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Stadt: Keine dunklen Wolken über dem Wirtschaftsstandort Bonn

Wirtschaftsbericht der Stadt Bonn : Verwaltung sieht keine dunklen Wolken über dem Wirtschaftsstandort Bonn

Die Verwaltung beurteilt die wirtschaftliche Entwicklung trotz Corona positiv. Das liegt vor allem am prosperierenden Dienstleistungssektor. Produzierendes Gewerbe wird in der Bundesstadt hingegen zur Seltenheit.

Die Verwaltungsspitze sieht keinen Anlass, sich um Bonn als Wirtschaftsstandort Sorgen zu machen. Das haben Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) und Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe am Dienstag bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts verdeutlicht.

Zwar sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Stadt – stets einer der Hauptindikatoren für die ökonomische Entwicklung – im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,3 Prozent auf 179.903 gesunken (2019: 180.528). Allerdings deute der langfristige Trend durchgehend nach oben, sagte Matthias Schönert, Autor des Wirtschaftsberichts, und verwies dabei auf die Vergleichszahl von knapp 141.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 2005. Auch die Bevölkerungsprognose in Gestalt eines Anstiegs um 39.000 Einwohner auf rund 365.000 in den kommenden 20 Jahren spreche für Prosperität.

Ihre Stabilität hat die Wirtschaft in Bonn vorrangig dem Dienstleistungssektor zu verdanken, der in der Bundesstadt satte 92,6 Prozent der Gesamtwirtschaft ausmacht. Entsprechend gering ist mit 7,3 Prozent der Anteil des produzierenden Gewerbes. Als vital erwiesen sich vor allem die Informations- und Kommunikationsbranche und die wissensorientierten Dienstleistungen. Den größten Arbeitsplatzverlust in einem Unternehmen während der vergangenen Jahre zog der Umzug der Zurich-Versicherung nach sich, mit dem in Bonn 1500 Stellen abwanderten.

Kaum freie Büroflächen ab 5000 Quadratmeter Größe

Gleichwohl sei die Nachfrage auf dem Büroimmobilienmarkt ungebrochen, was an der „vergleichsweise extrem geringen Leerstandsquote“ abzulesen sei, so Schönert: „Gerade im Bereich der Büroflächen mit einer Größe ab 5000 Quadratmetern verspüren wir einen Engpass.“ Auch einen möglichen Wandel der Arbeitswelt infolge der Corona-Pandemie – Stichwort Home office – befürchtet der Experte zumindest kurz- und mittelfristig nicht. „Ich denke, dass die Nachfrage bis auf Weiteres hoch bleibt und wir derartige Effekte allenfalls später sehen“, so Schönert. Gerade um die 1A-Lagen in der Stadt mache er sich keine Sorgen.

Was die Corona-Pandemie betrifft, so finden sich ihre Negativeffekte im Bericht allenfalls begrenzt wieder, denn das genutzte Datenmaterial endet mit dem 30. Juni 2020. Gleichwohl sind gerade in Gastronomie und verarbeitendem Gewerbe Rückgänge nach dem zweiten Quartal mit Lockdown und Kurzarbeit sichtbar. Umso aufschlussreicher dürfte mithin die Aktualisierung dieser Daten in einem Jahr sein.

Einen weiteren Indikator für eine gute wirtschaftliche Entwicklung nannte Victoria Appelbe unter Verweis auf das operative Geschäft der Wirtschaftsförderung: So habe man im Berichtszeitraum mehr als tausend Vorhaben von Unternehmen begleitet, darunter Ansiedlungen, Neugründungen und Expansionen. Auch die Innovationsförderung und die Einzelhandelsentwicklung hätten rege Aktivitäten entfaltet. Im Konfliktfeld zwischen Erreichbarkeit der Innenstadt und der politisch gewollten Verkehrswende kommt es nach Überzeugung Appelbes auf einen vernünftigen Ausgleich an: „Wir sollten hier das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“, sagte sie.

Neue Gespräche mit den Nachbarstädten

In der Frage nach dem Ausgleich mit Berlin halte die Stadt am Ziel einer Zusatzvereinbarung ergänzend zur Gesetzeslage fest, sagte Dörner. Auf die Frage, welche Regierungskonstellation sie sich seit der Wahl am Sonntagabend mit Blick auf die Belange Bonns wünschte, wollte sich die Oberbürgermeisterin nicht festlegen. „Wichtig und erfreulich ist es zunächst einmal, dass Bonn wieder mit drei Abgeordneten gut in Berlin vertreten ist, das stimmt mich für alles Weitere optimistisch“, so Dörner. Hinsichtlich der Kooperationen mit Nachbarstädten mit dem Ziel gemeinsamer Gewerbeflächen sollen die Gespräche in Kürze wieder aufgenommen werden. Dörner: „Es war tatsächlich so, dass wir für den Sommer mehrere Termine vereinbart hatten, allerdings mussten sie von den Nachbarn wegen der Flutkatastrophe verschoben werden.“