Angeklagter verteidigte sich selbst Ehemann nach massiven Drohungen zu Geldstrafe verurteilt

AHRWEILER/GRAFSCHAFT · 18 Jahre lang hat ein Grafschafter Ehepaar ein harmonisches Leben geführt. Dann stellten sich offenbar finanzielle Probleme ein. Das Paar geriet zunehmend unter Druck.

Mit der Harmonie war es bald vorbei, im Juni vergangenen Jahres eskalierte die Situation. Der offensichtlich als cholerisch und jähzornig geltende Familienvater bedrohte und beleidigte seine Frau, drohte das gemeinsame Haus "abzufackeln", alles "kurz und klein zu schlagen" oder gar "in die Luft zu jagen". Wegen Beleidigung, Bedrohung und Nötigung hat das Ahrweiler Strafgericht den 53-Jährigen jetzt zu einer Geldstrafe in Höhe von 1100 Euro verurteilt.

Dabei hatte es auch das Gericht vorgezogen, dem zweifelhaften Ruf, der dem Angeklagten vorauseilt, Rechnung zu tragen. Es hatte angeordnet, den Mann vor Betreten des Gerichtssaales einer Leibesvisitation zu unterziehen. Der Ehestreit eskalierte, als der Angeklagte eines Abends feststellte, dass seine Frau ihr Motorrad weggebracht hatte.

So habe sie verhindern wollen, dass er es zu Geld machen könnte. Als sie sich weigerte, ihm zu sagen, wo das Gefährt sei, schmiss er ihr mehrere Wasserflaschen vor die Füße. Anschließend holte er aus der Garage einen mit 20 Liter Benzin gefüllten Kanister und drohte "das Haus abzufackeln". Daraufhin erwirkte die Ehefrau im Zuge des Gewaltschutzes eine Einstweilige Verfügung.

Als ein Gerichtsvollzieher das Dokument überbrachte, entgegnete er seiner Ehefrau "Du bist tot" und forderte sie auf, bis zum Abend desselben Tages eine Person zu finden, die seinen Anteil an der Hypothek des gemeinsamen Hauses in Höhe von 100.000 Euro übernehme. Gelinge ihr das nicht, würde er beginnen, "das Haus zu renovieren".

Tatsächlich begann der Angeklagte am Abend, in der Küche die Fliesen von der Wand und die Zargen aus den Türrahmen schlagen. Erst die alarmierte Polizei hat größeren Schaden verhindern können. Tage später schmiss er aus Protest kartonweise private Unterlagen, die für das Finanzamt bestimmt waren, in den Vorgarten. Seiner Familie drohte er, dass sie ihr blaues Wunder erleben werde. Denn er werde den Gastank in die Luft jagen.

Die Staatsanwaltschaft sprach von Kurzschlussreaktionen, zu dem sich der unter enormem Druck stehende Angeklagte habe hinreißen lassen. Nach dem Urteilsspruch beschimpfte der Mann, der im Zuge seiner privaten Probleme auch seinen Job als Versicherungskaufmann verloren hat und seit gestern von Hartz IV leben muss, seine Familie erneut. Aus finanziellen Gründen hatte der 53-Jährige seine Verteidigung selbst übernommen. Er hatte Freispruch gefordert.

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