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Offene Ateliers in Bonner Südstadt: Zwischen Stahl und Biochemie

Offene Ateliers in Bonner Südstadt : Zwischen Stahl und Biochemie

Auf einen Spaziergang zu Biotischen Welten unternahmen Besucher Offenen Ateliers in der Südstadt. Doch das war längst nicht alles, denn 33 Künstler präsentierten sich.

Schmetterlinge, Einzeller und Pflanzen leuchten von den metergroßen Wandgemälden in einem Innenhof der Ermekeilkaserne. Mosaikartig hat Künstlerin Ina Zeuch (63) ihre biotischen Welten auf Fotopapier gemalt. Ihre Werke und die von 32 anderen Künstlern erkundeten Besucher bei einem Kunstspaziergang durch die Bonner Südstadt.

In den Offenen Ateliers zeigten die Künstler Installationen, Keramik, Malerei in aller Vielfalt, Zeichnung, Skulptur, Fotografie, Objekte und Schmuck. Das jährliche „Präsenz zeigen in der Bevölkerung“ sei für Kunstszene enorm wichtig, sagte Ute Marion von den Weißen Gärten. Denn viele der privaten Ateliers würden meist der Öffentlichkeit verborgen bleiben. „Die Besucher finden das sehr interessant und kommen in den Dialog mit den Künstlern. Es gibt viele, die jedes Jahr kommen, und eine Entwicklung bei den Künstlern beobachten“, berichtete die Schmuckdesignerin. Das Angebot werde seit Jahrzehnten immer gut angenommen.

Das Leben ist der beste Erfinder

Zeuch stellte ihre Werke bei Gastgeberin Gitta Knauth aus. „Wir sind umgeben von Leben, das möchte ich mit meinen Werken ausdrücken“, erklärte Zeuch ihre Kunst. Ob wirbellose Tiere, Blumen oder menschliche Embryos – die Vielfalt des Lebens habe so viele Formen, dass man nichts mehr erfinden müsste. Zeuch zitiert dafür Picasso: „Ich suche nicht mehr, sondern ich finde. Das ist genau das, was mir widerfährt, wenn ich in die Zellbiologie oder Biochemie eintauche.“

Neben dem „Kosmos des Lebens“ bestaunten die Besucher im Innenhof auch große und kleine Stahlskulpturen. Barbara Schmitz, die in Italien aufwuchs, ist zur Kunst über die Technik des Schweißens und Schmiedens gekommen. „Wir hatten einen Schmied in der Familie, der mir das beigebracht hat. Es ist ganz üblich, dass man diese Fertigkeiten an Reststücken aus Metallen und Stahl einübt. Dabei fiel mir zunehmend auf, dass viele dieser Reststücke Fragmente aus vergangenen Maschinen, Gebäuden und Gebrauchsgegenständen sind, die eine ganz eigene Geschichte, Ästhetik und Ausdruckskraft haben“, erzählte die Künstlerin.

Immer wieder neue Kompositionen

Die Gegenstände arrangiert Schmitz derweil zu neuen Kompositionen. „Den neuen Ausdruck versuche ich dann im Namen meiner Werke aufzugreifen.“ Etwa beim Werk „Bollicine“ (Bubbles, also Blasen), bei dessen Entstehung sie sich von einem raumgroßen Kunstwerk einer iranischen Künstlerin auf der Biennale vor zwei Jahren inspirieren ließ. „Solche Inspirationen, aber mehr noch die Formensprache des Materials selbst prägen meine Gedanken.“ Das Motto lautete also nicht „Die Form folgt der Funktion“, sondern „Die Form folgt dem Material“. Das zeige besonders die Skulptur „Cerchio“ (Kreis), bei der Schmitz mit Stahl und Beton experimentierte. Einzelne Elemente ergeben da einen Kreis.

Heute lebt Schmitz auf dem Eschenhof in Vilich. Dort hat sie auch eine Werkstatt und betreibt eine kleine Galerie. Größtenteils verwendet die Künstlerin Fundstücke für ihre Arbeiten – mit einer Veränderung: „Mitunter sind jetzt Fundstücke vor allem themengebend, sie bleiben der Kern und die Seele der jeweiligen Arbeit, werden aber gespiegelt an neu hergestellten Elementen aus unterschiedlichen Materialien, so aus andersartigen Metallen, Holz oder Beton.“ Stahl habe ja etwas Archaisches, etwas Ewiges, Unzerstörbares. „Da macht es mir Freude, dies mit etwas Neuem in Zwiesprache zu bringen.“ Im Dezember sollen die Arbeiten von Schmitz in im Künstlerforum in Bonn zu sehen sein.