Gastronomie in Bonn Wirte suchen händeringend Aushilfen

Bonn · Bei Bonner Studenten sind Jobs im Service offenbar nicht mehr gefragt. Früher reichte Mund-zu-Mund-Propaganda. Heute werden Servicekräfte in der Bonner Gastronomie händeringend gesucht.

„Einen Salat mit gratiniertem Ziegenkäse, einmal Pasta all' arrabiata.“ Marie Stütz lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit einem charmanten Lächeln serviert sie auch nach vier Stunden noch immer freundlich in einem Lokal in der Bonner Altstadt. „Ich arbeite schon seit meiner Schulzeit in der Gastronomie. Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe“, erzählt sie und macht sich wieder auf den Weg zum Tresen. Vor zwei Jahren kam die 23-Jährige aus Schleswig-Holstein nach Bonn. Um ihre knappe Studentenkasse aufzubessern, hat sie sich auch hier gleich wieder einen Aushilfsjob als Servicekraft gesucht.

Lange suchen musste sie nicht. Gleich in der ersten Kneipe konnte sie anfangen. „Das hat mich damals schon gewundert“, erinnert sie sich. Viele Gastronomen würden sich mittlerweile darüber freuen, wenn sich Studenten wie Marie bei ihnen für einen Nebenjob bewerben würden. Denn immer mehr Restaurants und Cafés in der Stadt klagen darüber, dass sie keine Aushilfen mehr finden.

„Die Situation ist bei uns ausgesprochen dramatisch. Wir sind wirklich verzweifelt“, klagt beispielsweise Julia Feirer, Direktorin des neuen GOP Varieté-Theaters zwischen dem WCCB und dem Marriot-Hotel. Schon lange vor der Eröffnung des Hauses in Bonn habe man versucht, Servicepersonal für die Shows zu finden. Selbst Werbe- und Handzettelaktionen rund um die Uni hätten nichts gebracht.

Mittlerweile ist die Situation so prekär, dass täglich Kräfte aus anderen GOP-Standorten nach Bonn abkommandiert werden, um am Rhein auszuhelfen. „So etwas wie hier in Bonn habe ich noch nie erlebt“, erklärt Feirer. Für noch mindestens 20 Studenten hätte sie sofort einen Job. „Dabei ist das Arbeiten bei uns etwas ganz Besonderes. Die Aushilfen sind Teil der Show und bekommen am Ende ebenfalls Applaus“, sagt die Theaterchefin.

Ganz so extrem ist die Situation bei Michael Josef, Chef der Poppelsdorfer und Bonner Filiale der Burgerkette „Hans im Glück“, allerdings nicht. „Wir sind auf einem guten Weg, ein Team zusammenzustellen, das zu uns passt.“ Auch er setzt im Service fast ausschließlich auf Studenten. „Wer bei uns arbeiten will, der muss mit dem ganzen Team harmonieren. Wir suchen uns die passenden Leute“, sagt er. Zwar könnte er noch Unterstützung gebrauchen, aber „Not am Mann haben wir derzeit nicht“.

„Man muss sich schon mehr anstrengen.“ Diese Erfahrung hat Hans Schulze-Osterfeld, Chef im Anno Tubac, gemacht. Früher habe man schon durch Mund-zu-Mund-Propaganda genügend Aushilfskräfte gefunden. „Heute muss ich annoncieren und finde immer noch kein Personal“, berichtet er. Allerdings sei bei weitem nicht jeder, der sich bei ihm meldet, für den Job geeignet. „Aber das merke ich schnell.“

Erfreulich ist für ihn jedoch, dass er gerade ein Stellenangebot für eine Garderobenkraft an Silvester veröffentlicht hat. „Auf diese Anzeige haben sich tatsächlich schon einige Interessenten gemeldet. Da bin ich wirklich erstaunt. Mal schauen, wer am Ende an diesem Abend wirklich arbeiten will.“

Auch in einem Restaurant am Beueler Rheinufer hat man in Sachen Aushilfen schon bessere Zeiten erlebt. „Früher mussten wir Interessenten ablehnen, heute sind wir froh, wenn jemand kommt“, berichtet eine Mitarbeiterin des Traditionslokals. „Die Zeiten haben sich einfach verändert.“ Besonders im Sommer würde man für die Außengastronomie zusätzlich Studenten benötigen, doch die Nachfrage werde immer geringer. „Es war nie einfach, gute Aushilfen für den Service zu finden. Doch so schwer wie heute war es noch nie“, klagt sie.

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