Hilfe in Notsituationen: Frauenzentrum erweitert Beratung auf virtuelle Weise

Hilfe in Notsituationen : Frauenzentrum erweitert Beratung auf virtuelle Weise

Neben der persönlichen und telefonischen Beratung erteilen die Expertinnen in Bad Honnef nun auch online Hilfe.

orona wirkte als Beschleuniger: Das Frauenzentrum eröffnet am 1. September eine Online-Beratungsstelle. Jacqueline Michal vom Beraterteam: „Damit wird ein neuer kostenloser Zugang für die Beratung von Frauen und Mädchen ab 16 Jahren geschaffen, die Belastungen, Krise oder Gewalt erfahren.“

„Im Herbst 2020 haben wir den Entschluss gefasst, aber wir brauchten dazu selbstverständlich ein gesichertes Verfahren, eine Online-Beratung ist etwas anderes, als auf eine Mail zu antworten“, erläutert Michal die Zeitspanne zwischen Idee und Umsetzung. Der Aufbau einer Homepage mit eigenem Zugangsverfahren wurde initiiert über Asisto-Web initiiert. Die Beratung ist zertifiziert. Das Team des Frauenzentrums machte eine Fortbildung.

„In Corona-Zeiten haben wir viel über Mail kommuniziert“, so Michal. „Vor allem, aber nicht nur in Corona-Zeiten ist die Online-Beratung ein wichtiges zusätzliches Angebot neben der persönlichen und telefonischen Beratung“, erläuterte Michal, die berichtete, dass sie in Corona-Zeiten mit Ratsuchenden auch Spaziergänge am Rhein unternommen hat.

Ihre Kollegin Christine Hütten: „Die Online-Beratung umfasst ein gesichertes, datengeschütztes Mail- und Chatverfahren durch qualifizierte und zertifizierte Online-Beraterinnen des Frauenzentrums. Klientinnen können Termine für die Chatberatung ab dem 1. September direkt auf der Seite online buchen.“

Das Frauenzentrum hofft, mit dem Angebot insbesondere jüngere Frauen zu erreichen und auch jene, die aufgrund einer weiteren Entfernung weniger persönliche Beratung in Anspruch nehmen können. Anouk Sterr: „Die Online-Beratung ermöglicht eine niedrigschwellige, direkte und kurzfristige Anfrage der Ratsuchenden über Handy, Tablet oder Laptop. Es erfordert ja Mut, sich zu einer Beratung zu melden.“

Darüber hinaus nannte Christine Hütten einen Nebeneffekt: „Manchmal ist es leichter für sie, über schwierige Erlebnisse zu schreiben als zu sprechen.“ Zumal: Die Frauen können dabei anonym bleiben, wenn sie es möchten. Die Er-
fahrung des Teams: „Bei jugendlichen Partnerschaften kommt es genauso zu Gewalt wie bei älteren Partnerschaften.“

Wie funktioniert nun die Online-Beratung? Über den QR-Code oder über den Browserlink gelangen Ratsuchende direkt auf die Seite der virtuellen Beratungsstelle. Dort können sie nach einer kurzen Registrierung Mail- oder Chatberatung durch eine Fachberaterin in Anspruch nehmen, die vom ersten Kontakt an nach DSGVO-Kriterien datengeschützt ist.

Bei der Chatberatung ist sowohl das Format der Einzelberatung – der Termin dauert jeweils 15 oder 45 Minuten – als auch das Format des Gruppenchats buchbar. Im Gegensatz zur Mail-Beratung verläuft die Chatberatung in Echtzeit, also synchron. Michal: „Die Interessentinnen können selbst bestimmen, wann und in welchen Abständen sie mit der Beraterin in Kontakt treten möchten. Häufig klären sich Anfragen schon nach einem Kontakt, es kann aber auch ein längerer Mail- oder Chatkontakt entstehen.“ Der Vorteil der Chatberatung – sie kann von überall aus geschehen. Jacqueline Michal: „Die Frau könnte auch in der Straßenbahn sitzen und sich mit uns über ihre Sorgen per Chat austauschen.“ Und die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums können auch im Homeoffice beraten. Das neue Format soll also neue Möglichkeiten eröffnen – die persönliche Beratung und nach Corona auch die Gruppenarbeit im Frauenzentrum soll selbstverständlich erhalten bleiben.