Deutsche Meisterschaft Ferngesteuerte Rennwagen starten in Bad Breisig

BAD BREISIG · Die Formel 1 ist zurück im Kreis Ahrweiler. Nicht auf dem Nürburgring, sondern im Bad Breisiger Motodrom – und alles etwas kleiner. Seit Donnerstag läuft das Training für die Deutsche Meisterschaft für ferngesteuerte Rennwagen.

 Startaufstellung im Bad Breisiger Motodrom: Am heutigen Samstag steigt das Qualifiyng, am Sonntag geht es für die kleinen Flitzer ins Finale.

Startaufstellung im Bad Breisiger Motodrom: Am heutigen Samstag steigt das Qualifiyng, am Sonntag geht es für die kleinen Flitzer ins Finale.

Foto: MCC

Die Formel 1 ist zurück im Kreis Ahrweiler. Nicht auf dem Nürburgring, sondern im Bad Breisiger Motodrom – und alles etwas kleiner. Seit Donnerstag läuft das Training für die Deutsche Meisterschaft für ferngesteuerte Rennwagen im Maßstab 1:8 auf der Bahn im Gewerbegebiet Goldene Meile.

Ausrichter ist der Modell-Car-Club (MCC) Rhein-Ahr um den Sinziger Reinhard Treutler sowie seine Vorstandskollegen Thomas Staab und Torsten Förster. 75 Piloten aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Ausland sind mit ihren kleinen Boliden am Start. Und die geben auf der 254 Meter langen Rundstrecke mit elf Kurven richtig Gummi. „Von null auf Tempo 100 in nur 1,7 Sekunden, das hat schon was“, sagt Uwe Baldes.Der 54-Jährige aus Adenau ist Referent des in fünf Sektoren eingeteilten deutschen Dachverbandes, konkret für die Region West, und hat damit seine Hausstrecke in Bad Breisig, auf der die DM zuletzt 2011 ausgetragen wurde.

Tempo 120 ist möglich

Beim Training geriet der Mann mit der grünen Weste im Gespräch mit dem General-Anzeiger ins Schwärmen: „Die zweieinhalb Kilo leichten Flitzer schaffen leicht Tempo 120. Und die Anhaftung auf der Asphaltstrecke ist so groß, dass sie bei Tempo 100 quasi unter der Zimmerdecke fahren könnten.“ Auch deshalb gelten die Mini-Boliden als die Formel 1 des Modellrennsports. Für die eindrucksvollen Werte sorgen Verbrennungsmotoren mit 3,5 Kubikzentimetern Hubraum, die bei bis zu 48 000 Umdrehungen pro Minute mehr als zweieinhalb PS leisten.

Da ist richtig Musik drin, was an der Piste gegenüber der alten Glasfabrik auch deutlich zu hören ist. Nur Ohrstöpsel wie bei der echten Formel 1, die braucht der Besucher nicht unbedingt. Und Eintritt nehmen die Veranstalter erst recht nicht. So gibt es atemberaubende Duelle der aerodynamisch ausgefeilten Karossen im Stil der Le-Mans-Prototypen gratis zu sehen, inklusive Karambolagen, Überschlägen und Fahrten ins „Kiesbett“. Fast wie im echten Leben, eben nur ohne Verletzte. Und auch die Gefährte sind deutlich robuster als ihre großen Pendants. Ein Handgriff nach dem Überschlag, und das Rennen geht weiter.

Erfahrene Piloten

Die Piloten stehen dabei übrigens auf einer Empore an der Piste, in der Boxengasse die Mechaniker – Freunde, Söhne, Brüder, Ehefrauen, Freundinnen. Alle haben Methanol im Blut, sorgen beim Boxenstopps für neue Reifen und neuen Sprit in den 125 Milliliter fassenden Tanks. Und erklären so ganz nebenbei dem Interessierten, wie die kleine Startbox den Motor per Schwungrad anwirft.

