Abtei Maria Laach Der "Rara-Raum" birgt Originalschriften aus dem Mittelalter

MARIA LAACH · Das also soll sie sein, die ehemalige "Rumpelkammer" des Klosters Maria Laach? Bei aller Phantasie fällt die Vorstellung schwer. Ein akkurates Regalsystem flankiert den blitzsauberen Gang, eine Klimaanlage arbeitet auf Hochtouren, und jeglichen Ansatz einer Unordnung sucht der Besucher hier vergebens.

Vor zwei Jahren ist das Magazin im ehemaligen Kuhstall eingeweiht worden, auf insgesamt 1000 Quadratmeter verteilen sich jetzt 200 000 Bücher.

Konstante 18 Grad Celsius und 45 Prozent Luftfeuchte - das sind die Bedingungen, auf die im so genannten Rara-Raum im ersten Stock penibel geachtet wird. Hier sind die "Rara" des Klosters untergebracht, die "Seltenen". Fragmente von Originalhandschriften aus dem achten Jahrhundert gehören ebenso zu den "Schätzchen" wie Bücher aus dem 16. Jahrhundert.

Besonders stolz ist Bibliothekarin Mechthild Langenbahn etwa auf ein um 1500 entstandenes Kapitelsbuch. Es enthält ein Martyrologium, die Benediktsregel sowie den Laacher Nekrolog: Die Handschrift diente dem gedenken an die Heiligen und die mit dem Kloster Verstorbenen an ihrem Todestag und spielt heute eine wichtige Rolle im Ritus, mit dem ein Mönch die ewige Profess ablegt.

Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Magazinraum. Hier hat neben Werk- und Editionsausgaben auch ein bibliografischer Apparat seinen neuen Platz gefunden. Ein großer Teil der Magazinfläche bleibt aber vorläufig leer und soll dem weiteren Wachstum des Buchbestandes in den nächsten Jahrzehnten dienen. Und Zuwachs gibt es genug. "Wir stellen noch immer jährlich rund 2 000 Bücher ein", erzählt Mechthild Langenbahn.

Während die Bibliothekarin manche Bücher eigens beschafft, finden immer wieder auch mächtige Bücherspenden oder Nachlässe den Weg zu ihr. Gleich mehrere hundert Regalmeter wechselten erst kürzlich innerhalb der Klostermauern ihren Standort - als Pater Ludger, ein arrivierter Orientalist, seine Privatbibliothek auflöste.

An Mechthild Langenbahn ist es dann, die Schenkungen zu sichten. Viele Werke sind bereits präsent, sodass die Bibliothek einen eigenen "Doublettenraum" eingerichtet hat. Weiterhin befinden sich im Erdgeschoss verschiedene Arbeitsräume, die Bibliotheksverwaltung und ein Lesesaal. Leihgaben sind durchaus möglich, jedoch gibt es keine Öffnungszeiten.

Um die Statik des Stallgebäudes nicht zu überfordern, wurden die Außenfassade umfangreich und aufwändig erneuert sowie ein neues Tragsystem aus Beton errichtet. 2,3 Millionen Euro kostete der Umbau, rund 1,2 Millionen Euro brachte die Abtei selbst auf.