachkräfte eingesetzt würden, treffe der Badbetreiber - also er. "Denn wenn etwas passiert, kann ich persönlich haftbar gemacht werden." Durch Ruhestand und auslaufende Verträge habe er in dieser Saison vier Fachkräfte weniger als sonst. Zusätzlich sei eine Kraft in Elternzeit.

Fachkraft und RettungsschwimmerIrgendwie ist trotzdem der Wurm drin: Badegäste sehen oft viele Mitarbeiter in den Bädern und denken: Womöglich zu viele? Beispiel Römerbad: Sind im größten Freibad alle vier Becken geöffnet, müssen je zwei Mitarbeiter diese beaufsichtigen, beim Betrieb des Wellenbades sogar vier - unterm Strich also zehn Mitarbeiter. Für sie muss noch eine Ablösung für Pausen vorhanden sein, hinzu kommt Personal für die Kasse, die Säuberung der Duschen sowie das Verbinden kleinerer Verletzungen und den Betrieb der Technik. Unterm Strich brauche das Römerbad daher 15 Mitarbeiter allein für die Aufsicht der zahlreichen Becken. "Und da ist es bei mitunter 4000 Badbesuchern besser, wenn zwei Fachkräfte alles im Blick haben", findet Herkt. Besonders wenn es sich um junge Leute handele, die gerade ihre Fachausbildung abgeschlossen haben.

Was die oft geäußerte Idee angeht, Feuerwehrleute mit Minusstunden in den Bädern einzusetzen, sagte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann: Diese Minusstunden würden in diesem Jahr nicht mehr in signifikantem Umfang entstehen. "Daher können die Feuerwehrleute anderweitig nicht eingesetzt werden." Herkt weist darauf hin, dass Feuerwehrleute ohnehin nur als Rettungsschwimmer eingesetzt werden könnten, aber nicht als Fachkraft. Zudem müsse ein solcher Einsatz wohl arbeitsrechtlich geprüft werden.

So sieht es in anderen Städten aus Das Sportamt steht in diesen Tagen unter kritischer Beobachtung. So monieren Bürger, dass die neuen Öffnungszeiten noch immer nicht in allen Freibädern aushängen. Das stimmt aber nur teilweise: Man habe provisorisch Zettel aufgehängt, so die Verwaltung. Doch die seien abgerissen worden. Außerdem wird von Beschwerden von Bürgern berichtet, die keineswegs eine Öffnung aller Bäder gut finden. Viele würden für längere Öffnungszeiten plädieren und dafür lieber sehen, wenn ein oder zwei Freibäder schließen würden. Diesen Vorschlag der Verwaltung hatte der Stadtrat abgelehnt.

Nimptsch lobt Leitung des Sport- und Bäderamtes

Wie geht man um mit einer internen Untersuchung, die jahrelange Unzulänglichkeiten im Sport- und Bäderamt auflistet, mit unmotivierten Mitarbeitern, unzeitgemäßen Strukturen und merkwürdigen Arbeitsabläufen? Am besten, indem man nach vorne schaut und die Mitarbeiter für ihre Offenheit lobt.

Das taten Amtsleiter Martin Herkt und seine Stellvertreterin Elke Palm am Mittwoch im GA-Gespräch. Als die Organisationsuntersuchung im Amt vor zweieinhalb Jahren startete, war die Stimmung am Boden. "Und ich habe großen Respekt vor den Mitarbeitern, dass sie sich zu Beginn der Orga-Untersuchung vor drei Jahren so ehrlich zu ihrer Arbeit geäußert haben", sagt Herkt, der damals gerade das Amt nach einjähriger Vakanz an der Spitze übernommen hatte.

Unter Herkts Führung ging es aufwärts. "Als ich vor drei Monaten in das Sport- und Bäderamt kam, habe ich motivierte Mitarbeiter angetroffen", sagt seine neue Stellvertreterin. Herkt fügt hinzu, er sei froh, dass die Mitarbeiter den Prozess der Neuorganisation mitgegangen seien.

Die Zeiten, in denen einzelne Mitarbeiter zu kaum 50 Prozent ihrer Arbeitszeit ausgelastet waren, sind demnach vorbei. Als Folge der Organisationsuntersuchung werden in der Verwaltung 6,5 Stellen eingespart, bei zwei Stellen sei das schon umgesetzt. "Die anderen vier Stellen fallen noch weg, davon zwei im Sportstätten-Pflegedienst", kündigte Herkt an. Damit seien in der Verwaltung des Sport- und Bäderamtes nur noch 22 Mitarbeiter beschäftigt, die Badmitarbeiter und der Pflegedienst für die Sportanlagen fallen nicht darunter.

Der Vize-Sprecher der Stadt Bonn, Marc Hoffmann, brachte zum GA-Gespräch mit der Amtsleitung noch ein Zitat von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch mit. "Der OB hat Martin Herkt und Elke Palm ganz bewusst ins Sport- und Bäderamt geholt, um es weiterzuentwickeln", sagte er. Herkts Vorgänger war Hans-Jürgen Hartmann gewesen, der diesen Posten vier Jahre lang bekleidet hatte und gegen seinen Willen im April 2011 von Nimptsch versetzt worden war.