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GA-Herbstbarometer: „Wir wissen um die Ängste der Menschen“

GA-Herbstbarometer : „Wir wissen um die Ängste der Menschen“

Beim Thema Sicherheit sieht die Polizeichefin im GA-Herbstbarometer eigene Eindrücke bestätigt. Landrat Schuster und Oberbürgermeister Sridharan setzen auf Prävention.

Die Menschen in Bonn und der Region sind ein ziemlich zufriedenes, heimatverbundenes Völkchen. Das ist am GA-Herbstbarometer abzulesen, wie wir in den vergangenen Tagen berichtet haben. Doch während bei den Themen Wirtschaft, Tourismus und Arbeit der Optimismus der 3010 Befragten groß ist, zeigen sich in den Antworten auch die Sorgen der Menschen: 52,9 Prozent erwarten eine negative Entwicklung im Bereich innere Sicherheit, 62,2 Prozent beim Verkehr, 64,7 Prozent bei der Wohnraumversorgung.

Für die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa, auch zuständig für Königswinter, Bad Honnef und den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, berührt der Befund zum Sicherheitsgefühl der Bürger ein ernstes Thema. „Aus unseren täglichen Kontakten und Gesprächen sowie unserer aktiven Mitarbeit in zahlreichen Gremien wissen wir um die Sorgen und Ängste der Menschen“, sagt die Behördenleiterin. Ursachen sieht sie auch in der aktuellen Weltlage: Seit dem Zweiten Weltkrieg habe es nie so viele Krisenherde, Armuts- und Kriegsflüchtlinge gegeben. „Deutschland und damit auch Bonn und die Region sind von diesen Veränderungen betroffen. Viele fragen sich, in welche Richtung sich ihre Stadt oder ihr Viertel entwickeln wird.“

Obwohl die Kriminalitätszahlen in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen seien, habe die Polizei ihre Präsenzmaßnahmen und Kontrollen vor allem in Bonn erhöht. Dazu gebe es positive Rückmeldungen von Anwohnern und Passanten. Auch Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan wertet die verstärkten Einsätze in Bad Godesberg als Erfolg. Seit der tödlichen Attacke auf Niklas P. im Frühjahr 2016 haben Polizei und Ordnungsamt rund 70 gemeinsame Einsätze absolviert.

Für Sridharan genießt das Sicherheitsthema „sehr hohe Priorität“. Er hat einen „Runden Tisch gegen Gewalt“ einberufen. Mit einer Auftaktveranstaltung hat die Arbeit an einem städtischen Präventionskonzept gegen Jugendkriminalität begonnen. „Grundsätzlich leben wir aber in einer sicheren Stadt“, betont der Oberbürgermeister.

Sebastian Schuster, Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, sieht die Kreispolizeibehörde Siegburg, deren Chef er ist, gut aufgestellt. Die Einbruchsbekämpfung stehe bei jeder Dienstbesprechung auf der Tagesordnung, sagt er. Das GA-Herbstbarometer bringt für Schuster die Probleme in der Region gut auf den Punkt.

Er sieht eine Lösung vor allem in der interkommunalen Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn. Etwa, wenn es darum gehe, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken, um die Straßen zu entlasten. „Der ÖPNV muss belastbar und bezahlbar sein“, sagt Schuster. „Da sind wir gefordert, das komplizierte System attraktiver zu machen.“

Zudem müssten sich die Kommunen verstärkt an neue Formen der Mobilität wie E-Bikes oder Carsharing wagen. Oder sogar an eine Seilbahn auf den Venusberg, wie Sridharan unterstreicht – zu dem Projekt läuft gerade eine Machbarkeitsstudie. Ein ausgebautes Fahrradwegenetz ist für der Bonner OB ebenso wichtig wie ein attraktives ÖPNV-Angebot.

Als positive Beispiele nennt er die Verlängerung der S 13. Aber auch der geplante Ausbau der Autobahnen 59 und 565 sei „unbedingt zu begrüßen“, weil „elementar“ für die Zukunft des Wohn- und Wirtschaftsstandorts Bonn. Die große Nachfrage nach Wohnraum zu bedienen, ist für Sridharan eine zentrale Zukunftsaufgabe. „Im Schulterschluss mit den Ratsfraktionen wird die Fachverwaltung personell verstärkt, um Planungsrecht in größerem Umfang als bislang schaffen zu können“, so der OB. Die Stadt werde, soweit vertraglich machbar, bei jedem größeren Projekt 30 Prozent geförderte Wohnungen realisieren.

Um den Wohnungsmarkt zu entspannen, möchte Landrat Schuster den östlichen Rhein-Sieg-Kreis attraktiver machen. Dort gibt es noch ausreichend Fläche und günstigen Wohnraum, aber auch noch Luft nach oben im Bereich der Mobilität. Schuster hofft auf die Regionale 2022/25, für die sich der Rhein-Sieg-Kreis gemeinsam mit dem Oberbergischen und dem Rheinisch-Bergischen Kreis bewerben möchte. Der Antrag muss bis Anfang Dezember beim Land gestellt sein. „Wenn wir das kriegen würden, dann wären das 150 Millionen Euro für die Schwerpunkte Verkehr und demografische Entwicklung“, sagt Schuster.