Eröffnung der Ständigen Vertretung 1974 Wo die Stasi in Bonn heimlich Karneval am Pool feierte

Analyse | Bonn · Ausschweifende Partys, Tischtennisturniere und ab und zu ein Besuch im Bonner Rotlichtmilieu. Ansonsten lebten die Bediensteten der Bonner DDR-Vertretung weitgehend isoliert. Noch immer wohnen einige von ihnen in der Region – und schweigen über Stasi-Verstrickungen.

Viel schöner   hätte man es in der DDR auch nicht antreffen können: Im Februar 1974 wird der Bau an der Godesberger Allee für die Ständige Vertretung aufgestockt und hergerichtet

Viel schöner hätte man es in der DDR auch nicht antreffen können: Im Februar 1974 wird der Bau an der Godesberger Allee für die Ständige Vertretung aufgestockt und hergerichtet

Foto: Heinz Engels

Ede sudelte auch in Bonn. Zumindest wenn bestimmte Wetterlagen Überreichweiten im Antennenempfang ermöglichten, konnten in den 1970er Jahren ausgerechnet die Bewohner der Bundeshauptstadt zu Zaungästen des „schwarzen Kanals“ werden – moderiert von Karl-Eduard von Schnitzler alias „Sudel-Ede“. Inwieweit das Angebot bei den Bewohnern des Wohnblocks an der Pariser Straße 50-52 im Bonner Norden Heimatgefühle auslöste, ist nicht überliefert. Womöglich war dort abends auch eher Westfernsehen angesagt. Oder aber eines jener deutsch-deutschen Tischtennisturniere, an die man sich erst kürzlich in der Auerberger Stadtteilzeitung Dat Blättche erinnerte. Die, so beschreibt es Autorin Marina Asselhofen, hätten in einem 17 Meter langen Kellerraum stattgefunden, von der Nachbarschaft abgesehen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, dafür bestens versorgt vom Getränkeangebot des Hausmeisters.