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Yüksel Weßling aus Bonn: Prozess in der Türkei - Freispruch

Gerichtsverhandlung in der Türkei : Bonnerin Yüksel Weßling freigesprochen

Die 65-Jährige Bonnerin Yüksel Weßling sitzt seit mehr als eineinhalb Jahren in der Türkei fest. Ihr wurde vorgeworfen, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein. Nun wurde sie freigesprochen.

Nach einer zehnminütigen Beratung verkündeten am Donnerstagvormittag die Richter in Istanbul, dass Yüksel Weßling freigesprochen wird. “Ich habe das erst gar nicht realisiert“, sagt sie dem GA am Telefon. Erst als ihr Anwalt sie umarmte, war ihr klar: Sie kann die Türkei wieder verlassen. Seit gut 18 Monaten steckt sie dort fest.

Alles begann im Oktober 2019. Als Yüksel Weßling nach einem zweimonatigen Aufenthalt in der Türkei wieder nach Deutschland fliegen wollte, wurde sie am Flughafen in Istanbul festgenommen. Der Vorwurf: Sie sei Mitglied einer terroristischen Vereinigung. Nach vier Tagen wurde sie zwar aus dem Polizeigewahrsam entlassen, durfte allerdings nicht aus der Türkei ausreisen. Was dann folgte, waren Monate der Ungewissheit.

Yüksel Weßling lebte bis zu ihrer Pensionierung in Hannover. Dort arbeitete sie als Sozialpädagogin für die Stadt und hatte deshalb auch Kontakt zu Migrantenorganisationen, darunter zu auch einem deutsch-kurdischen Verein. In ihrer Freizeit engagiert sie sich auch für Menschenrechte und nahm an Protestveranstaltungen gegen Unrecht in der Türkei teil. So lautete auch einer der Vorwürfe in der Anklageschrift, sie habe im Frühjahr 2017 eine Veranstaltung gegen die Einführung des Präsidialsystems im Kölner Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) besucht.

Neben Hannovers Ex-Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg setzten sich auch Politiker in Bonn für die Freilassung der 65-Jährigen ein.  So hatte der Hauptausschuss der Stadt Bonn eine Resolution beschlossen, sollte Yüksel Weßling tatsächlich in Haft kommen. Die Stadt forderte die Bundesregierung auf, zusätzlich zu den bisherigen Gesprächen dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und seiner Regierung unmissverständlich klarzumachen, dass Ausreisesperren für deutsche Staatsbürger inakzeptabel seien. Auch die Stadt Hannover hatte eine solche Resolution beschlossen.

In einem Aufruf, der ihre Freilassung forderte, fanden sich schnell eine Vielzahl an Unterstützern. Dazu zählten etwa auch bekannte Politiker wie der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay, als auch die Theologin Margot Käßmann sowie der Schriftsteller und Enthüllungsjournalist Günter Wallraff. Zu den Bonner Unterstützern zählten unter anderem der Linken-Stadtverordnete Jürgen Repschläger und der SPD-Politiker Bernhard von Grünberg.

„Vielleicht hat der öffentliche Druck dann doch noch geholfen“, sagt von Grünberg auf Anfrage des GA. „Wir haben auch der Bundesregierung oft genug gesagt: Ohne Druck geht es nicht.“ Das könne ein Hoffnungszeichen auch für die weiteren Deutschen sein, die noch in der Türkei feststecken.

Wann die Bonnerin nun nach Deutschland zurückkehren werde, kann ihr Ehemann Jürgen Weßling noch nicht sagen. „Sie muss erst schriftlich erhalten, dass sie keine Ausreisesperre mehr hat.“ Die 65-Jährige freut sich sehr auf die Rückkehr: „Ich habe meine Familie und das Land so sehr vermisst, das hätte ich mir früher nicht vorstellen können.“