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Bonn/Region: Auf diesen Burgen am Rheinufer kann man übernachten

Kurzurlaub am Rheinufer : Auf diesen Burgen kann man in Bonn und Umgebung übernachten

Nirgendwo sonst thronen mehr Burgen als an den Rheinufern zwischen Bingen und Bonn. Auf der ein oder anderen Festung kann man als Burgherr oder Burgfräulein für eine Nacht logieren. Die Angebote im Überblick finden Sie hier.

Falko Hönisch hat das Wesentliche stets im Blick. Das Wesentliche ist im Zwergstädtchen St. Goar die Burgruine Rheinfels. Wie der Name schon sagt, thront die Wehranlage zwischen vielversprechenden Weinhängen auf einem Bergrücken über Stadt und Strom. Nach der Festung Ehrenbreitstein war sie die zweitgrößte Burg am Mittelrhein – 1245 erbaut um den Rheinschiffern ordentlich Zoll abzuknöpfen.

Nachdem ein Heer des Rheinischen Städtebundes kurz darauf die Belagerung verpatzt, gilt Rheinfels als uneinnehmbar. Erst Lieutenant-général Comte de Tallard möchte das im Dezember 1692 für Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. endlich ändern. Doch der St. Goarer Drechslermeister Johann Kretsch schießt Tallard mit einem Doppelhaken aus 200 Metern Entfernung vom Turm der Stiftskirche aus vom Pferd. Der resolute Handwerker hat kurzerhand auf den Mann mit dem höchsten Federbusch gezielt.

In St. Goar weiß man sich zu wehren. Doch gegen die neuen Burgherren scheint jahrzehntelang kein Mittel zur Hand. Schließlich hat 1843 der spätere Kaiser Wilhelm I. die Ruine gekauft. Ein Umbau zum Zuckerbäckerschloss ist lediglich am Geld gescheitert. Wilhelms Nachfahre Georg Friedrich Prinz von Preußen sieht im 21. Jahrhundert die aus seiner Sicht einem unerlaubten Verkauf gleichkommende Erbpacht für das Hotel auf dem Burggelände als Einfallstor, die 1925 an die Stadt übergebene Burg zurückzufordern. Jahrelang wird prozessiert. Es braucht einen neuen Tollkühnen, um den Knoten zu lösen.

Die Schönburg von Oberwesel hat einen englischen Landschaftgarten. Foto: Martin Wein

Hier kommt Falko Hönisch ins Spiel. Der Kapitänssohn aus Stade ist als freier Opernsänger mit seinem Partner vor wenigen Jahren in die Stadt gezogen und hat eine Musikakademie gegründet. 2019 wählen die knapp 2800 Einwohner den 42-Jährigen nach 20 Jahren CDU-Dominanz auf einem SPD-Ticket zum Bürgermeister.

Hönisch lässt sein Büro rot anstreichen und als Galerie heimischer Kunst gestalten. Und er trifft unbekümmert Herrn von Preußen bzw. dessen Rechtsbeistand. Im Frühjahr 2020 gelingt ein Vergleich. „Die Burg gehört nun unwiderruflich der Stadt“, freut sich Hönisch am Konzertflügel in seinem Büro sitzend. Dafür fließe künftig ein Euro von jedem Ticket an die Kira-von-Preußen-Stiftung und solle lokaler Jugendarbeit zugutekommen. 50 000 Euro für Soziales im Jahr, die der Kommune niemand streitig machen kann. „Jetzt können wir endlich auch die dringend nötige Sanierung starten“, reibt sich Hönisch die Hände. Die Burg will er zum Kern für ein neues Tourismuskonzept machen – mit viel Kultur.

Auch auf dem Bergsporn selbst ist die Erleichterung spürbar. Matthias Golze hat zu Jahresbeginn zusammen mit seinem Labrador-Rüden Dexter die Direktion des Burghotels übernommen. Auch Golze hat Pläne. Einen Stollen im Fels hat er schon zur urigen Tabaklounge umgestaltet. In der Sauna wippt eine Hollywoodschaukel und die unvergleichliche Panorama-Terrasse mit Blick auf die Loreley hat gerade neues Mobiliar bekommen.

Mit viel Liebe restauriert und ausstaffiert: Das Kaminzimmer auf der Schönburg in Oberwesel. Foto: Martin Wein

Die Gäste schlafen natürlich in Himmelbetten. „Das erwarten wirklich alle von einem Schlosshotel“, lacht Golze. In diesem Jahr dürfte das Ambiente ohne Reisegruppen aus USA und Fernost sogar besonders friedlich wirken.

Zur Schönburg in Oberwesel – ein paar Kilometer stromaufwärts – haben US-Bürger ein noch innigeres Verhältnis. Schließlich war es ihr Landsmann T. I. Oakley Rhinelander, der ab 1885 die Ruine der ritterlichen Wohnburg aus dem 12. Jahrhundert kaufte und restaurieren ließ. Seine Vorfahren hatten unter anderem das Gelände der heutigen Wall Street in New York besessen und mit dem Verkauf Millionen gemacht.

Foto: Martin Wein

Vor allem aber Hans Hüttl und seine Frau Maria haben die die von der Stadt erworbene Burg als Erbpächter wieder im alten Stil aufgebaut. Bescheiden sind sie 1957 ins einzige bewohnbare Zimmer der Burg gezogen und haben Wein und Salami an Wanderer verkauft. Über 60 Jahre später empfangen Hüttls Enkel Johann und Hermann Gäste in den 27 plüschigen Kemenaten und Suiten des gehobenen Burghotels und bauen gerade ein Dutzend weiterer Zimmer aus.

Mittelalter-Feeling mischt sich in den verwinkelten Gemäuern mit einem Sherry-Flakon auf dem Nachttisch und einem verwunschenen englischen Landschaftsgarten mit Laubengängen, Schachspiel und Tee-Pavillon im Burggraben. „Wir brauchen allein fünf Hausmeister, um alles in Schuss zu halten“, erklärt Johann Hüttl zum Sonnenuntergang vor dem Südturm.

So gemütlich ist eine Kemenate auf der Schönburg in Oberwesel. Foto: Martin Wein

Viel Arbeit macht auch Burg Rheinstein noch weiter südlich kurz vor Bingen. Das Gemäuer ist die erste Burg, die im Zuge der Rheinromantik bis 1828 im Auftrag von Preußen-Prinz Friedrich wieder aufgebaut wurde. 150 Jahre später war die Burg indessen derart verfallen, dass selbst das Land Rheinland-Pfalz einen Kauf von der Hohenzollern-Erbin Barbara Irene von Preußen ablehnte.

Wieder war es ein Opernsänger, der eine Burg rettete: Hermann Hecher. 1975 griff er zu. Heute betreibt seine Familie die Burg als romantisches Märchenschloss mit Rosengarten, Ritterrüstungen und einer Gruft im Fels. „Ich habe neben meinem Mann auch eine Burg geheiratet“, lacht Schwiegertochter Cora, die heute mit Ehemann Marco das Restaurant betreibt.

Burgen Foto: Martin Wein

Der Erhalt der historischen Anlage sei nur als Familienbetrieb möglich, sagt die 30-Jährige. Wie ein Familien-Clan im Mittelalter wohnen alle Hechers deshalb auch zusammen auf Rheinstein. „Nur einmal im Monat steigen wir ab ins Tal und bleiben eine Nacht woanders“, verrät Cora. Bei aller Romantik könnte sonst doch ein innerer Belagerungszustand aufkommen.