Einsatz für Mädchen in Not Zwei Bonnerinnen erhalten das Bundesverdienstkreuz

Bonn · Bitten Stuhlmann-Laeisz und Karola Sarrazin sind von Oberbürgermeisterin Katja Dörner mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Seit Langem engagieren sich die beiden ehrenamtlich für Mädchen und junge Frauen und leisteten Pionierarbeit.

Einsatz für Mädchen in Not: Zwei Bonnerinnen erhalten das Bundesverdienstkreuz
Foto: Abir Kassis

In einer feierlichen Zeremonie im Gobelinsaal des Alten Rathauses hat Oberbürgermeisterin Katja Dörner am Mittwochnachmittag Bitten Stuhlmann-Laeisz und Karola Sarrazin mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

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Foto: Abir Kassis

Dörner würdigte in ihrer Laudatio das langjährige Engagement der beiden Frauen für das Mädchenhaus Bonn, das Mädchen in Not einen anonymen Schutzraum und Unterstützung bietet. „Sie übernehmen freiwillig Verantwortung. Das ist gelebte Demokratie“, so die Oberbürgermeisterin.

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Mutige Pionierarbeit in schwierigen Zeiten

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Foto: Abir Kassis

Stuhlmann-Laeisz, die zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört, betonte in ihrer Rede die Wichtigkeit der Arbeit des Mädchenhauses. In den 1990er Jahren erlebte sie, wie Debatten um sexuelle Gewalt oder Missbrauch noch stark tabuisiert wurden und auf wenig Verständnis stießen. Dieser Umstand machte sich auch bei der Suche nach einer Partnerorganisation bemerkbar: „Wir haben an vielen Türen geklopft, die nicht aufgemacht worden sind, oder es wurde behauptet, es gebe keinen sexuellen Missbrauch in Bonn“, berichtet Stuhlmann-Laeisz.

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Foto: Abir Kassis

Schließlich erklärte sich die Evangelische Jugendhilfe Bonn-Godesheim dazu bereit, mit dem neu gegründeten Verein zusammenzuarbeiten. Heute bietet das Mädchenhaus unterschiedliche Hilfen und Schutzmöglichkeiten, unter anderem auch ein „Not-Telefon“, das 24 Stunden erreichbar ist. Mädchen im Alter zwischen neun und siebzehn Jahren, die psychische, physische oder sexualisierte Gewalt erfahren haben oder davon bedroht sind, erhalten hier Hilfe und einen anonymen Schutzort.

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Foto: Abir Kassis

Die Betreuerinnen begleiten die Mädchen zu Behördengängen, kümmern sich um die ärztliche Versorgung und sichern einen strukturierten Tagesablauf. „Ein besonderer Blick liegt hier auf der Verwirklichung der Bildungschancen“, betonte die Oberbürgermeisterin bei der Ordensverleihung im Bonner Rathaus. „Der Verein beschäftigt eine Lehrkraft, weil einige Mädchen aus Schutzgründen keine öffentliche Schule besuchen können“, lobte sie das herausragende Freiwilligenengagement.

Ein Geben und Nehmen

„Einmal fragte mich eines der Mädchen: ,Warum tun Sie das alles für uns?’“, erinnert sich die gebürtige Dänin Bitten Stuhlmann-Laeisz an einen besonderen Moment und erklärt: „Ich halte es für notwendig, dass wir Mädchen in Not helfen, vor allem damit, dass sie eine Perspektive für ein gelungenes Leben in unserer Gemeinschaft entwickeln können.“

Auch Karola Sarrazin, die sich seit vielen Jahren in der Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins engagiert, hob die Bedeutung des Ehrenamtes hervor. Als Kassiererin und Schatzmeisterin verwaltete sie die Spenden an den Verein, mit denen in erster Linie Schulmaterial, Kleidung, Freizeitaktivitäten und Nachhilfe-Unterricht für die Mädchen in der Notunterkunft finanziert werden.

Auch als ehrenamtliche Jugendbeauftragte im Amtsgericht Bonn konnte Sarrazin ein tieferes Verständnis für familiäre Schwierigkeiten und Kindeswohlgefährdung erlangen. „Mit jeder Gerichtsverhandlung bin ich eingetaucht in eine Welt, die ich bis dahin nur aus Büchern und Filmen kannte“, staunt sie noch heute. Ihre Ehrenämter hat sie stets mit großem persönlichen Gewinn ausgeübt, betont die Bonnerin. „Sie haben meine Sicht auf das Leben und Menschen geprägt. Im Idealfall ist das Ehrenamt ein Geben und Nehmen, eine ‚Win-Win-Situation‘ wie man heute sagt.“

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