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Wird Frankenbad-Sanierung verschoben?

Wird Frankenbad-Sanierung verschoben?

Bisher schien es beschlossene Sache zu sein: Ratsfraktionen, Bäderbeirat und Verwaltung wollten knapp 17 Millionen Euro in die Sanierung des Frankenbades investieren, obwohl Gutachter darauf hingewiesen hatten, dass die Attraktivität des Bades nicht größer werde.

Bonn. Bisher schien es beschlossene Sache zu sein: Ratsfraktionen, Bäderbeirat und Verwaltung wollten knapp 17 Millionen Euro in die Sanierung des Frankenbades investieren, obwohl Gutachter darauf hingewiesen hatten, dass die Attraktivität des Bades trotz der hohen Summe nicht größer werde.

Das Geld würde hauptsächlich in energetische Maßnahmen fließen, in Fassaden, Dach, Dämmung und den Gebäudekern des denkmalgeschützten Hallenbades. Mit mehr Besuchern sei danach nicht zu rechnen, so die Gutachter. Trotzdem sind im städtischen Etat für 2011 und 2012 insgesamt sechs Millionen Euro für die Planung und den Sanierungsbeginn vorgesehen.

Meinung Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Teurer Schlag ins Wasser"Doch jetzt treten der neue Sportdezernent Martin Schumacher und die Ratsmehrheit auf die Bremse. "Ich persönlich rege an, das Geld erst auszugeben, wenn die Gesamtanalyse des zu beauftragenden Bäderexperten vorliegt", sagt Schumacher. Eine Situation wie beim Melbbad, das zunächst saniert und dann zur Schließung vorgeschlagen wurde, möchte er vermeiden. Auch Schwarz-Grün will die Analyse abwarten."Das ist keine Absage an die Frankenbad-Sanierung", betonen Georg Fenninger (CDU) und Tom Schmidt (Grüne). "Wir brauchen aber eine Entscheidung, die innerhalb eines Gesamtkonzepts sinnvoll ist." Während die FDP das Frankenbad aus Kostengründen am liebsten schließen würde, hält die SPD an der Sanierung fest.

"Wir waren uns doch fraktionsübergreifend einig, dass dieses Innenstadtbad Priorität haben soll", mahnt Sozialdemokrat Peter Kox. Es hat die höchsten Besucherzahlen in Bonn (13 000 im Oktober 2010), aber auch den größten Zuschussbedarf: 880 000 Euro pro Jahr. Den Kostendeckungsgrad der zehn Bäder (unter 30 Prozent) hält Dezernent Schumacher für "nicht akzeptabel".

Da außerdem der Sanierungsstau bei 45 Millionen Euro liege, müsse die Stadt handeln. Das Sparziel von 700 000 Euro jährlich sei nur erreichbar, wenn Bäder geschlossen oder in andere Trägerschaft übergeben würden. Schumacher hofft, dass die Experten-Analyse bis Jahresende vorliegt und der Rat im Frühjahr 2012 einen Tendenzbeschluss fasst.

"Wir dürfen nicht jedes Jahr die gleiche Diskussion um Bäderschließungen führen. Wir schulden den Bürgern Klarheit." Schumacher will aber nicht nur sparen: "Meine Arbeitshypothese ist, dass es Bedarf für ein modernes Freizeitbad gibt." Dabei denke er nicht an die "quietschige Plastikwelt" eines Spaßbades, sondern an ein kombiniertes Hallen- und Freibad mit ansprechender Architektur in städtischer Trägerschaft.

"Das braucht Angebote für alle Altersklassen, vor allem aber Wellness, Gastronomie und Sauna." Besonders mit der Sauna sei Geld zu verdienen: "Manchmal muss man Geld investieren, um langfristig zu sparen." Der Dezernent denkt an den Umbau des Römer- oder des Hardtbergbades; die Standortfrage und den tatsächlichen Bedarf für ein solches Kombi-Bad sollen jedoch die beauftragten Experten bewerten.