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Interview mit Klaus Breuer: "Ein Verbot hilft niemandem"

Interview mit Klaus Breuer : "Ein Verbot hilft niemandem"

Der Naturpark Siebengebirges begeistert Besucher zu Rad und zu Fuß. Doch nicht immer laufen Begegnungen der beiden Gruppen problemlos ab.

Marcel Dörsing sprach mit Klaus Breuer vom Verschönerungsverein für das Siebengebirge über die schwierige Koexistenz.

Mountainbikefahren ist Trendsportart, spüren Sie das auch im Siebengebirge?
Klaus Breuer: Wir merken das auch. Gerade junge Leute begeistern sich für diesen Sport. Das ist auch für uns eine Möglichkeit, jüngeren Menschen die Schönheit des Siebengebirges näherbringen zu können, genauso wie die Bedeutung des Naturschutzes.

Wie steht es um das Zusammenleben von Bikern und Wanderern im Siebengebirge heute?
Breuer: Das ist durchaus akzeptabel. Vor zwei Jahren hatten wir eine etwas hitzige Zeit. Da kam es sogar vor, dass jemand Drahtseile über die Wege gespannt hat. Ähnliche Fälle kommen aber zum Glück derzeit nicht mehr vor.

Das heißt, Sie sehen keine Probleme?
Breuer: Negative Ausnahmen gibt es auf beiden Seiten. Ein Problem ist zum Beispiel, dass einige Mountainbiker, die am Wochenende anreisen, sich erst gar nicht über den Wegeplan informieren, sondern querfeldein fahren. Das kann man zum Beispiel am Stenzelberg oder auch am Lohrberg erleben. Auf diese Weise entstehen fingerförmige Wildwegestrukturen. Das ist aber mit dem Naturschutz überhaupt nicht vereinbar. Auf der anderen Seite gibt es auch unter Wanderern einige, die Fahrradfahrer beschimpfen.

Was beklagen Wanderer?
Breuer: Gerade Familien, die im Siebengebirge unterwegs sind, wollen ihre Kindern auf den Wegen frei laufen lassen. Das ist nicht ohne weiteres möglich, wenn einzelne Mountainbiker angerast kommen.

Was würden Sie sich wünschen?
Breuer: Fest steht: Ein generelles Verbot hilft niemandem. Mountainbiker gehören genauso in den Wald wie Wanderer. Wir haben im Siebengebirge ein neues Wegenetz ausgezeichnet, das klar ausweist, wo das Radfahren erlaubt ist. Ich würde mir wünschen, dass sich die Radfahrer daran halten.

Wie erkennt der Biker das vor Ort?
Breuer: Wege, die von Radfahrern benutzt werden dürfen, sind mit einem gelben Dreieck gekennzeichnet, Wanderwege mit einem rotem Dreieck. Diese klare Kennzeichnung lässt Ausreden des Nichtwissens nicht mehr zu.

Ambitionierte Mountainbiker reizen gerade schmale "Single Trails".
Breuer: Das wissen wir. Derzeit gibt es Überlegungen, gemeinsam mit dem Landesbetrieb Wald und Holz, den Kommunen und Verbänden solche Strecken außerhalb des Naturschutzgebietes auszuweisen. Das könnte weitere Entlastungen auf beliebten Wanderwegen geben.