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Verwirrung ums Labyrinth in der Bonner Rheinaue

Verwirrung ums Labyrinth in der Bonner Rheinaue

Wieder einmal ziehen über der Rheinaue dunkle Wolken auf, und mit Blick auf Themen wie Rheinkultur, Rheinmesse und Konzertfläche ist auch dies im übertragenen Sinne gemeint.

Anlass für Diskussionen könnte jetzt ein Vorstoß der Stadtverwaltung bieten. Sie sucht nach Interessenten, die im Sommer in der Rheinaue ein Freizeitangebot für Kinder schaffen. Und zwar auf einer Fläche in der Nähe der Großen Blumenwiese. Nämlich genau dort, wo in den vergangenen Jahren das große Labyrinth aufgebaut war.

Dessen Betreiber, der Verein Freies Förderwerk Bonn, ist über die unverhoffte Konkurrenzsituation alles andere als begeistert. Die Stadt startet für die Zeit vom 9. Juli bis zum 14. September ein Interessenbekundungsverfahren für eine "mobile, familiengerechte Freizeiteinrichtung" in der Rheinaue.

Man beabsichtige, die Fläche fortan jährlich auszuschreiben, um ein aktuelles und eventuell auch wechselndes Angebot bieten zu können. Bewerben wird sich auch das Freie Förderwerk, wie dessen Koordinator Rolf Rau auf Anfrage mitteilt. Von der Stadt ist Rau allerdings enttäuscht: "Wir wollen in diesem Jahr wiederkommen und werden uns auch bewerben", sagt Rau, ergänzt aber: "Als Bonner Verein sind wir hier verwurzelt, aber wenn uns die Stadt nicht mehr will, gehen wir eben woanders hin".

Drei oder vier andere Städte sollen bereits an einem Gastspiel interessiert sein. Wenn diese Fläche ausgeschrieben wird, dann möge man doch bitte auch mit allen anderen Veranstaltungen wie Bierbörse, Firmenlauf oder Ballonfestival so verfahren, so Rau. Und auch in einem weiteren Punkt sieht er sich benachteiligt: Für die Fläche, mit der die Stadt laut Satzung im fraglichen Zeitraum eigentlich Mieteinnahmen von mehr als 20.000 Euro erzielen könnte, will sie nun aber nur 3000 Euro haben.

Das, so Rau, könnte nun zusätzliche kommerzielle Konkurrenten anlocken, während das gemeinnützige Förderwerk hingegen wie bisher von einer Entgeltbefreiung profitieren könnte. Das Labyrinth hatte seit dem Jahr 2000 (2003 und 2004 wurde pausiert) einen Reingewinn von 50.000 Euro erwirtschaftet, der stets dem Jahres-Spenden-Partner der Stadt zugute gekommen war.

Während Rau die Ausschreibung des "angestammten" Labyrinth-Standortes also als Affront gegen seinen Verein wertet, widerspricht eine Sprecherin der Stadt diesem Eindruck vehement: "Das ist kein Votum gegen das Labyrinth, an dessen Qualität es keinen Zweifel gibt. Es geht im Sinne der Gleichbehandlung lediglich darum zu sehen, welche Angebote sonst noch auf dem Markt sind."