Barrierefreiheit auf dem Jahrmarkt Pützchens Markt soll „Toilette für alle“ bekommen

Beuel · Damit auch Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen an Pützchens Markt teilnehmen können, soll bei der Großkirmes eine „Toilette für alle“ getestet werden. Worum es bei dem Pilotprojekt geht und was eine Münchener Stiftung damit zu tun hat.

Mit Personenlift und Liege: Eine stationäre „Toilette für alle“ im Münchener Flughafen.

Mit Personenlift und Liege: Eine stationäre „Toilette für alle“ im Münchener Flughafen.

Foto: Stiftung Leben Pur

Beim 655. Pützchens Markt vom 6. bis zum 10. September soll versuchsweise eine neue „Toilette für alle“ zum Einsatz kommen. Wie Marktleiterin Kathrin Krumbach in der jüngsten Sitzung der Beueler Bezirksvertretung erläuterte, versuche das Marktamt der Stadt Bonn gerade, eine optimale Lösung für die Umsetzung der barrierefreien Anlage zu finden. Eine endgültige Entscheidung sollen die Beueler Kommunalpolitiker im Juni treffen.

Auf die Große Anfrage der CDU antwortete die Stadtverwaltung, dass bereits einige Gespräche mit den zuständigen Fachbereichen innerhalb der Stadtverwaltung sowie der Behindertengemeinschaft Bonn e.V. erfolgt seien. Zudem habe die Verwaltung Kontakt mit der zuständigen Organisation der Stiftung Leben aufgenommen und angefragt, ob die „Toilette für alle“ auf Pützchens Markt umgesetzt werden könne.

Fünftägige Aufstellung kostet rund 5200 Euro

Für die fünftägige Aufstellung des Containers sowie den Transport aus München liege der Stadt ein Angebot der Stiftung Leben pur vor. Demnach kostet die „Toilette für alle“ 5200 Euro, wie Markleiterin Krumbach informierte. „Das ist sehr viel Geld“, sagte sie, räumte aber auch ein, dass die bisherigen barrierefreien Toiletten-Angebote auf dem Markt noch nicht ausreichend gewesen seien. „Vieles ist gut gedacht, aber nicht gut gemacht“, sagte Krumbach. „Wir sind in einem Lernprozess.“

Bezirksverordneter Dominique Löbach (FDP) sagte, das bisherige Angebot für Menschen mit Behinderung reiche nicht aus. „Wir sollten etwas Besseres anbieten als breite Dixies.“ Antragsteller Karl-Heinz Everding (CDU) riet davon ab, in dieser Frage nur auf die Kosten zu schauen. Auch für Menschen mit schweren Behinderungen müsse es möglich sein, ihre Notdurft auf dem Jahrmarkt zu verrichten, meinte der Bezirksverordnete. Allein die Tatsache, dass es manchen Menschen nur schwer möglich sei, den Jahres-Höhepunkt in Beuel alleine aufzusuchen, sei nicht hinnehmbar. Dies stehe „im Gegensatz zur Menschenwürde“, meint Everding.

Marktleiterin Krumbach erinnerte daran, dass auf Einladung des Vereins „Pützchens Markt hilft“ gerade am Montag des Jahrmarktes immer sehr viele Menschen zu Gast seien, die körperlich behindert sind. Wenn man die Menschen zu Pützchens Markt einlade, müsse man ihnen auch die nötige Infrastruktur bieten, erläuterte Krumbach.

Eine stationäre „Toilette für alle“ soll es übrigens demnächst auch im neuen Godesberger Fahrradparkhaus geben, das die dortige Bezirksvertretung in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen hat. Der Stadtrat muss das Votum allerdings noch absegnen.

Wer hinter der „Toilette für alle“ steht

Die geschützte Bezeichnung „Toilette für alle“ verleiht die Münchener Stiftung Leben pur, die sich laut Satzung „für gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen einsetzt“. Die Stiftung definiert auch, was für Örtlichkeiten überhaupt als „Toilette für alle“ bezeichnet werden dürfen: Der Raum muss mindestens zwölf Quadratmeter groß sein, eine höhenverstellbare Liege, Decken- oder Standlifter und luftdicht verschließbare Abfallbehälter aufweisen.

Wie die Münchener Stiftung Leben pur verdeutlicht, seien „Toiletten für alle“ mehr als reine Sanitäranlagen, sondern vielmehr relevante Schlüsselfaktoren für die Freizeitgestaltung von Menschen mit komplexer Behinderung: Ausflüge in Kinos, Freibäder oder Tierparks seien häufig an die Existenz einer Toilette mit Personenlifter und Pflegeliege geknüpft. Nur in dieser Ausstattung sei etwa ein Wechseln von Inkontinenzeinlagen im Liegen möglich. Das betreffe auch ältere Menschen, die mit Demenz oder Inkontinenz leben.

Die gemeinnützige Stiftung Leben pur leitet das Projekt „Toiletten für alle“. Weitere Informationen auf www.toiletten-fuer-alle.de

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