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Interview mit Mediziner: Wie man die Hitze in Bonn am besten übersteht

Interview mit Mediziner : Wie man die Hitze in Bonn am besten übersteht

In den nächsten Tagen soll es in Bonn sehr heiß werden, mit tropischen Temperaturen in den Nächten. Tipps, wie man die Hitzetage am besten übersteht, hat der Mediziner Christian Strassburg verraten.

In den kommenden Tagen wird es heiß in Bonn. In der Nacht zu Samstag soll es tropisch warm werden. Professor Christian Strassburg ist seit 2012 Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I der UKB. Mit GA-Redakteur Thomas Leurs sprach er darüber, wie man die Hitzetage am besten übersteht.

Herr Strassburg, worauf sollte man an heißen Tagen achten?

Christian Strassburg: Was die Hitze erst einmal mit dem Körper macht, ist Flüssigkeitsverschiebung. Das heißt, man schwitzt mehr und auch die Gefäße erweitern sich. Wenn man jetzt keine Flüssigkeit hinzufügt, dann wirkt sich das auf verschiedene Dinge aus. Einmal verliert man Salze. Dadurch ist vor allem der Kreislauf betroffen. Es kann also sein, dass der Blutdruck sinkt und man Schwindel bekommt. Das andere sind direkte Einflüsse der Hitze, etwa durch die Sonneneinstrahlung. Also, wenn man etwa draußen körperliche Aktivitäten macht und seine Haut nicht schützt, dann kann es zu einem Hitzeschlag kommen. Und wenn man gewohnt ist, körperlich zu arbeiten und dann unter Wärme mit Erweiterung der Gefäße in der Haut und Flüssigkeitsmangel dasselbe Pensum macht, dann kann es sein, dass man sich gefährdet, weil der Kreislauf das nicht mitmacht.

Also, vor allem viel Wasser trinken und im Schatten aufhalten?

Strassburg: Ja, genau. Und keine großen körperlichen Aktivitäten in der Mittagshitze. Es sei denn, man ist trainiert und kann damit gut umgehen.

Professor Christian Strassburg vom Uniklinikum Bonn. Foto: UKB/Saba, Johann F.

Für die Nacht zu Samstag sind tropische Temperaturen angekündigt. Wie kann man das am besten überstehen?

Strassburg: Im Grunde muss man da nicht viel machen. Wenn Sie sich jetzt nicht gerade unter ein Federbett legen und exzessiv schwitzen. Am besten ist es, sich mit leichter Kleidung zu Bett begeben.

Können Sie gewisse Getränke empfehlen außer Leitungswasser?

Strassburg: Isotonische Getränke sind da zu empfehlen. Zum Beispiel alkoholfreies Weizen. Das enthält viele Elektrolyte. Alkoholische Getränke sind nicht zu empfehlen. Die sind eher kontraproduktiv.

Ist Alkohol also ein absolutes No-Go?

Strassburg: Ein absolutes No-Go ist es nicht, aber man sollte es in Maßen machen, weil man dann ohnehin mehr trinkt. Und Alkohol hat eine entsalzende Wirkung auf den Körper. Das führt dazu, dass man die Probleme, die man durch das Schwitzen und die Hitze hat, verstärken kann. Aber ein absolutes No-Go gibt es ja nie. Wenn Sie eine Weinschorle trinken, ist das wahrscheinlich nicht verkehrt; wenn Sie aber viel davon trinken, ist es nicht gut.

Manche wollen vielleicht am Wochenende eine Radtour am Rhein machen oder Sport treiben. Würden Sie bei heißen Temperaturen davon abraten?

Strassburg: Sie sollten gut trainiert sein und keine Vorerkrankungen haben. Bei Menschen mit Durchblutungsproblemen oder Schäden an Leber, Nieren oder Herz etwa, ist das eine extrem starke Belastung. Da ist das sicher nicht gut.

Sie sind gebürtig aus Hamburg und seit 2012 am UKB. Vermissen Sie manchmal die Nordwinde?

Strassburg: Wenn Sie vom Meer kommen, ist das schon was anderes (lacht). Das macht es für den Kreislauf leichter. Der Nachteil ist, dass man eher einen Sonnenbrand oder Sonnenstich bekommt, weil man bei Wind die direkte Sonneneinstrahlung nicht merkt.