1. Bonn

"Urlaub wird das hier absolut nicht"

"Urlaub wird das hier absolut nicht"

20 Ako-Pro-Scouter bauen derzeit weiter an einer Krankenstation im afrikanischen Burkina Faso

Bad Godesberg. Die Mailnachricht von Klaus-Jürgen Knüttgen und seinen 20 jungen Bonner Scoutern hört sich fast abgeklärt an. "Zwölf Tage sind wir nun in Burkina Faso - gefühlt allerdings schon viel länger", schreibt der Ako-Pro-Leiter über die Atmosphäre im Schülerteam während der drei Hilfsprojektwochen in Bobo Dioulasso. Wie berichtet, wollen die Scouts derzeit den nächsten Bauabschnitt der 2008 begonnenen, immens wichtigen medizinischen Station schaffen, den zweiten Stock.

Die Kosten von um die 18 000 Euro hatten Schüler des Aloisiuskollegs und der Burgschule zusammengebracht. Schon bei der Anfahrt vom Flughafen her sei der Konvoi der Jugendlichen selbst ein Spiegelbild Afrikas gewesen, schmunzelt Chefscout Knüttgen. "Wir kamen mit einem überladenen japanischen Kleinbus, einem uralten, offenen Landrover, einem VW-Iltis aus Bundeswehrbeständen und einem ehemaligen Mercedes-Taxi aus Stuttgart an."

Die sechs Stunden Fahrt durch grüne regennasse Savanne habe jedoch diejenigen, die im vergangenen Jahr im Sommer mehr lethargisch durch verbranntes, staubiges, rotgelbes Land gereist waren, regelrecht beglückt, funkt Knüttgen. Immerhin haben sich 14 der 20 Scouter schon zum zweiten Mal aufs Abenteuer Afrika eingelassen.

"Die Natur strotzt hier nur so vor Leben. Die Menschen sind fröhlich und voller Hoffnung, trotz der schweren Überschwemmungskatastrophe", lässt sich selbst der "Boss" anstecken. Und berichtet dann wieder bedrückt von der wahren Lage. "Wir fuhren an einer großen Zeltstadt vorbei. Hier sind diejenigen untergebracht, die Haus und Hof verloren haben, derzeit noch mehr als 80 000 Menschen." Man habe deshalb am Wegrand spontan beschlossen, dem Hilfsfond für die Flutopfer selbst 1 000 Euro zu spenden. Die Schüler griffen teils in die Gruppenkasse, teils zum eigenen Taschengeld.

Nachdenklich sei man dann an der 2008 hochgezogenen Krankenstation angelangt, so Knüttgen. "Wir wohnen in einem Fußballstadion, das Platz genug für uns und unsere Zelte bietet. Eine Küche, ein Aufenthaltsraum und Sanitärräume versprechen ein recht bequemes Leben", schreibt er zur Beruhigung der hiesigen Angehörigen. Allerdings sei alles eine Sache der Einstellung, schiebt er nach. "Urlaub wird das hier absolut nicht. Das ist jedem Mitfahrer klar." Denn die Baustelle wartet, an der die Partnerorganisation, der Verein "KOTA", perfekte Vorarbeit geleistet habe. Sehr zur Freude aller seien die Vorarbeiter und Maurer vom letzten Mal wieder dabei, schreibt der Chefscout.

Große Wiedersehensfreude auf beiden Seiten. Herzliche Umarmungen, Schulterklopfen. Und dann die Bauarbeiten. Ein einheimischer Vorarbeiter übernehme die Anleitung für jeweils vier Jugendliche. Was natürlich Sprachprobleme, Unkenntnis der landestypischen Gebräuche und unterschiedlicher Herangehensweisen an die Arbeit gezeitigt habe.

"Für uns läuft permanent die Uhr mit. Wir haben nur drei Wochen Zeit. Bei den Burkinabe stößt unser sehr ausgeprägter Arbeitseifer erst einmal auf Unverständnis", so Knüttgen. Eine Baubesprechung habe dann Klarheit auf beiden Seiten geschaffen, und Hand in Hand gehe es seither weiter. "Wir arbeiten täglich von 7 bis 12 Uhr und dann nochmals von 15 bis 18 Uhr", so der Ako-Pro-Leiter, der auf eine langjährige Hilfsprojekterfahrung auf verschiedenen Kontinenten verweisen kann.

Die lange Mittagspause sei notwendig, da es dann einfach zu heiß zum Schuften sei. Nach einer Woche habe jeder die für ihn geeignete Arbeit gefunden, resümiert Knüttgen. "Wir haben begabte Maurer unter uns, andere eignen sich eher zum Betonmischen oder zum Verschalen der Säulen und Ringanker." Arbeit gebe es auf jeden Fall mehr als genug, und die Bautage seien extrem anstrengend. "So endet der Tag für fast alle eigentlich erst um 22 Uhr."