1. Bonn

Ukraine-Konflikt: Bonner Kirchengemeinden beten für Frieden in Europa

Konflikt in der Ukraine : Bonner Christen beten für Frieden in Europa

Kurzfristig hatten die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche zu einem ökumenischen Friedensgebet in die Kreuzkirche eingeladen. Dem Aufruf waren rund 25 Gläubige gefolgt, die im Kirchenschiff symbolische Friedenskerzen entzündeten.

Angesichts des Konfliktes in der Ukraine demonstrierten die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) sowie die evangelische und die katholische Kirche der Stadt Bonn am Donnerstagnachmittag ihre Geschlossenheit. Kurzfristig hatten die Kirchenvertreter zu einem ökumenischen Friedensgebet in die Kreuzkirche eingeladen. Dem Aufruf waren rund 25 Gläubige gefolgt, die im Kirchenschiff symbolische Friedenskerzen entzündeten.

Mit dabei waren unter anderem die neue Bonner ACK-Vorsitzende, Esther Runkel, Superintendent Dietmar Pistorius, Stadtdechant Wolfgang Picken sowie Kreuzkirchenpfarrer Martin Gröger. „Wir dürfen uns verbunden fühlen mit allen Menschen unserer Welt, die sich für Verständigung und Versöhnung einsetzen und wollen diese Kräfte bestärken“, erklärte Pistorius. Die Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung in der Ukraine sei sehr real, sagte Picken. „Anders als bei vorherigen Kriegen der jüngeren Vergangenheit auf europäischem Boden sind Russland und die NATO direkt beteiligt. Deshalb hat diese Krise das Potenzial, den Frieden in Europa und der Welt zu gefährden. Man kann das nicht ernst genug nehmen“, betonte der Stadtdechant.

Sorge um einen Krieg ist bei den Messenbesuchern groß

Der Ukraine-Konflikt beschäftigte am späten Nachmittag auch viele Bonner, die zum Gebet in die Kreuzkirche gekommen waren. Klaus Baehr (86) etwa will bei einer Eskalation nach Chile verreisen und bei Verwandten Zuflucht suchen. Sorgenvoll verfolgt der Rentner nun täglich die Nachrichten. „Ich habe damit nicht gerechnet, dass die Gefahr so real werden könnte“, sagte Baehr. Gisela Zimmermann (61) lebte sechs Jahre in der Ukraine und hat dort noch viele Freunde und Bekannte. „Ich finde das erschreckend, dass die Möglichkeit eines Kriegs so nah an Europa herangekommen ist. Mir tun meine Freunde in der Ukraine leid“, sagte die Bonnerin. Für die Ukrainer sei die aktuelle Situation sehr schwierig, schildete Zimmermann. „Ich bin sehr erschrocken, denn ich hätte mir nicht träumen lassen, dass es zu solchen Drohungen zwischen europäischen Staaten und Russland kommen konnte“, sagte Anne Kordes-Pistorius. Die Bonnerin gab sich dennoch zuversichtlich: „Ein gewisser Grundoptimismus ist schon da, denn ich kann nicht glauben, dass Erwachsene Menschen etwas anderes tun, als vernünftig zu sein.“

Picken und Pistorius, die nebeneinander in der ersten Reihe Platz genommen hatten, zeigten beim Friedensgebet eine besondere Geschlossenheit. „Das Gebet hat große Kraft. Es bezieht die Unterstützung Gottes in menschliches Handeln ein und es formt Bewusstsein. In der großen Bedrohungslage, in der wir uns befinden, wollen wir deshalb Gott und die Menschen bestürmen, alles zu tun um den Frieden in Europa zu wahren“, erklärte Picken.

Kirchen rufen zum Beten auf

Viele evangelische Kirchen in Bonn und der Region, die auch werktags geöffnet sind, bieten derzeit die Gelegenheit, Hoffnungen wie Ängste in ein Fürbittenbuch zu schreiben. Alle Gemeinden nehmen die Anliegen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung mit auf in die Fürbitten in ihren Gottesdiensten am Sonntag, sagte Pfarrer Joachim Gerhardt.

Auch die Evangelische Landeskirche im Rheinland ruft zum Gebet auf: Angesichts der Situation für die Partnerkirchen und alle Menschen in der Ukraine hatte Pfarrerin Miriam Haseleu, nebenamtliches Kirchenleitungsmitglied, ein Gebet formuliert, das auch von anderen Gemeinden in Gottesdiensten genutzt werden soll.

Interessierte finden das Gebet unter www.ekir.de