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Verein für Gefährdetenhilfe will Obdachlose von der Straße holen: Wohnung als Neuanfang

Verein für Gefährdetenhilfe will Obdachlose von der Straße holen : Wohnung als Neuanfang

Obdachlose haben es besonders schwer, einen Mietvertrag zu bekommen. Nun schlägt der Verein für Gefährdetenhilfe (VFG) in der Wohnungslosenhilfe neue Wege ein: Er will eigene Immobilien kaufen, um sie an Obdachlose zu vermieten.

Wie dramatisch die Situation auf dem Bonner Wohnungsmarkt ist, weiß auch Peter Kox (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses: "Für Menschen mit geringem Einkommen gibt es kaum bezahlbaren Wohnraum."

"Dabei wissen wir, dass vielen eher die Rückkehr in ein normales, strukturiertes Leben gelingt, wenn sie nicht mehr auf der Straße oder in Gemeinschaftsunterkünften, sondern in den eigenen vier Wänden wohnen", sagt Nelly Grunwald, VFG-Geschäftsführerin. "In einer eigenen Wohnung kommen sie zur Ruhe und erfahren erstmals wieder Sicherheit. Dies löst bei vielen weitere positive Prozesse aus."

Als einer der ersten Vereine in NRW setzen VFG und VFG-Stiftung auf eine Kooperation mit dem "Housing-First-Fonds", einem Gemeinschaftsprojekt des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW und des Mitgliedsvereins "Fifty-fifty/Asphalt".

Im Falle eines entsprechenden Kaufangebots würde Bonn aus dem Fonds eine 20-prozentige Anschubfinanzierung bekommen. "Die übrigen 80 Prozent würden über eine normale Finanzierung am Kapitalmarkt laufen", erklärt Joachim Krebs vom VFG Bonn.

Mit dieser finanziellen Starthilfe soll die VFG-Stiftung entsprechende Wohnungen kaufen und vermieten. Während das Projekt vom Land NRW gefördert wird, finanziert sich der Fonds aus eher ungewöhnlichen Mitteln: über den Verkauf von Kunst.

Gerhard Richter spendete dafür eine eigene Sonderedition. "So wird aus Kunst Wohnraum", sagt Silvia Rietenberg vom Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW.

Bei "Housing First" rückt die Bereitstellung von Wohnraum an die erste Stelle. "Obdachlose erhalten ohne Bedingungen und ohne zeitliche Begrenzungen ein Appartement", erklärt Grunwald. Erst dann würden individuelle Probleme angegangen. "Das heißt, dass die Menschen von uns weiter betreut werden", so die Geschäftsführerin.

In den USA, Österreich, Finnland und Portugal habe man durch den "Housing-First-Ansatz" gute Erfolge erzielt. "Das wünschen wir uns natürlich jetzt auch hier in Bonn", ergänzt Uwe Kaspers von der VFG-Stiftung. "Die Finanzierung ist eine Sache. Eine andere ist aber, dass wir hier in Bonn Eigentümer finden, die uns zu fairen Bedingungen Wohnungen verkaufen oder vermieten", so Grunwald.

Wie groß der Bedarf an adäquaten Wohnungen in der Stadt ist, weiß Michael Heidekorn, Leiter der VFG-Notunterkunft an der Sebastianstraße, genau: "Während unsere Bewohner früher in der Regel sechs Wochen blieben, sind es heute meist drei Monate. Allein im vergangenen Jahr hatten wir 27.000 Übernachtungen von 314 Personen", berichtet er.

Weitere Infos über das Projekt auf www.housingfirstfonds.de