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Stromverbrauch in Bonn und der Region sinkt trotz Homeoffice

Bonn und die Region : So hat sich der Stromverbrauch im Homeoffice geändert

In Bonn und der Region arbeiten zurzeit viele Menschen im Homeoffice. Grund genug um zu vermuten, dass der Stromverbrauch im letzten Jahr gestiegen sein sollte. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Die Corona-Pandemie hat unser Leben in vielen Bereichen auf den Kopf gestellt. Zahlreiche Menschen sind in Kurzarbeit oder arbeiten im Homeoffice, Kinder und Jugendliche haben Homeschooling, in einigen Kommunen sind sogar nächtliche Ausgangssperren verhängt worden. Das alles sorgt vor allem für eins: Die Menschen verbringen mehr Zeit zu Hause als vor der Pandemie. Da liegt der Gedanke nahe, dass mehr Strom verbraucht wird. Dennoch ist der Energieverbrauch in Bonn und der Region - entgegen aller Erwartungen - im Corona-Jahr insgesamt gesunken.

Rheinenergie-Sprecher spricht von „eindeutigem Trend“

Es sei schon ein „eindeutiger Trend“ zu erkennen, sagt Adrian Bolz, der Pressesprecher von Rheinenergie, als er über die Netzlast in Bonn und der Region spricht. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Energieverbrauch im März 2020 um 3,59 Prozent gesunken. Im Juni sogar um rund 7,79 Prozent. Auch im Jahr 2021 verzeichnet Rheinenergie einen Rückgang der Netzlast: um 4,13 Prozent verglichen mit Werten vom März 2020.

Die Stadtwerke Bonn (SWB) erkennen eine ähnlichen Entwicklung: „Im Pandemiejahr ist der Stromverbrauch allgemein gesunken.“ Die SWB verzeichnen innerhalb des Corona-Jahres einen Rückgang des Stromverbrauchs um insgesamt fünf Prozent in Bonn. Auf Nachfrage des GA merken die Stadtwerke aber an, dass ihnen nicht alle Zählerstände zu einem Stichtag vorliegen. Diese würden innerhalb eines Jahres zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgelesen. Deshalb sei in der Datenlage nicht das gesamte Pandemiejahr vorhanden.

Generell scheint der Zugang zu genauen Zahlen gar nicht so einfach zu sein. Lea Hoffmann von den SWB erklärt, dass das Unternehmen grundsätzlich nicht wisse, wie viele Personen in einem Haushalt leben. Deswegen seien Aussagen wie „ein Vier-Personen-Haushalt in Bonn verbraucht soundso viel weniger Strom“ schlichtweg nicht möglich. Grundsätzlich ließen sich aber Uhrzeiten feststellen, zu denen Privathaushalte einen besonders hohen Stromverbrauch haben. Laut Stadtwerken Bonn steige der Stromverbrauch im Privatkundenbereich werktags morgens ab etwa 5.30 Uhr stark an und erreiche einen Höhepunkt gegen 8.00 Uhr. Hinzu komme eine Mittags- sowie eine Abendspitze. Bei Letzterer trete dann in der Regel der höchste Stromverbrauch des Tages auf.

Weiter differenzieren können die Stadtwerke zwischen dem Stromverbrauch privater Haushalten und von Unternehmen. Betriebe ab einem Verbrauch von über 100.000 kWh pro Jahr sind sogenannte Großkunden der Stadtwerke Bonn. Hier sei der Stromverbrauch im letzten Jahr sogar um acht Prozent gesunken. Eine Entwicklung, die der Umwelt mit Sicherheit nicht schadet, aber ist die aktuelle Homeoffice-Situation der Grund? Eine genaue Ursache können die Energieversorger nicht nennen. Und obwohl die aktuelle Pandemie die offensichtlichste wäre, sind Rheinenergie und SWB vorsichtig, die Schwankungen  mit dem Virus zu begründen.

Schwankungen beim Stromverbrauch gibt es auch ohne Corona

„Ob die Entwicklung ausschließlich mit Homeoffice zusammenhängt, können wir nicht sagen, da der Stromverbrauch sich von Jahr zu Jahr unterscheidet. Schwankungen gibt es also auch ohne Pandemie“ heißt es vonseiten der Stadtwerke Bonn. Auch Pressesprecher Adrian Bolz betont, er könne nur „spekulieren“, denn „Rückschlüsse auf Corona lassen sich nur bedingt ziehen.“ Grund für den stetig sinkenden Stromverbrauch könnte zum Beispiel auch die Witterung sein. War es im März 2020 vielleicht einfach wärmer als im Vorjahr? Waren die Menschen deswegen öfter draußen und verbrauchten so weniger Strom? Auch das beeinflusse die ohnehin schwankenden Werte.

Weiter vermutet Bolz, dass die Menschen im Homeoffice zwar mehr Strom verbrauchen, aber einfach nicht so viel wie erwartet. Den erhöhten Energieverbrauch in Privathaushalten würden stillstehende Bürogebäude dann wieder ausgleichen. So könnte es zu den niedrigen Werten gekommen sein. Der Energieverbrauch sei  auf jeden Fall „entgegen aller Erwartungen“ gesunken, so Bolz. Zu Beginn der Pandemie hatte Rheinenergie noch fest mit einem Anstieg der Werte gerechnet. Das Nutzungsverhalten in der Pandemie sei verglichen mit anderen Jahren wahrscheinlich gar nicht so anders -  trotz Homeoffice. Als Beispiel nennt Bolz den Laptop, der vielleicht weniger Strom zieht als man immer dachte. Oder die Familie, bei der ohnehin einmal am Tag warm gekocht wird, ob die Kinder nun im Homeschooling sind oder nicht. Aber alles das seien nur Vermutungen betont Bolz, „da muss man spekulieren“.