1. Bonn

Prozess in Bonn: Zwei Brüder mit sträflicher Neigung

Prozess in Bonn : Zwei Brüder mit sträflicher Neigung

Ihre sträfliche Beziehung zu Kindern bringt zwei Brüder immer wieder vor Gericht: Der eine lockte via Internet als Modelfotograf junge Mädchen in seine Fänge und missbrauchte sie. Dafür wurde der 47-Jährige im Juni 2013 vom Bonner Landgericht zu einer noch nicht rechtskräftigen Strafe von viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

Seit Mittwoch steht er wegen eines weiteren Falls erneut vor der Bonner Jugendschutzkammer. Und sein 53-Jähriger Bruder landet seit Jahren immer wieder auf der Anklagebank, weil bei ihm Kinderpornos gefunden werden. Wie bekannt wurde, stand der 53-jährige Übersetzer aus Bonn erst kürzlich wieder vor dem Bonner Amtsgericht und wurde zu neun Monaten Haft verurteilt - erstmals ohne Bewährung. Das bestätigte gestern ein Gerichtssprecher.

Es war das vierte Mal, dass der 53-jährige Bonner auffiel, weil die Ermittler bei ihm Hunderte von Bildern und ein Video mit Kinderpornografie fanden. Die Durchsuchung war bei ihm am 19. Juli 2012 vorgenommen worden im Rahmen der Ermittlungen gegen seinen Bruder wegen sexuellen Missbrauchs.

Vor Gericht legte der 53-Jährige dem Gerichtssprecher zufolge ein Geständnis ab und erklärte den Besitz der Kinderpornos damit, dass er die Bilder "so schön" fände. Die Gefängnisstrafe hat er indes nicht akzeptiert und Berufung eingelegt. Wie auch die Bonner Staatsanwaltschaft, der die Strafe zu niedrig ist. Nun kann eine Berufungskammer den 53-Jährigen auch zu einer höheren Strafe verurteilen.

Sein Bruder, der gegen seine Verurteilung ebenfalls Rechtsmittel eingelegt hat, beklagte sich gestern vor der 1. Großen Bonner Strafkammer darüber, dass er im Gefängnis keinen Laptop mit Zugang zum Internet benutzen dürfe. Doch Kammervorsitzender Hinrich de Vries hielt ihm nur entgegen: "Wehklagen ist überflüssig. Es ist, wie es ist."

Außerdem beschwerte sich der Angeklagte darüber, dass der neue Fall der 13-Jährigen nicht im Prozess im vergangenen Jahr mitverhandelt worden sei und sein Anwalt zu spät alle Unterlagen erhalten habe. Laut Anklage missbrauchte er das Mädchen, das wie seine anderen Opfer von einer Modelkarriere geträumt hatte, fertigte davon Fotos und Filme an und verbreitete sie im Internet. Der Prozess wird fortgesetzt.