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Unfall in Bonn: Arbeiter bis zur Brust verschüttet

Unfall in Bonn: Arbeiter bis zur Brust verschüttet

Für den 32 Jahre alten Bauarbeiter dürften das am Freitag wohl die längsten drei Stunden seines Lebens gewesen sein. Bis zur Brust vom Erdreich verschüttet, lag der Mann mehr oder weniger hilflos in einer sechs Meter tiefen Baugrube vor dem ehemaligen Bundeskanzleramt.

Bei frostigen Temperaturen hoffte der 32-Jährige seit dem frühen Nachmittag auf Rettung - und die kam auch rasch in Gestalt von mehr als 40 Feuerwehrleuten, einem Notarzt, Rettungsassistenten und Polizei. Die Retter hatten es nicht leicht, den Verschütteten aus dem nachrutschenden Erdreich zu befreien. Doch kurz vor Einbruch der Dunkelheit gelang das "Happy End".

"Ist das eine Übung?", wollte eine neugierige Passantin. "Nein", entgegnete einer der Wartenden. "Das ist bitterer Ernst." Und der hatte gegen 14.40 Uhr mit einem Alarm für die Bonner Feuerwehr begonnen, so berichtete Einsatzleiter Albert Lehmann. Für ihn war die Rettung eines Verschütteten keineswegs Neuland: Vor zwei Jahren war Lehmann mit dabei, als die Feuerwehr in Bad Godesberg einen Bauarbeiter aus einer gut acht Meter tiefen Baugrube befreien musste.

Passiert ist der Unfall am Freitag am ehemaligen Kanzleramt, das heute vom Entwicklungshilfeministerium genutzt wird. Zu den laufenden Bauarbeiten konnte eine Sprecherin des Ministeriums am Freitagabend keine Informationen beschaffen. Das zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung war nicht erreichbar.

Wie zu erfahren war, soll der 32-Jährige gerade verschüttet worden sein, als er die Baugrube verlassen wollte. Einsatzkräfte berichteten von Zuständen, "die gegen jede Vorschriften gewesen sind". Der Bauarbeiter saß fest, "war aber voll ansprechbar", berichtete Lehmann. Der Einsatzleiter begann sofort, den Verschütteten aktiv in seine eigene Rettung mit einzubeziehen. Das sei immer wichtig, um die in Not geratene Person zu beruhigen. Der Bauarbeiter wurde daher gebeten, "mitzugraben und Material anzugeben", so Lehmann.

Die zusätzliche helfende Hand war von Nutzen, weil es in der Baugrube einiges zu tun gab. So zimmerten die Feuerwehrleute um den Verschütteten herum einen Balkenverbau, um ihn dann Stück für Stück auszugraben. Da dafür die Kettensäge zum Einsatz kam, musste die Baugrube belüftet werden.

Weil es zudem dämmerte, rückte auch noch die auf Beleuchtungstechnik spezialisierte Feuerwehr aus Holzlar an. Doch deren Können wurde kaum mehr gebraucht: Kurz vor 18 Uhr war es soweit - der Verschüttete war frei und hatte nur leicht verletzt wieder festen Boden unter den Füßen. Was ihm zusetzte, war nur eine Sache: Ihm war bitterkalt.