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Zugvögel über Bonn: Kraniche fliegen in ihre Winterquartiere im Süden

Hunderte Kilometer ohne Pause : Tausende Kraniche ziehen über Bonn in Richtung Süden

Tausende Kraniche sind am Mittwoch über Bonn und die Region geflogen. Unverkennbar an der V-Formation und den Trompetenrufen zogen sie die Aufmerksamkeit auf sich. Mehrere Hundert Kilometer können Kraniche an einem Tag fliegen - außer das Wetter zwingt sie, zu landen.

In großen Schwärmen, langen Reihen und der typischen V-Formation waren sie am Mittwoch über Bonn und der Region zu sehen: Tausende Kraniche sind in Richtung Süden geflogen und haben sich auf den Weg in ihr Winterquartier gemacht. Zu erkennen sind die robusten Vögel an der V-Formation, in der sie fliegen, und an ihren markanten Trompetenrufen. Dadurch lassen sie sich auch deutlich von Gänsen unterscheiden, die beim Fliegen schnattern, quiecken oder keine Geräusche machen.

Die Schwärme, die über Bonn zu sehen waren, sind die Kraniche, die die westliche Route in Richtung Süden nehmen. Sie führt über die Mosel in der Voreifel in die Feuchtgebiete Frankreichs oder ins warme Spanien. Kraniche, die aus dem nördlichen Russland kommen, fliegen die Ostroute gen Süden. Sie führt über den Bosporus und das Mittelmeer bis nach Nordafrika.

Bei günstigen Flugbedingungen können Kraniche ohne Halt bis nach Südeuropa fliegen. „Die Vögel erreichen eine Geschwindigkeit von rund 65 Stundenkilometer“, sagt Peter Meyer vom Naturschutzbund (Nabu) Bonn. Somit können sie an einem Tag gut 600 Kilometer zurücklegen.

Wetterumschwünge zwingen Vögel zur Rast

Bei Wetterumschwüngen wie Sturm oder Starkregen werden die Vögel jedoch dazu gezwungen, Rast einzulegen. Eine der größten Rastplätze der Kraniche ist der Lac du Der in der französischen Champagne. „Dort machen bis zu 40.000 Vögel gleichzeitig Rast“, sagt Meyer. Auch in Deutschland gibt es große Rastplätze für Zugvögel wie Rhin- und Havelluch bei Linum, die Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen und der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Doch auch zwischendurch sind Kraniche immer wieder gezwungen, sich einen vorübergehenden Rastplatz zu suchen. „Kraniche sind Pflanzenfresser und suchen sich meist abgeerntete Felder“, erklärt Meyer. Diese können sie bereits aus der Luft erkennen. Zusätzliche Vorkehrungen würden die Bauern für rastende Vögel, laut Meyer, nicht treffen. Das sei auch nicht notwendig, da die Kraniche auf den abgeernteten Feldern meist genügend Futterreste finden würden. „In Schweden werden für Zugvögel extra Futterplätze mit Mais hergerichtet“, so Meyer. Dort würden dann bis 50.000 Vögel Halt machen.

In Spanien angekommen, hat ein Großteil der Vögel das Winterquartier erreicht. Nur wenige Kraniche ziehen dann noch bis nach Nordafrika weiter. Die Flugrouten sind in den vergangenen Jahren eher kürzer geworden, mehrere Tausend Kraniche überwintern sogar in Deutschland. Die Korkeichenwälder in Spanien bieten den Vögeln mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot jedoch ein sicheres Winterquartier. „Dieses Gebiet ist jedoch gefährdet, da immer mehr Wälder mit Steineichen gepflanzt werden“, sagt Meyer. Wer Wein trinkt, sollte darauf achten, dass die Flasche mit echtem Kork verschlossen ist. Damit sichere man die Korkeichenbestände für die Zugvögel.

Schwarm trennt sich nach Ankunft im Süden

Die ersten, kleineren Züge sind bereits Anfang Oktober losgeflogen, die letzten starten voraussichtlich Mitte November. Im Flug bilden Kraniche die V-förmige Formation mit erfahrenen und kräftigen Tieren an der Spitze. Sobald der Vogel an der Spitze müde wird, wird getauscht. Der Vogel kann sich dann im Windkanal ausruhen. Hinter der Spitze fliegen Familien mit ihren Jungtieren. Im Winterquartier angekommen, trennt sich der Schwarm und setzt sich vor dem nächsten Flug neu zusammen. Die Zusammensetzung orientiert sich dabei am Standort der Vögel. Vogelpaare bleiben jedoch meist zusammen.

Die Trompetenrufe der Kraniche läuten nicht zwingend eiskalte, winterliche Temperaturen in Bonn und der Region ein. „Die Vögel orientieren sich bei ihrem Flugstart eher an der Tageslänge als der Wetterprognose“, erklärt Nabu-Sprecher Meyer. „Aber darauf ankommen lassen, wollen sie es auch nicht.“