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Ausstellung im Stadtmuseum: Zeitreise durch Bonner Kaffeehaus-Kultur

Ausstellung im Stadtmuseum : Zeitreise durch Bonner Kaffeehaus-Kultur

Genuss mit Plüsch und Silberkännchen - das Stadtmuseum lädt in einer Sonderausstellung zu einer Zeitreise durch die Bonner Kaffeehaus-Kultur ein. Denn allein im Bereich der heutigen City gab es einmal mehr als 70 Cafés.

Doubleshot, Chilled Classics, Espresso Roast. Einen Seitenhieb auf den „Coffee-to-go-Trend“, der die Innenstädte täglich mit Tausenden Pappbechern überflutet, konnten sich Georg Divossen, Hans-Werner Greuel sowie Ingrid Bodsch und Horst-Pierre Bothien vom Stadtmuseum nicht verkneifen. An mehreren Bändern hatten sie die bunten Becher aufgereiht und zu einem Vorhang zusammengesteckt – als Symbol für Hektik und Schnelllebigkeit.

Von einer ganz anderen Kultur zeugen hingegen die Exponate, die sie in den letzten zwei Jahren in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen haben und jetzt in einer Sonderausstellung präsentieren: Parallel zum neuen Film von Georg Divossen „Drinnen Gemütlichkeit – draußen nur Kännchen“ lädt das Stadtmuseum bis zum 16. Oktober zu einer Zeitreise durch die Bonner Kaffeehaus-Kultur ein. Zunächst nur von wohlhabenden Bürgern genossen, wurde das Kaffeetrinken im 19. Jahrhundert zu einem bezahlbaren Genuss für jeden.

Gleich am Eingang des Museums an der Franziskanerstraße werden die Besucher von dem legendären Mohr aus dem Café Hau (Sternstraße) begrüßt. Viele Bonner erinnern sich noch an die imposante, rund zwei Meter hohe Statue mit der Fackel in der Hand. „Das ist für mich das interessanteste Stück“, meint Horst-Pierre Bothien.

Im Gegensatz zur heutigen Pappbecherkultur wurde der Kaffee anno dazumal sehr stilvoll in Silberkännchen auf einem kleinen Tablett serviert. Milchkännchen, Zuckerdosen, Besteck sowie silberne Eisbecher und Sahneschalen aus dem Bestand des Café Dahmen sind noch im Besitz der Familie. „Das war natürlich ein besonderer Glücksfall für uns“, betrachtet Hans-Werner Greuel die Exponate. Greuel hat rund 100 alte Postkarten-Ansichten für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Die alte Registrierkasse aus dem früheren Café Stockamp ist natürlich auf Mark und Pfennig geeicht. Ein einfaches Kaffeeteilchen wurde für 30 Pfennig serviert, ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte kostete jedoch schon stolze 2,20 Mark. Denn die rot-weißen Preisschilder, die einst in den Kuchen steckten, haben die Ausstellungsmacher ebenfalls wieder zu Tage gefördert.

Gleich hinter einer plüschigen Sitzgarnitur aus den 1960er Jahren aus dem Stockamp steht ein Kleiderständer mit einem Halter für die Tageszeitung. Auch historische Speiseeisformen sowie filigran geschnitzte Bretter für Lebkuchen, Spekulatius und Marzipan finden sich in der Sonderausstellung. Einzigartig ist auch das Bronzerelief mit dem Abbild einer Kellnerin, das Ernemann Sander als Türgriff für das Café Dahmen umarbeitete.

Sogar Beethoven hatte bereits eine ganz persönliche Kaffeekultur. In einer Bleistiftnotiz aus dem Jahr 1825 beschreibt er, wie seine eigene gläserne Maschine funktioniert. Er nahm stets 60 Bohnen für eine Tasse. Selbst wenn Gäste zu Besuch waren, wurden sie exakt abgezählt. Eine Abschrift dieser detaillierten Beschreibung hängt ebenfalls im Stadtmuseum.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 16. Oktober, im Stadtmuseum, Franziskanerstraße 9, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs von 9.30 bis 14 Uhr, donnerstags bis samstags von 13 bis 18 Uhr und sonntags von 11.30 bis 17 Uhr.