1. Bonn

Treffpunkt im Ort: Was Schönes für den Dorfplatz

Treffpunkt im Ort : Was Schönes für den Dorfplatz

Kaum ist Ludwig Frings nach 50 Jahren nach Bonn zurückgekehrt, da hatte er eine Idee für Graurheindorf: Er baute einen Bücherkarren für den Dorfplatz.

Manchmal können Dinge auch sehr schnell gehen, wie das Beispiel des Bücherkarrens für Graurheindorf zeigt. In liebevoller Handarbeit hatte ihn Ludwig Frings entworfen und gebaut, nun stellte er die Karre auf dem Dorfplatz gemeinsam mit dem Ortsausschuss vor.

Frings war nach 50 Jahren in seine alte Heimatstadt Bonn zurückgekehrt und hatte einen Bücherschrank in Graurheindorf vermisst. „Der nächste steht in Buschdorf, das ist doch viel zu weit entfernt“, sagte der studierte Architekt und pensionierte Berufsschullehrer, der nach eigenen Angaben sehr gerne liest.

Frings, der am Dorfplatz an der Bachbrücke wohnt, empfand den Platz, wie er zugibt, mit seinen Stromkästen nicht sehr einladend. Dabei sei die Fläche an sich sehr schön mit den Bäumen und dem Heiligenhäuschen und sehr zentral gelegen. Nur an der Aufenthaltsqualität könne man noch arbeiten. Frings wandte sich an den Ortsausschuss und stieß dort mit seiner Idee für einen Bücherschrank am Rande des Platzes auf offene Ohren. „Wir mussten nur bedenken, dass wir hier in einem Hochwassergebiet leben und ein fester Bücherschrank deshalb nicht infrage kam“, sagte Michael Moser vom Ortsvorstand.

Der Karren, der nun ein „Ort der Begegnung werden wird“, wie es Bezirksbürgermeisterin Brigitta Poppe-Reiners in ihrer kurzen Ansprache ausdrückte, ist ein Meisterstück geworden. Frings nutzte als Grundlage einen alten Schrank, baute Fächer ein, setzte ein Dach auf und montierte das Ganze auf ein fahrbares Untergestell. Drei Monate arbeitete er daran, von der ersten Skizze bis zum finalen Bau. In der Schmiede des Hauses Müllestumpe durfte er sich während der Bauphase ausbreiten. Und Michael Moser half ihm zeitweise beim Zusammenschrauben.

Finanziert wurde der Karren aus Einnahmen durch den „Gebrannten“, der in Graurheindorf eine lange Tradition hat, aber dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht wie sonst üblich im August auf der Kirmes ausgeschenkt werden konnte. „Wir haben ihn in kleine Fläschchen abgefüllt und sie an die Haushalte verteilt. Die meisten wollten ihn nicht umsonst haben und spendeten jeweils eine selbst gewählte Summe. Mehr als 1000 Euro sind auf diese Weise zusammengekommen“, erzählte Moser.

Kaum war der Bücherschrank enthüllt, standen Kinder und Erwachsene Schlange. Während manche einen Schwung Bücher hineinstellen wollten, suchten die anderen Literatur für die nächsten Tage.

Umrahmt wurde die Einweihung des neuen Bücherkarrens für Graurheindorf vom Hofflohmarkt, den ebenfalls der Ortsausschuss organisiert und an dem sich diesmal 60 Haushalte beteiligten. Entsprechend viel Betrieb herrschte auf der Estermannstraße, sodass nun alle wissen, dass sie ab sofort einen neuen Treffpunkt im Ort haben.