Bonner Kulturausschuss "Wir wollen beides"

Bonn · Die Beethovenhalle soll für 30 Millionen Euro saniert werden. Das sei keine Absage an das Festspielhaus. In einer Sache sind sich die Fraktionen einig: Bei der Beethovenhalle gibt es einen Sanierungsbedarf. In der Sitzung des Kulturausschusses wurde am Dienstagabend allerdings leidenschaftlich darüber diskutiert, wie und vor allem mit welchem finanziellen Aufwand dies geschehen soll.

 Blick in den Ratssaal: Die Mitglieder des Kulturausschusses studieren die Unterlagen.

Blick in den Ratssaal: Die Mitglieder des Kulturausschusses studieren die Unterlagen.

Foto: Horst Müller

Dass sich am Ende die schwarz-grüne Mehrheit durchsetzen würde, die für eine Ertüchtigung der 1959 von dem Architekten Stefan Wolske errichteten Halle plädierte, überraschte niemanden. Schließlich war es eine logische Konsequenz aus dem Ratsbeschluss vom Dezember 2012, der eben den Ausbau zur Multifunktionshalle vorsah. Auf Drängen der CDU wurde zugleich beschlossen, dass der Denkmalschutz von Beginn an involviert werden solle.

Eine Absage an das Festspielhaus soll der Beschluss nicht sein. "Wir wollen beides", bekräftigte Herbert Kaupert für die CDU-Fraktion. "Die CDU-Fraktion spricht sich in Gänze für das Festspielhaus aus", sagte auch CDU-Fraktionsgeschäftsführer Georg Fenninger.

Er verteidigte am Mittwochabend auch noch einmal die Aufhebung der Fristen für den Bau eines Festspielhauses. "Das hätte bewirkt, dass das Festspielhaus tot ist", sagte er. Zudem betonte er noch einmal, dass die Stadt Bonn sich an den Baukosten nicht beteiligen werde. "Dazu zählen auch die Kosten eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans."

Für die Grünen, die anders als ihr Koalitionspartner den Bau eines Festspielhauses ablehnen, hat die Ertüchtigung der Beethovenhalle den Charme, dass man für das Beethovenjahr 2020 mit der sanierten Beethovenhalle auf jeden Fall eine vorzeigbare Spielstätte zur Verfügung hätte.

Die Linken hätten am Dienstagabend dem Festspielhaus gern eine grundsätzliche Absage erteilt und warben deshalb, letztlich erfolglos, für den Umbau der Beethovenhalle zu einem modernen Konzertsaal. "Das Festspielhaus wird nicht kommen. Warum wollen wird das nicht zugegeben?", fragte Jürgen Repschläger von der Linksfraktion.

Er rechnete den Kulturausschussmitgliedern vor, dass die Kosten von 43 Millionen Euro, die der Umbau einem Gutachten zufolge kosten würde, letztlich die preiswerteste und am ehesten zu realisierende Variante sei, um Beethovens 250. Geburtstag in Bonn angemessen zu würdigen.

Bei der SPD und der FDP sieht die Rechnung anders aus. Für sie hat das Festspielhaus nach wie vor oberste Priorität. Deshalb plädierten sie am Dienstagabend für die sogenannten Variante B, die lediglich drei Millionen Euro für die notwendigsten Sanierungsmaßnahmen vorsieht. Die Nutzung als Mehrzweckhalle und Konzertsaal schlössen sich grundsätzlich aus, argumentierte Wilfried Löbach (FDP).

Und Helmut Redeker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion, sagte: "Ich finde die Zahl von 30 Millionen Euro lächerlich. Denn sie wurde aus dem hohlen Bauch heraus gemacht."

Auch die kritischen Reaktionen auf den Sachstandsbericht zum Festspielhaus, über die der General-Anzeiger am 7. Juni berichtete, wurden am Dienstag thematisiert. Dass die Verwaltung hier zu wenig getan habe, darüber herrschte auch in der Politik weitgehend Einigkeit.

Kulturdezernent Martin Schumacher gestand ein, dass er die Enttäuschung verstehen könne. Er sagte, dass man mit "mindestens zwei Dutzend" Unternehmen gesprochen habe, um für die finanzielle Unterstützung des Festspielhauses zu werben. Die Gespräche seien jedoch mit der Zusicherung größter Diskretion behandelt worden.

Er sagte auch, dass sie wegen der Wirtschaftskrise nicht einfach zu führen gewesen seien. Gleichwohl plädierte er dafür, dass das Festspielhaus auf der Agenda bleibe.

Die Sanierung der Beethovenhalle bedeutet auch, dass für die Veranstaltungen des Beethovenfestes und für das Beethoven Orchester alternative Spielorte gefunden werden müssen. "2018 wird das Beethovenfest wieder in der renovierten Beethovenhalle stattfinden können", sagte Schumacher. Ein bis zwei Mal müsse es bis dahin ohne die Halle zurechtkommen.