„Für die Piloten ist Konzentration alles“, sagt Baldes. „Denn während die Renner im Training acht Minuten unterwegs sind, sind es im Finale am Sonntag satte 45 Minuten.“ Es ist reines Gehirnjogging, was die Fahrer auf dem Parcours absolvieren. Denn kommt ihnen der eigene Wagen entgegen, wird aus Rechtslenken auf einmal links und schon in der nächsten Kurve geht's andersrum. „Üben, üben, üben“, sagte Baldes dazu. Er muss es wissen. Der Adenauer hat vier Deutsche Meister-Titel, war 2003 Vierter bei der Weltmeisterschaft in Cincinnati/USA. Denn auch die Piloten der RC Cars (RC steht für radio controlled, also ferngesteuert) haben so etwas wie ihren eigenen Formel 1-Zirkus, touren zu Europameisterschaften oder eben Weltmeisterschaften wie Baldes mit seinem Bruder Jörg zuletzt 2010 nach Houston/Texas.

Ein Hobby, in dem es auch Profis gibt. Wie den vierfachen Weltmeister Marc Rheinard aus Andernach, der allerdings nicht auf Verbrennungsmotor setzt, sondern in der Elektroklasse mit Akku fährt. „Da sind wir deutlich weiter als die Automobilindustrie“, sagt Baldes. Wer sich davon überzeugen will, der kann die 30 Mitglieder des MCC in der Halle der ehemaligen Möbelfabrik in Leimbach besuchen. Dort starten nur E-Flitzer auf der 111 Meter langen Teppich-Piste. „Ideal fürs Wintertraining, aber auch für den Nachwuchs“, sagt Baldes. Interessenten können dort mit vereinseigenen Flitzern ihre Eignung testen.

Reifenwechsel nach 17 Minuten

„Rund 1500 Euro kostet ein Rennmodell mit Verbrennungsmotor, gebraucht wird's billiger“, schränkt Baldes ein, dass seine Randsportart, die bundesweit immerhin 5000 Fahrer mit Lizenz des Verbandes hat, nicht ganz so preiswert ist wie Minigolf. Denn wenn beim Finale gleich zwei Reifenwechsel binnen 45 Minuten fällig sind, dann macht das allein 17 Euro pro Satz aus. Zum Fahren komme aber auch der Spaß am Basteln. Alu, Titan, Keramik, alles ist in den kleinen Boliden verarbeitet. Und gewartet werden sie wie ihre großen Gegenstücke.

In Bad Breisig ist der MCC mit vier Lokalmatadoren am Start. Die Adenauer Uwe Baldes und Bruder Jürgen (48) rechnen sich ebenso Chancen aus, ins Finale zu kommen wie der Bad Breisiger Jürgen Jungklaus (57) und der 20-jährige Philipp Römer aus Schuld, der schon seit fünf Jahren an der Piste sein Zuhause hat.

Weltweite Berichterstattung

Der 2004 gegründete MCC Rhein-Ahr, der bereits etliche nationale Wettbewerbe in unterschiedlichen Kategorien ausgerichtet hat, hat sich intensiv auf die Deutsche Meisterschaft vorbereitet. „Wir wollen einen reibungslosen Ablauf und dass sich alle Teilnehmer, Gäste und Zuschauer wohlfühlen“, sagt Reinhard Treutler. Zwei Rennleiter, zwei Zeitnehmer, ein Schiedsrichter und ein dreiköpfiges Team in der Technischen Abnahme sollen den reibungslosen Ablauf gewährleisten.

Richtig ernst wird es am Samstag mit den Qualifikationsläufen und am Sonntag mit den Finalrennen, die täglich ab 9 Uhr zu sehen sind. Alle Ergebnisse können dank Live-Timing (myrcm.ch) weltweit im Internet verfolgt werden, das Web-Magazin BRCnews.net berichtet im Liveticker direkt aus Bad Breisig. Vor Ort werden Zuschauer und Teilnehmer über eine neue, gut drei Meter hoch Anzeigetafel über die aktuellen Ergebnisse informiert.

Infos über den Modell-Car-Club Rhein-Ahr gibt es unter www.mcc-rhein-ahr.de

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