Bonn Verbraucherzentrale und Polizei warnen vor betrügerischen Schlüsseldiensten

BONN · Man geht aus dem Haus, die Tür fällt ins Schloss, und dann steht man da. So ging es Christina Neumann vor knapp zwei Wochen. Sie hatte zwar einen Ersatzschlüssel, aber da sie ihren eigenen von innen stecken gelassen hatte, bekam sie damit die Tür von außen nicht auf. Da blieb nur, einen Schlüsseldienst zu rufen. Von den Männern, die dann kamen, wurde die Studentin gewaltig übers Ohr gehauen.

 Christina Neumann (rechts) hat schlechte Erfahrungen mit einem Schlüsseldienst gemacht. Susanne Bauer-Jautz von der Verbraucherzentrale gibt Tipps, wie das vermieden werden kann.

Christina Neumann (rechts) hat schlechte Erfahrungen mit einem Schlüsseldienst gemacht. Susanne Bauer-Jautz von der Verbraucherzentrale gibt Tipps, wie das vermieden werden kann.

Foto: Barbara Frommann

Das "Geschäft mit dem Notfall" ist das Thema der Bonner Verbraucherzentrale zum Weltverbrauchertag, der international immer am 15. März gefeiert wird - an diesem Tag im Jahr 1962 hatte sich John F. Kennedy im US-Kongress für den Schutz von Verbrauchern eingesetzt. Die Beratungsstelle in der Stadthauspassage hat sich Neumanns Fall angenommen. Das Problem mit betrügerischen Schlüsseldiensten taucht dort immer mal wieder auf. "Seit Januar haben wir schon acht Fälle", sagt Leiterin Susanne Bauer-Jautz.

Neumann hatte bei Nachbarn im Internet nach einem Schlüsseldienst in ihrer Umgebung gesucht - auf jeden Fall ein richtiger Schritt, so Bauer-Jautz. Aber bei der Firma hatte Neumann Pech. Am Telefon nannte man ihr 15 Euro Anfahrtskosten, vor Ort gab man Pauschalkosten von 159 Euro an - laut Bauer-Jautz werktags und tagsüber völlig überteuert.

Mit diesem Preis habe sie etwa gerechnet, sagt Neumann. Allerdings hatte sie das auch in einem Arbeitsvertrag unterschrieben. Das hätte sie nicht vor Erbringen der Leistung tun sollen, so Bauer-Jautz, oder zumindest nur mit dem Vermerk "u.V." für "unter Vorbehalt", und am besten noch mit dem Zusatz "Rechnung wird noch geprüft". Die Männer behaupteten dann, das Schloss müsse ausgewechselt werden, was aber nicht so leicht sei, da die Türe verzogen sei. Nachdem die Tür offen war, errechneten sie für ihre Leistung plötzlich eine Summe von 447 Euro und wollten das Geld bar haben.

Auf eine Anzahlung von 160 Euro ließen sie sich nicht ein, und als die eingeschüchterte Frau mitteilte, dass ihre Bank bald aufmache, fuhren die Männer sie dorthin, um das abgehobene Geld gleich entgegenzunehmen. Darauf hätte sie sich nicht einlassen sollen, so Bauer-Jautz. "Wenn sie Druck machen, sollte man die Polizei rufen." Das ausgebaute Schloss nahmen sie mit, was sie laut der Verbraucherschützerin nicht dürfen. Die Männer hatten es durch ein angebliches Hochsicherheitsschloss ersetzt. "Das ist jetzt seit zwei Tagen kaputt", sagt Neumann.

Ein geübter Schlosser könne eine Tür, die nur ins Schloss gefallen und nicht abgeschlossen ist, innerhalb von 15 Minuten mit einem Draht öffnen, sagt Bauer-Jautz. Ihr Tipp: Man sollte sich frühzeitig einen Schlosser in der Umgebung suchen und seine Telefonnummer außen am Eingang, zum Beispiel im Inneren des Briefkastens, anbringen.

Bei der Suche im Internet solle man nach Mitgliedern der Schlosser- oder Metallhandwerksinnung suchen - das seien in der Regel keine Abzocker. Betroffene sollten auch eine zweite Person mit einbeziehen, etwa Nachbarn oder Freunde, sagt Friedhelm Herholz, Leider der Abteilung Kriminalprävention und Opferschutz der Bonner Polizei. Er rät in einem Fall wie diesem, "zur Sicherheit Strafanzeige zu erstatten, etwa wegen Nötigung oder Betrugs".

Pauschalen für eine Türöffnung

Der Bundesverband Metall gibt für Städte in der Bonner Größenordnung folgende unverbindliche Pauschalen für eine Türöffnung an: an Werktagen zwischen 8 und 18 Uhr 79,80 Euro, bis 22 Uhr 50 und in der Nacht 100 Prozent Aufschlag. Diese Aufschläge gelten auch samstags, während an Sonntagen immer der 100-Prozent-Aufschlag gilt, in diesem Fall also 159,60 Euro. An Feiertagen kann der Preis auf 199,50 Euro steigen. Neben der Fahrtkostenpauschale von 36 Euro können je nach Tageszeit ein Zusatzbetrag von 19,95 bis 49,90 Euro pro Viertelstunde erhoben werden. Leerfahrten werden mit 60 Euro veranschlagt.

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