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Euskirchen: Burg Satzvey feiert Ritterspiele

Ritterspiele in Corona-Zeiten : Burg Satzvey bei Euskirchen zelebriert das Mittelalter

Auf der Burg Satzvey hinter Euskirchen wird auch in Zeiten der Corona-Pandemie das Mittelalter zelebriert. Im September soll zum 40. Mal ein Ritterfest stattfinden.

Die Fahrt nach Satzvey, ein idyllisches Dorf im Nordosten der Eifel, ist immer wieder erquickend. Irgendwann hinter Euskirchen taucht jener Waldrand auf, an dem der Reisende abbiegen muss. Kurz danach ragen die vertrauten Türme der markanten Wasserburg in den blauen Spätsommerhimmel.

An diesem Montagmittag streift lediglich eine Handvoll Besucher über das historische Gelände. Burg Satzvey schlummert noch, aber im Dornröschenschlaf befindet sie sich keineswegs. Ein Jubiläum steht an, das wegen der Corona-Krise allerdings nicht so zelebriert werden kann wie gewohnt: 40 Jahre Ritterfestspiele auf Burg Satzvey.

Am Ende des Burghofes, hinter den Schildern mit der Aufschrift „Privat“, liegen die Büroräume von Patricia Gräfin Beissel. Die Burg-Managerin trägt ein sportliches, schwarzes Polohemd, ist sonnengebräunt, charmant und auf den Punkt genau konzentriert. Dem Klischeebild einer kapriziösen Prinzessin entspricht die 35-Jährige überhaupt nicht. Dafür hätte sie auch gar keine Zeit: Ihr Job ist es, die alte Burg in jeder Hinsicht über Wasser zu halten.

Foto: Satzvey

Ihr Vater Franz Josef Graf Beissel von Gymnich junior rief vor vier Jahrzehnten die Ritterfestspiele ins Leben – neben dem bayerischen Kaltenberg war das damals Pionierarbeit in Deutschland. 2012 gründete seine Tochter Patricia ihre eigene GmbH und leitet seitdem das operative Geschäft auf Burg Satzvey.

An den ersten beiden September-Wochenenden wird es ein Ritterfest auf dem 4,5 Hektar großen Gelände geben – wegen der Corona-Krise jedoch erstmals ohne die 90-minütige Rittershow vor den großen Tribünen. „Wir haben trotzdem Schaukämpfer, Gaukler, Musikanten und einen Mittelaltermarkt, natürlich alles mit einem Hygienekonzept“, erläutert die Burgchefin. „Das Mittelalter wird auf Burg Satzvey zu spüren sein.“

Foto: Satzvey

Vor zehn Jahren konzipierte sie mit Thorsten Loock ihr eigenes Ensemble „Ritter der Burg Satzvey“, eine professionelle Showtruppe aus Schauspielern, Stuntleuten, Reitern und Laiendarstellern. Die muss dieses Jahr leider pausieren: „Das wird es nächstes Jahr zu Pfingsten wieder geben, wenn auch die Tribünen wieder aufgebaut sind. Das ist zurzeit einfach nicht zu finanzieren.“

Patricia Gräfin Beissel ist aber dankbar, dass sie mit ihrem Team das Ritterlager aufbauen darf. „Normalerweise arbeiten wir mit bis zu 50 Gruppen, das sind Mittelaltervereine aus ganz Deutschland“, erklärt sie. „Jetzt kommen etwa 20 bis 25 Gruppen, damit wir den Abstand wahren können. Wir haben in Abstimmung mit Ordnungs- und Gesundheitsamt einen guten Weg gefunden, um die Besucher zu unterhalten und ins Mittelalter zu entführen.“

Foto: Satzvey/Michael Goehre

So werden an jedem Stand Spender mit Desinfektionsmitteln bereitstehen, es gilt das Einbahnsystem. Unter freiem Himmel besteht keine Maskenpflicht, wohl aber in geschlossenen Räumen und in Zelten. Die Marktleute tragen entweder Maske oder ein so genanntes Gesichtsschild. Zudem wird es weniger Sitzgelegenheiten geben – und keine langen Konzerte der Mittelalterbands, sondern kleine, verteilte Musik-Sets, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden.

Foto: Satzvey

Auch die nächsten Veranstaltungen wie der Herbst- und Reitermarkt Anfang Oktober oder der atmosphärische Martinsmarkt (siehe Infokasten) sind bereits festgezurrt. „Nach heutigem Stand kann ebenso unsere Burgweihnacht an allen vier Adventswochenenden stattfinden.“

Foto: Satzvey

Und was ist mit einem der großen Höhepunkte im Kalender von Burg Satzvey, Stichwort 31. Oktober? „Über Halloween kann ich noch nichts sagen“, so die Burg-Managerin. „Das ist ein enormer Kostenapparat, und dafür brauche ich die Erfahrungen aus dem Ritterfest. Fest steht: Sollten wir an Halloween aufmachen, dann wird es auf jeden Fall ein verändertes Programm geben – und natürlich kein Labyrinth.“

Die 35-Jährige verhehlt nicht, dass auch Burg Satzvey durch die Corona-Pandemie in eine tiefe wirtschaftliche Krise gerutscht ist. Die Burg wird nach dem Motto „Erhaltung durch Unterhaltung“ betrieben, das hatte bereits ihr Vater geprägt. „Hinter dieser 600 Jahre alten Dame, wie ich unsere Burg nenne, steckt sehr viel Arbeit, das ist den meisten Menschen nicht bewusst“, sagt Patricia Gräfin Beissel und nippt an ihrem Kaffee. „Früher war es noch möglich, die Burg über Forst- und Landwirtschaft laufen zu lassen, das geht heutzutage natürlich nicht mehr.“

Foto: Satzvey

Die junge Gräfin managt nicht nur die Veranstaltungen, sie koordiniert auch die Burg-Gastronomie (Feinkostladen und Bistro „Senfmühle“ sowie Restaurant „Schnitzelhäuschen“) und kümmert sich um den Wiederaufbau der urigen Burgbäckerei, die im April dieses Jahres abgebrannt ist. 2016 gründete sie zudem ihr Unternehmen „Emotion Pferd“ und gibt Seminare zur Vertrauensbildung zwischen Reiter und Pferd, bildet Pferde für Film- und Fernsehproduktionen aus.

Ihre Feuerkurse sind ein halbes Jahr im voraus ausgebucht. Ein Leben ohne Pferde ist für sie also nicht vorstellbar? Sie lacht. „Als ich laufen konnte, konnte ich auch reiten. Und als ich 13 Jahre alt war, habe ich mit der Stunt-Reiterei angefangen und hatte die Verantwortung für drei Pferde.“

Wie war es, auf einer echten Burg aufzuwachsen? „Ich bin auf dem Gymnasium sehr gemobbt worden“, erinnert sich Patricia Gräfin Beissel. „Da hieß es: Die hat Diener zu Hause, die hat ’nen Chauffeur. Die wussten gar nicht, wie es ist, mit Töpfen durch die Burg zu rennen, weil der Regen wieder mal durchs Dach kam und wir keine Eimer mehr übrighatten.“ Mittlerweile wohnt sie nicht mehr auf der Burg, sondern im Dorf – um ein Stück Privatsphäre zu haben. „Die Burg frisst viele Ressourcen und ist wahnsinnig anstrengend. Da muss man sich manchmal die Freiheit nehmen und rauskommen. Sonst wird man irre.“