Akademie in Ahrweiler: Einweihung mit vier Jahren Verspätung

Akademie in Ahrweiler : Einweihung mit vier Jahren Verspätung

Das Konferenz- und Kantinengebäude der Ahrweiler Akademie soll seinen Betrieb im Herbst aufnehmen. Neun-Millionen-Projekt verzögerte sich immer wieder.

Das letzte Kapitel der fast unendlichen Baugeschichte des Konferenz- und Kantinengebäudes der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler scheint aufgeschlagen.Verspäteter Baubeginn, geplatzter Spatenstich, verschobenes Richtfest und eine Fertigstellung in 2017 statt in 2013: Akademieleiter Thomas Mitschke und Wahid Samimy, Sprecher des Bonner Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), nannten am Dienstag jedoch konkrete Termine. Auch wenn das Amt für Bundesbau (ABB) des Landes Rheinland-Pfalz eine Begehung des Neubaus kurzfristig absagte.

So erfolgt am 21. Juli die Übergabe des Gebäudes durch das ABB an das BBK als Nutzer. Die Eröffnungsfeier des rund neun Millionen Euro teuren Zweckbaus ist dann für den 27. Oktober vorgesehen. Bis zum Jahresende sollen das alte Gebäude abgebaut, die Außenanlage fertiggestellt und die Pförtnerloge rückgebaut sein.

Dass Mitschke fest davon ausgeht, dass daran nicht mehr gerüttelt wird, zeigt auch die Terminierung des ersten Kongresses im neuen Gebäude, das 150 Teilnehmern Platz bietet: Vom 29. November bis zum 1. Dezember findet der AKNZ-Fachkongress mit dem gerade im Kontext der Flüchtlingskrise hochaktuellen Thema des „Betreuungswesens im Bevölkerungsschutz“ statt. Womit der Zivilschutz-Experte Thomas Mitschke, der nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt auch am Nachbereitungskongress für die Berliner Feuerwehr teilnahm, den Blick zurück warf.

Auf das Frühjahr 2016, „in dem unser vom DRK betreuten Erstaufnahme-Flüchtlingsdorf vom Land wegen rückläufiger Zahlen frühzeitig geschlossen wurde“. Auf die rund 10 000 Teilnehmer, die sich in Fragen zum Bevölkerungsschutz bis in die Führungsebene hinauf von 80 Mitarbeitern und Dozenten schulen ließen. Auf regionale Ereignisse wie den Starkregen im Juni 2016, „bei dem wir in Absprache mit dem Kreis die Türen weit öffneten – egal ob für Lagebesprechungen oder zum Befüllen von Sandsäcken“.

Auf die vom Bundesinnenministerium gebilligte und verabschiedete „Bildungsstrategie 2025“ der zertifizierten Bildungseinrichtung AKNZ mit der Bedeutung der pädagogischen Vermittlung von Inhalten an junge Leute, „die so realitätsnah wie möglich in Krisen einen guten Job machen müssen“. Und er verwies auf die Öffnung der Akademie für Bürger mit einer ersten Ausstellung, um Kultur als „Transmissionsriemen“ zu nutzen – nach dem Motto „Aus der Region für die Region“.

Sicherheit auch hier ein Top-Thema

Der Blick in die Zukunft zeigt, dass das Kulturprogramm weiter fortgeschrieben wird. So sind beim Fachkongress Ende November die beeindruckenden Bilder eines Fotografen zu sehen, der Einsatzkräfte begleitet hat. Hinzu kommt ein Konzert, für 2018 könnte auch eine Teilnahme an den Ahrweiler Freiheitswochen denkbar sein.

Mitschke ging aber auch darauf ein, was die Bevölkerungsschützer derzeit bewegt: „Die schwierige sicherheitspolitische Lage, auch die Terrorgefahr, wirkt sich extrem aus. Die eigene Bedrohung ist in der 'Community' das Top-Thema. Wir wissen, dass der Eigenschutz oberste Priorität hat, aber Helfer, die selbst in Gefahr geraten, sind in einer schwierigen psychologischen Situation.

Wir müssen der Bevölkerung klar machen, was die Helfer leisten und liefern hier die Plattform zum Austausch.“ Daher werde sich der Fachkongress 2018 mit der taktischen Bedrohungslage auseinandersetzen. Deutlich mehr werde man sich in unsicheren Zeiten auch wieder mit dem Konzept „Zivile Verteidigung“ auseinandersetzen.

Zum Abschluss erläuterte Mitschke auch die internationalen Aktivitäten seiner Akademie. Dozenten reisen nach Jordanien, Polen, Griechenland und China, um dort in Sachen Krisenmanagement zu schulen. „Wir transportieren deutsches Know-how in diese Staaten. So hat einer unserer Dozenten Risikoanalysen in China erstellt, die jetzt in den Provinzen angewandt werden. Wir sind also im positiven Sinne Botschafter und Helfer im Bevölkerungsschutz. Miteinander zu reden und Wissen zu transportieren, ist allemal besser als diplomatische Eiszeiten.“