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Gemeinschaftskrankenhaus Bonn: Zu Hause pflegen muss nicht schwer sein

Gemeinschaftskrankenhaus Bonn : Zu Hause pflegen muss nicht schwer sein

Kräftig packt Monika Sippel-Ross der nicht ganz leichten "Patientin" unter die Arme und zieht sie vom Bett hoch. "Vorsicht, dass man es da nicht am Rücken kriegt", warnt Herbert Bous aus der Zuschauergruppe. Doch die Füße der "Patientin" stehen auf einer kleinen Drehscheibe.

Und, hopp, hat Sippel-Ross die "unbewegliche Kranke" dank der Scheibe in den Rollstuhl neben dem Bett platziert. "Ein tolles Ding, diese Scheibe", begutachten die Teilnehmer des Kurses für Menschen mit pflegebedürftigen Angehörigen hier im Bonner Gemeinschaftskrankenhaus das helfende Objekt. "Das können Sie sich für Kranke, die nicht mehr mithelfen können, verschreiben lassen", erklärt die "Patientin" Irene Cramer jetzt. Die speziell ausgebildete Krankenschwester Cramer leitet in diesem dreiteiligen Kurs mit der Kollegin Sippel-Ross elf Bonner in der Pflege für zu Hause an. "Ich betreue meine kranke Mutter. Ich habe hier schon jede Menge dazugelernt", lobt Herbert Bous die Gruppenarbeit.

Der Kurs, der im Rahmen des Projekts "Familiale Pflege" kostenlos angeboten wird, weist die Teilnehmer vor allem in die praktischen Elemente häuslicher Pflege ein. Denn die stellen oftmals im normalen Alltag eine Hürde dar. Deshalb hat ein Pflegeteam in Zusammenarbeit mit der AOK und der Universität Bielefeld das neue Programm ausgearbeitet, das sowohl in der Theorie als auch in der Praxis Laien unterstützen soll.

Wichtig ist dem Team dabei, dass der Kurs keinerlei medizinische oder pflegerische Vorkenntnisse erfordert. Neben Anleitungen zum Mobilisieren und Lagern der Patienten werden Tipps für das den Rücken schonende Arbeiten und zur Stressbewältigung vorgestellt. Dazu wird gezeigt, wie man Folgeerkrankungen, die mit einer langen Liegezeit einhergehen, etwa Lungenentzündungen oder Wundliegen, vorbeugen kann.

Auch die Rollenklärung innerhalb der Familie, also die Übernahme von Verantwortung und die Verteilung der Pflichten, ist Bestandteil des Kurses. Die Teilnehmer lernen, sich selbst ein individuelles Pflegenetzwerk aufzubauen, das im Notfall bei der Betreuung einspringen kann. Die meisten im Kurs seien Menschen, deren Eltern gerade pflegebedürftig geworden seien, berichtet Irene Cramer am Rande. "Dann gibt es ältere Paare im Kurs, die bis zum Ende beisammen bleiben und sich unterstützen wollen." Andere hätten Patienten im Krankenhaus liegen, die sie demnächst zu Hause pflegen müssten "Die holen sich hier bei uns praktische Tipps und Anleitungen."

Etwa, wie man extrem geschwächten Patienten mit besonders kalorienreichen Getränken wieder auf die Beine hilft. Die Krankenschwestern zeigen Kalorienbomben, bei denen auch verhindert werden kann, dass sich der Schwerkranke verschluckt. "Das hier ist angedicktes Wasser, mit dem Sie die Flüssigkeitszufuhr garantiert ohne Verschluckgefahr hinkriegen" zeigen die Kursleiterinnen besondere Präparate.

Die Kursteilnehmer prüfen die Konsistenz und reichen sich die extra gefertigten Bestecke weiter. "Ja, das kann ich mir bei meinem kranken Vater gut vorstellen, das würde uns helfen", sagt ein Mann. Und dann nimmt eine Frau, die ehrenamtlich im Altenheim aushilft, Irene Cramer zur Seite. Sie komme so schlecht damit zurecht, den zu Pflegenden die Bettpfanne unterzuschieben, gibt sie leise zu. "Das üben wir gleich mal", verspricht Cramer.

Anmeldung für weitere Kurse im Peter-Friedhofen-Saal des Hauses St. Petrus, Bonner Talweg 4-6, unter der Telefonnummer 0176/54791916 oder über die Website www.gk-bonn.de.