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Flüchtlinge in Bonn: Stadt prüft Unterkünfte - In Duisdorf schlagen die Wogen hoch

Flüchtlinge in Bonn : Stadt prüft Unterkünfte - In Duisdorf schlagen die Wogen hoch

Die Frage, wo in Bonn noch zusätzliche Plätze für Flüchtlinge geschaffen werden können, hält die Stadtverwaltung weiterhin auf Trab. Denn die Zahl der Menschen, die aus Krisenländern flüchten und auch in Bonn landen, wächst rasant.

Das städtische Gebäudemanagement (SGB) hat jetzt eine interne Liste mit zahlreichen Gebäuden zusammengestellt, die das SGB für die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft bisher überprüft hat. Die Liste, die dem GA vorliegt, wird morgen im nichtöffentlichen Teil des SGB-Ausschusses beraten.

Bereits im Vorfeld bekannt gewordene Objekte, die die Stadt als vorübergehendes Zuhause für die Flüchtlinge nutzen will, wie etwa zwei Bürohäuser in der Reuterstraße 122 und in der Rochusstraße 65 in Duisdorf, sorgen aber schon unter Bürgern für hitzige Diskussionen. In beiden Häusern könnten jeweils um die 200 Flüchtlinge untergebracht werden. Offensichtlich konkreter werden Pläne, eventuell auch das Paulusheim in Endenich als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen.

Groß war das Interesse am Dienstagabend in der Bezirksvertretung Hardtberg, wo die Anmietung des Hauses Rochusstraße 65 auf der Tagesordnung stand und rund 50 Anwohner ins Rathaus lockte. Das Gebäude war bereits in den 1990er Jahren als Notunterkunft genutzt worden, allerdings für doppelt so viele Bewohner (440).

Sozialamtsleiter Kurt Berger bedauerte, dass es so wenig geeigneten Wohnraum für Flüchtlinge in Bonn gebe und sagte: "Wir können nicht mit jedem sprechen, der in der Nähe eines möglichen Objekts wohnt, aber wenn die Entscheidung gefallen ist, werden wir mit den Bürgern in den Quartieren reden." Ob das Haus Rochusstraße 65 gemietet oder gekauft wird, ist unklar, zumal die Stadt die Karten nicht auf den Tisch legen will. "Je länger wir darüber reden, desto teurer wird es", sagte Peter Bermeier (SGB) in der Sitzung.

Unmut handelte sich der Hardtberger CDU-Bezirksfraktionschef Bert Moll ein, weil er die Stadtverwaltung mit OB Jürgen Nimptsch (SPD) an der Spitze für ihr Vorgehen kritisierte, parallel aber CDU-Ratsherr Reinhard Limbach seine Unterschrift unter die Dringlichkeitsentscheidung des OB gesetzt und damit grünes Licht für das Flüchtlingswohnheim gegeben hatte. Das fand die SPD scheinheilig. "Hier sagt man Hü und da Hott", meinte Barbara Naß. Auch der Bürger Bund kritisierte das und empfahl Moll, sich an die eigene Ratsfraktion zu wenden und sich nicht "reflexartig" gegen den OB zu wenden.

Offensichtlich noch nicht vom Tisch ist das Bürohaus an der Reuterstraße. Es war wegen seiner Lage an einer viel befahrenen Straße als potenzielle Flüchtlingsunterkunft in die Kritik geraten. Zudem würden rund 150 000 Euro an Maklergebühren anfallen. Die Dringlichkeitsentscheidung zur Anmietung wurde deshalb zurückgestellt. Von seiner Liste gestrichen hat es das SGB indes noch nicht. Auch nicht die Gallwitz-Kaserne (Duisdorf) und Ermekeil-Kaserne (Südstadt), die sich im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben befinden. Dort könnten laut Stadt Wohncontainer für ein Jahr aufgestellt werden.

Das traditionsreiche Paulusheim an der Sebastianstraße in Endenich, in dem einst mehr als 100 Senioren lebten und das nun so gut wie leer steht, will der Träger, eine Gesellschaft der katholischen Alexianer Brüdergemeinschaft, verkaufen und mit Wohnungen bebauen. Laut Liste des SGB prüfen die Alexianer aber nun "als Zwischenlösung eine temporäre Unterbringung von Flüchtlingen".

Auf Nachfrage des GA hieß es von den Alexianern am Dienstag lediglich: "Keine Stellungnahme." Auch die Stadt Bonn wollte sich gegenüber dem GA mit Hinweis auf die Verschwiegenheitspflicht bei Vertragsangelegenheiten zu keinem der in Frage kommenden Objekte auf der SGB-Liste äußern.

Die Flüchtlingszahlen in Bonn

Zurzeit leben Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann zufolge rund 450 Flüchtlinge aus 30 Nationen in den städtischen Notunterkünften sowie in privaten Wohnungen und Hotels. Damit sind die Kapazitäten nahezu ausgereizt. Die Stadt geht aber davon aus, dass nach derzeitigem Stand bis Ende 2014 insgesamt rund 800 Übergangsplätze benötigt werden.

Eventuell sogar mehr: Denn die Zahlen steigen rasanter als in den Jahren zuvor. Allein im Dezember benötigten laut Hoffmann 46 neue Flüchtlinge in Bonn ein Dach über den Kopf. In der Dringlichkeitsentscheidung zur Anmietung/Kauf des Objekts Rochusstraße 65, die morgen im SGB-Ausschuss nachträglich beschlossen werden soll, drängen Politiker allerdings darauf, dass künftig möglichst dezentrale Lösungen gefunden werden.