Bad Breisig Der leidenschaftliche Maler stellt bekannte Meisterwerke in völlig neue Zusammenhänge

BAD BREISIG · Sven Schalenberg führt überzeugend vor, dass die figurative Malerei Auge und Kopf unendlich viel zu bieten hat. Ein Konservativer im besten Sinne, zeigt er im Jugend- und Kulturbahnhof mit "Tabula Pintura", also Tafelmalerei, wie spannend er die klassische Ölmalerei auf Holz umsetzt und wie unter seinem Zugriff bekannte Werke der Kunstgeschichte aufregend neue Bedeutungen erfahren.

 Sven Schalenberg, der Künstler, und "sein Hase".

Sven Schalenberg, der Künstler, und "sein Hase".

Foto: Gausmann

Von Bürgermeister Bernd Weidenbach begrüßt und Carsten Siebert, freier Kurator in Frankfurt, trefflich eingeführt, begegneten die Vernissagegäste Schalenbergs technisch wie innovativ eindrucksvoller Bilderwelt. Der in Bad Breisig aufgewachsene und bei Mainz lebende, studierte Künstler interpretiert auf Malgründen, die er ankokelt, Motive alter und zeitgenössischer Meister.

Auf roter Fläche und vor brandschwarzen Pfosten wird Dürers berühmter Hase so zur bedrängten Kreatur und Lucas Cranachs Paradies mit Venus und Amor gerinnt zum apokalyptischen Szenario. Auch den kauzigen Sonderlingen, die Spitzweg einst liebevoll-spöttisch festhielt, entzieht Schalenberg den malerischen Schutz: Sein Sonntagsjäger hockt verdutzt und von Rauch umzingelt im Gesträuch.

Maya, die Bartholomäus Spranger im seinem Bild durch Gott Vulcanus bedrängte, sieht man nun bei gleicher windender Körperhaltung gespreizt auf glühender Magma tänzeln. Und welcher Einbruch in die schwüle Idylle, wenn über Francois Bouchers delikat auf der Chaiselongue liegendem Mädchen die Tapete Brandblasen wirft.

Ohne Frage erzeugt der Maler mit verkohlten, weggebrannten und ausgebrochenen Formaträndern spektakuläre Bildwirkung. Doch die erschöpft sich nie in Effekten, ist immer malerisch und inhaltlich verpflichtet. Dem Romantiker Friedrich ging es um die Bedrohung durch die Natur.

Schalenberg aber dreht den Spieß einfach um. Über seinem schwarz-braun knisternden Bildsaum beginnt das Eis zu schmelzen, kündet von Treibhauseffekt und Klimawandel, so wie die durch Glut und Feuer bedrohten Akte auf die Verletzlichkeit allen Seins verweisen. Dass der Maler um seine Kunstfertigkeit und sein innovatives Potential weiß, davon zeugen nicht zuletzt seine Varianten von Gerhard Richters prominentem Werk "Betty". Er gab ihnen selbstbewusst-ironisch den Untertitel: "Gerhard, Achtung, der Schalenberg kommt.

Die Ausstellung ist bis 17. März, freitags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

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