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Reiner Schreibers Geld kehrt heim: SWB erhalten nach Prozess fast 140.000 Euro

Reiner Schreibers Geld kehrt heim : SWB erhalten nach Prozess fast 140.000 Euro

Siebeneinhalb Jahre nach dem Tod von Reiner Schreiber, dem früheren Bonner Stadtwerke-Geschäftsführer und späteren CDU-Fraktionschef, wird das vorerst letzte Kapitel um den "schwarzen Paten" von Bonn geschrieben. Schreiber war seinerzeit wegen Bestechlichkeit im besonders schweren Fall angeklagt.

Jetzt erhalten die Stadtwerke Bonn den letzten Rest von Schreibers Geld, das er zu Lebzeiten in Belgien deponiert hatte. Die Scheine lagen in einem Schließfach einer Bank in Ostende, wo Schreiber eine Ferienwohnung besaß. Dass dies überhaupt bekannt wurde, war einem Zufall zu verdanken.

Ein belgischer Bankmitarbeiter geriet in die Fänge der Justiz - dem Vernehmen nach wegen des Verdachts eines Mordes - und sagte den Ermittlern: Er habe auch Konten von Schreiber betreut, in einem Schließfach sei noch Geld. In der Tat fanden sich dort 2005 mehr als 135.000 Euro, und die belgische Justiz beschlagnahmte sie. Seitdem versuchen die Stadtwerke, an das Geld heranzukommen. Aber auch der belgische Staat und der Banker beanspruchten den Betrag für sich.

Nun gelang den deutschen und belgischen Anwälten der Stadt-werke der Durch-bruch. Nach einem Gang durch alle Instanzen wurde den SWB das Geld zugesprochen, so die höchstrichterliche Entscheidung. Und es ist auch bereits in Bonn eingetroffen, sagte SWB-Justiziar Bernd Nottbeck. Es handelt sich um genau 139.333,52 Euro. "Damit ist für uns das Verfahren Schreiber abgeschlossen", sagte Nottbeck. "Denn wir wüssten nicht, wo sonst noch Geld zu holen wäre."

Es ist nicht das erste Mal, dass die SWB auf das Vermögen ihres Ex-Chefs zugegriffen haben. Jene 750.000 Euro, die Schreiber damals bei Gericht hinterlegte, um nach seinem Geständnis wieder auf freien Fuß zu kommen, flossen ebenfalls in die SWB-Kasse. Die Stadtwerke hatten schon vor Jahren gerichtlich erwirkt, dass sie einen so genannten Titel erhalten, weil ihnen durch Schreibers Handeln ein Schaden entstanden sei.

Damit haben sie Zugriff auf Schreibers Vermögen. Die knapp 140.000 Euro, die jetzt aus Belgien eintrafen, müssen jedoch den entstandenen Rechtsanwaltskosten gegenübergestellt werden, die in Belgien deutlich höher als in Deutschland sind. "Die Verfahren waren nicht billig", bestätigte Nottbeck. "Aber ich habe noch keine Endabrechnung unserer Anwälte in Deutschland und Belgien." Das Geld einzuklagen sei dennoch eine Frage des Prinzips gewesen. "Wir haben eine Verpflichtung, die Summe einzutreiben."

Das Geld verleitet aber zu neuen Fragen, die wohl heute nicht mehr zu klären sind. Warum zum Beispiel soll Schreiber, der vor seinem Tod seine Konten abräumte und als "armer Mann" starb, ausgerechnet das ominöse Schließfach vergessen haben? Ansonsten hatte er an alles gedacht - hatte seine Ferienwohnung an eine Freundin überschrieben, das Geld auf seinem Schweizer Konto nach Belgien transferiert, wo er es in mehreren Tranchen in bar abhob. Und selbst die Wohnungsmiete in Bonn hatte er im Voraus bezahlt.

Mit dem Urteil in Belgien endet auch die Arbeit von Schreibers Bonner Nachlassverwalter Volker Betzing. "Wenn das Geld da ist und verteilt wurde, kann ich die Akte Schreiber zuklappen", sagte der Rechtsanwalt.