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Gespräch am Wochenende: Schaustellerseelsorger hat Rosenkränze stets im Gepäck

Gespräch am Wochenende : Schaustellerseelsorger hat Rosenkränze stets im Gepäck

Sascha Ellinghaus ist Schaustellerseelsorger und das ganze Jahr über unterwegs und fährt gut 60.000 Kilometer durch die Republik. Zurzeit ist er auf Pützchens Markt.

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Ihre Herde sind die Zirkusleute und Schausteller. Warum brauchen die eigene Seelsorger?

Sascha Ellinghaus: Die katholische Zirkus- und Schaustellerseelsorge nimmt sich der Menschen an, die auf Volksfesten als Schausteller und Marktkaufleute oder als Tierlehrer und Artisten in Zirkusbetrieben permanent unterwegs sind. Ihr Lebensmittelpunkt ist der Wohnwagen. Das sind grob geschätzt in Deutschland rund 5000 Zirkusleute, etwa 38 000 Schausteller und auch viele Mitarbeiter in Freizeitparks.

Gibt es einen biografischen Bezug zu den fahrenden Leuten?

Ellinghaus: Überhaupt nicht. Ich stamme aus einer Kaufmannsfamilie. Kirmes und Zirkus gehören höchstens zu den üblichen Kindheitserinnerungen. Eigentlich hatte ich mir als Priester einen festen Sitz vorgestellt. Nachdem ich aber durch Zufall erste Kontakte - auch zu dem damaligen Schaustellerseelsorger – geknüpft hatte, ergab sich alles Weitere. Jetzt ist es meine Welt.

Ist der Priesterberuf Ihre erste Wahl?

Ellinghaus: Ja. An zweiter Stelle hätte ich mir eine Werbeagentur vorstellen können. Aber die habe ich jetzt auch. Ich schreibe und gestalte die Pfarrbriefe für meine reisende Gemeinde. Während des Theologiestudiums habe ich den Herrgott noch einmal darum gebeten, mir rechtzeitig ein Signal zu geben, falls er etwas anderes mit mir vorhat. Die richtige Frau trat nicht in mein Leben, also war die Sache klar.

Im Gegensatz zu Ihren Kollegen gehen Sie zu den Gläubigen. Was nehmen Sie mit?

Ellinghaus: Ich bin meistens mit einem Kleinbus unterwegs. Eingepackt ist alles, was ich für die Messfeier brauche. Ein kleiner Altar, eine selbstspielende Orgel, Lautsprecher, Kerzenständer, Osterkerze, die Sakramente und die Messgewänder. Außerdem ein Koffer mit Rosenkränzen.

Ihre Arbeit hat sicherlich auch sehr berührende Momente?

Ellinghaus: Ich habe das Kind von Artistin Natalya und Zeltmeister Michele Ross im Circus Roncalli getauft. Beide stammen aus legendären Zirkusfamilien. Sie trugen ihre Gala-Uniformen. Messdiener war der Clown Gensi alias Fulgenci Mestres Bertran. Zwischendurch spielte er auf der Metallsäge das Ave Maria. Manchmal werden zu solchen Anlässen beim Gruppenfoto auch die Tiere mit dazu geholt.

Was hält Schausteller oder Zirkusleute zusammen?

Ellinghaus: Eben das. Sie halten zusammen. Die Familie und die Gemeinschaft ist ihnen wichtig. Wie in einem kleinen Dorf. Die Wohnwagen stehen auf engstem Raum zusammen. Es gibt kaum eine Trennung zwischen Beruf und Privatleben. Die Menschen sind offen, immer hilfsbereit und packen mit an, wenn es Probleme zu lösen gibt.

Was ist das Charakteristische an Pützchens Markt?

Ellinghaus: Die ursprüngliche Verbindung zwischen Kirmes und Kirche ist immer noch sehr lebendig. Ich erlebe, dass viele Besucher wissen, welche Rolle die Heilige Adelheid spielt und eine innige Beziehung zum Glauben haben. Die Bevölkerung in Pützchen liebt das Fest und nimmt in der Zeit allerhand Beeinträchtigungen in Kauf.

Kardinal Woelki kommt zur Jubiläumsmesse...

Ellinghaus: Die Sonntagsmesse im Festzelt, unterstützt von der Kirchengemeinde Pützchen und verschiedenen Musikgruppen, hat Tradition. Dass der Kardinal auf meine Anfrage hin persönlich zur Festmesse um 10 Uhr kommt, freut uns alle sehr. Es ist auch Zeichen seiner Wertschätzung für das 650-jährige Jubiläum.