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Festspielhaus in Bonn: "Wir wären verrückt, das nicht zu machen"

Festspielhaus in Bonn : "Wir wären verrückt, das nicht zu machen"

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) rechnet in der Ratssitzung am Montag mit einer "intensiven Debatte" - aber letztlich mit einer klaren Mehrheit für die Grundstücksübertragung an die Festspielhaus-Bauherren. "Ich hoffe auf eine möglichst breite Zustimmung zu diesem wichtigen Projekt", sagte er am Freitag.

Den Wunsch aus der Politik, die städtischen Kosten für die baureife Übergabe auf 4,4 Millionen Euro zu deckeln, könne er verstehen. Sollte das Geld aber nicht reichen, müsse der Rat möglicherweise noch einmal neu entscheiden.

"Es ist uns wichtig, dass die Kosten für die Baureifmachung des Grundstücks limitiert sind", erklärte der FDP-Fraktionsvorsitzende Werner Hümmrich. "Wir sind grundsätzlich für das Festspielhaus, wollen aber kein wirtschaftliches Abenteuer." Ähnlich äußerte sich Bernhard Wimmer vom Bürger Bund Bonn. Der Beschluss sei die "letzte Chance für die Stadt". Gleichwohl seien noch viele offene Fragen wie das Nutzungskonzept und die städtische Beteiligung an den Betriebskosten zu klären.

Auch bei "einfachen" Mitgliedern der Fraktionen, die ihre Zustimmung angekündigt haben, herrscht die Meinung vor, dass das Festspielhaus für Bonn wichtig sei, die Stadt aber finanzielle Grenzen setzen müsse. "Jetzt bin ich gern bereit, meine Hand zur Zustimmung zu heben", sagte etwa CDU-Fraktionsneuling Holger Henges. Fraktionskollegin Christiane Overmans zeigte sich ebenfalls zufrieden mit der städtischen Beschlussvorlage.

Die spätere Beteiligung an den Betriebskosten des Festspielhauses darf aus ihrer Sicht aber nicht zu Lasten des Kulturetats gehen. Herbert Kaupert (CDU): "Ich finde gut, dass es einen breiten Konsens gibt, das Festspielhaus zu unterstützen. Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Initiatoren das Projekt auch verwirklichen können."

"Natürlich haben wir uns auch viele kritische Fragen gestellt", räumte SPD-Ratsfrau Gabriele Klingmüller nicht zuletzt mit Blick auf den Skandal um das World Conference Center Bonn (WCCB) ein. "Dadurch sind alle sehr vorsichtig geworden." Ihre Fraktionskollegin Dörthe Ewald begrüßte die neue Beschlussvorlage, der sie auf jeden Fall zustimmen könne.

"Das Festspielhaus ist doch eine Superchance für Bonn", betonte sie. "Wir wären verrückt, wenn wir das nicht machen würden." Ebenso wie Linke und Grüne will die Alternative für Deutschland (AfD) der Vorlage dagegen nicht zustimmen. Fraktionsvorsitzender Hans-Friedrich Rosendahl: "Wir sehen keine ausreichende Finanzierung des Festspielhauses, auch nicht der späteren Betriebskosten."

46 Prozent der Bonner sind für das Festspielhaus

Knapp die Hälfte der Bonner befürwortet das Festspielhaus. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimap, das im GA-Auftrag vor der Kommunalwahl im Mai 751 Wahlberechtigte interviewt hatte. 46 Prozent äußerten Zustimmung, 47 Prozent Ablehnung, der Rest machte keine Angaben. Gefragt wurde nach dem "Bau des privat finanzierten Festspielhauses in der Nähe zur Beethovenhalle".

Dass die Stadt kommunales Geld für die baureife Übergabe des Grundstücks und den späteren Betrieb aufwenden muss, war in der Umfrage nicht berücksichtigt, weil die Summen noch nicht feststanden.