Vom Gelände der AKNZ in Ahrweiler Containerdorf zieht nach Sankt Augustin um

AHRWEILER · Etwa 50 zuvor für Flüchtlinge genutzte Betonunterkünfte rollen zurzeit von Ahrweiler nach Sankt Augustin. Die dortige Bundespolizei will die Behausungen vom Land Rheinland-Pfalz übernehmen.

50 Betonunterkünfte werden vom Akademiegelände wegtransportiert. Sie werden künftig von der Bundespolizei genutzt.

50 Betonunterkünfte werden vom Akademiegelände wegtransportiert. Sie werden künftig von der Bundespolizei genutzt.

Foto: Martin Gausmann

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016 boten die „Shelter“ auf dem Gelände der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) mehr als 300 Migranten und Asylsuchenden zumindest vorübergehend ein Dach über dem Kopf. Nun wurden die winter- und wetterfesten Unterkünfte aus Beton wieder abtransportiert. Die Bundespolizei in Sankt Augustin will die Behausungen vom Land Rheinland-Pfalz übernehmen.

Die Betonshelter – was soviel wie Schutz, Obdach oder Zuflucht bedeutet – waren seinerzeit vom Land beschafft worden, da die Städte und Gemeinden kaum mehr Möglichkeiten sahen, die ihnen zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen. Die kleinen Häuschen sind dank ihrer Isolierung winterfest, schnell zu montieren und nach Montage sofort benutzbar. Fenster und Türen sind beliebig wählbar, was bei der Aufstellung für Flexibilität sorgt. Zudem sind die Bauten sehr robust und können problemlos rückgebaut werden.

Gut 50 derartige rund 15 Quadratmeter große, mit je drei Doppelstockbetten ausstaffierte Shelter wurden auf dem weitläufigen AKNZ-Areal aufgebaut, mehr als 300 Flüchtlinge fanden dort vorübergehend eine Bleibe. Nachdem die Balkanroute geschlossen wurde und das EU-Türkei-Abkommen geschlossen sowie weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Zuwanderungszahlen getroffen waren, ging auch die Zahl der Ankömmlinge in Ahrweiler stark zurück. Längst sprießt das Unkraut auf den Wegen. Mit Speziallastern werden derzeit die schmucklosen Unterkünfte abtransportiert.

Akademie bundesweit bekannt

„Lange war unklar, was mit den verwaisten Sheltern geschehen soll“, so Akademieleiter Thomas Mitschke. Sein Akademiebetrieb war von den Flüchtlingsankünften nicht gestört worden. Dennoch ist es nun auf dem Akademiegelände ruhiger geworden. 10.000 Kurs- und Seminarteilnehmer lassen sich dort alljährlich in Sachen Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement ausbilden.

85 Mitarbeiter sind in der AKNZ beschäftigt. Die bundesweit bekannte Akademie ist eine zum Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gehörende Aus- und Weiterbildungseinrichtung. Feuerwehren, Rettungsdienste oder auch das Technische Hilfswerke lassen sich dort aus- und weiterbilden, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Spezialisiert hat man sich in Ahrweiler insbesondere auf die theoretische und praktische Qualifizierung von Führungs- und Lehrkräften des Zivil- und Katastrophenschutzes sowie der Planung, Durchführung und Auswertung von Studien und Forschungsprojekten in diesem Bereich.

Darüber hinaus gehören einige spezielle Einrichtungen für Übungszwecke zur Ausstattung der AKNZ. Beispielsweise die „Trümmerstraße“. Auf dieser etwa 200 Meter langen, mit Trümmern übersäten Straße werden Suchhunde ausgebildet. Auch Einsatzfahrzeuge können dort üben, wie man sich in schwer zugänglichem Gelände bewegt.

Auch international ist die AKNZ tätig. Derzeit werden Projekte in der Ukraine und in Tunesien betreut. Selbsthilfe und Selbstschutz sollen dort vermittelt werden, wie Mitschke erklärte. Er ist seit 2011 Leiter der Akademie.

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